Inges Judenkomplex

Kleine Psychopathologie einer linken Bundestagsabgeordneten

youtube.com - Inge Höger auf der Palästina Konferenz in Wuppertal am 7. Mai 2011
Inge Höger: "Nicht die Juden sind das Problem, oder mein Problem..."

Schon letztes Jahr überraschte uns Inge Höger im östlichen Mittelmeer an Bord der Mavi Marmara damit, wie unbeirrt ihr Gemüt zwei sich scheinbar widersprechende Züge zu vereinen wusste. Erinnern wir uns kurz an die damaligen Ereignisse auf dem Deck, wie israelische Soldaten das von türkischen Märtyrern Richtung Gaza gelenkte Schiff aufbrachten, und sich gegen ein dort auf diesen Augenblick eingeschworenes Lynchkommando nur verteidigen konnten, indem sie eine Handvoll der todeswütigen Angreifer erschossen. "Wir haben uns wie im Krieg gefühlt", berichtete Inge Höger, als sie nach Herford zurückkam. Diese Darstellung war einerseits nicht ganz falsch, andererseits nicht ganz richtig, denn von "wir" konnte hier gar keine Rede sein. Ein einzelner Soldat, von zehn Seiten gleichzeitig mit Eisenstangen und Messern attackiert, mochte sich möglicherweise "wie im Krieg gefühlt" haben. Aber Inge Höger tat dies sicher nicht, denn sie schlief ja während der fraglichen Zeit unten auf dem Frauendeck, wie sie später selber zugab, und wachte erst auf, als der "Krieg" über ihr längst vorbei war. Falls sie aber im Schlaf sich "wie im Krieg gefühlt" haben sollte, hatte sie vielleicht einen unruhigen Traum, und uns würde dazu nur einfallen, was uns Sigmund Freud über den Traum gelehrt hat: dass jeder Traum die Erfüllung eines unbewussten Wunsches enthält. Wir werden darauf noch zurückkommen. Mit dem jedenfalls, was auf dem Schiff tatsächlich geschehen war, hatte das alles wenig zu tun.

So lernten wir damals über Inge Höger, dass der Widerwille, der sie bis heute regelmäßig durchfährt, wenn es um Israel geht, ehrlich und unbestechlich, über allen Zweifel erhaben ist, während sie ein nicht minder bestechliches Verhältnis zur Wahrheit hat, vor allem wenn es darum geht, ihre unberechenbaren antizionistischen Aggressionen mit Beweisen für die Verbrechen Israels zu rechtfertigen. Und wir mussten schließlich einsehen, wie sehr gerade diese an sich verwirrende Verbindung aus Unbeugsamkeit und Biegsamkeit als ihr - und ihrer Genossen - herausragender, hervorragender, ja vornehmster Charakterzug einzustufen ist; so wären wir deswegen nicht mehr überrascht, oder wären vielmehr überrascht gewesen, Selbigen nicht noch einmal vorgeführt zu bekommen.

Die Genossin enttäuscht uns nicht. Ende April fällt Henryk M. Broder ein ekelhaft riechender Text auf ihrer Homepage auf, in dem das Symptom wieder auftaucht. Denn es ist ein Symptom eines seelischen Leidens, wie wir bald feststellen werden, das Henryk M. Broder als "lupenreinen Antisemitismus" benennt, das wir aber auch "linken Antisemitismus" oder einfach Antisemitismus oder Judenkomplex nennen können, denn wir sind keine Ärzte und wollen dem Patienten nicht helfen. Das Pamphlet besteht aus der beliebten Verschwörungstheorie, wonach die Juden Schuld an allem Übel sowie an allen Übeln sind. Hier sollte Israel Juliano Khamis, einen der Gründer des Freiheitstheaters in Jenin, der am 4. April von einem bisher nicht ausfindig gemachten Attentäter niedergeschossen wurde, und Vittorio Arrigoni ermordet haben, einen kranken, kriegssehnsüchtigen, antisemitischen Genossen, der aber am 15. April von einer Al Queda Bande in einem leerstehenden Appartement in Gaza stranguliert worden ist; denn "die Frage, die man sich stellen muss, ist: Wer profitiert von diesen furchtbaren Verbrechen?" Freilich war Inge Höger wieder nicht da, als dieser Dreck geschrieben und ins Netz gestellt wurde. Sie war im Urlaub. Der Dreck wurde von der Homepage gewischt. Da steht jetzt zur Ermordung Vittorio Arrigonis nur noch: "Es ist tragisch, dass die gewaltsame israelische Besatzung und die Blockade Gazas sowie die politische Spaltung der PalästinenserInnen dazu führen, dass Gruppen gestärkt werden, die mit brutaler Gewalt gegen die palästinische Gesellschaft und die Solidaritätsbewegung vorgehen... am Ende profitiert einzig die Besatzungsmacht von solchen Verbrechen." Das ist zwar das Selbe, klingt aber weniger anrüchig, und die Spaltung zwischen Palästinensern und Palästinenserinnen scheint sich ja mittlerweile auch gemildert zu haben. Schönen Urlaub noch, Inge!

In der Zwischenzeit legten die Duisburger Genossen nach. Auf deren Homepage tauchte ein Flugblatt mit einer Karikatur auf, die den Judenstern verwoben mit dem Hakenkreuz zeigt, darunter ein Text, im Nazi-Jargon eine israelische, nicht jüdische Weltverschwörung beklagt, zum Boykott israelischer, nicht jüdischer Produkte aufruft und den "sogenannten Holocaust", nicht den Holocaust leugnet; "Wahrheit macht frei!" steht da, statt "Arbeit macht frei!" So haben die Parolen im Laufe der Zeit sich doch gewandelt.

Auch die Duisburger können sich nicht erklären, wie das da hingekommen sein könnte. Oder war es der Mossad mit seinen Stuxnet-Viren, mit denen er seit geraumer Zeit das Atomraketenprogramm der Ayatollahs völkerrechtswidrig behindert, oder die FDP, der man seit der Ermordung Jürgen W. Möllemanns nicht mehr über den Weg trauen kann, was den Judenkomplex angeht? Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Wer profitiert von diesen furchtbaren Verleumdungen?

Inge wird nicht allein dastehen, wenn sie aus ihrem Urlaub zurückkehrt. Nachdem wir nun ein paar Symptome betrachtet und Hinweise darauf gefunden haben, dass sie nicht als Besonderheit bei einer einzelnen Genossin erscheinen, sondern bei den Genossen symptomatisch auftauchen. Und da überrascht uns auch die Tatsache nicht mehr, dass alle antisemitischen Vorfälle, die wir in dieser Region seit Beginn dieses Jahrtausends - jedenfalls nach der Ära Möllemann - registrieren mussten, nicht von rechten, sondern von linken Nazis verantwortet wurden, die entweder ganz direkt mit ihren islamischen Gesinnungsgenossen vor Ort zusammen agierten, wie bei den notorischen Hamas- und Hizballah-Demonstrationen in Bielefeld, oder weniger direkt im eingebildeten Auftrag von Al Qaeda, Taliban oder den iranischen Revolutionswächtern; die Form ist beliebig, Hauptsache es geht gegen Israel und die USA.

Dass aber jene Vorfälle tatsächlich nicht als solche registriert werden, hat zwei Gründe. Erstens, die Identität der Parolen "Kauft nicht bei Juden" und "Kauft nichts von Israel" wird geleugnet - es soll zwischen Staats- und Volksverhetzung unterschieden werden. Zweitens, der islamische Antisemitismus wird antirassistisch geleugnet - es soll zwischen der eigenen und der anderen Kultur unterschieden werden. Die Leugnung ist jeweils selbst Symptom des Judenkomplexes, sie soll bedeuten: Wenn der islamische Antisemitismus anders ist, so ist er unschuldig, denn er ist unbelastet von unserer Schuld; dann aber sind wir ebenfalls unschuldig, denn wir handeln ja nur aus reiner Solidarität mit den Unschuldigen, den Palästinensern, den Verfolgten des Judenregimes.

Wir können nun das Krankheitsbild ein wenig vervollständigen. Es stellt sich ein letztes Mal die Frage: Wer profitiert von diesen furchtbaren Verdrehungen? Da ist einmal Inge. Auf ihr lastet die Schuld ihrer Eltern und Großeltern, und sie hat es sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, diese Schuld abzutragen oder sie vielmehr auf einen Schlag loszuwerden: durch entschlossenes Engagement für die gute Sache. Von hierher stammt auch einer ihrer vornehmen Charakterzüge: die Unbeugsamkeit. Es darf kein Zweifel daran aufkommen, dass sie es ernst meint, denn sonst funktioniert es nicht. Deshalb ist sie, nach ihrer Ausbildung zur Speditionskauffrau, Mitglied geworden bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, dem Kuratorium "Erinnern - Forschen Gedenken" in Herford, bei PRO ASYL, DFG-VK, Attac und diversen einschlägigen Vereinen. Und weil sie gegen den Krieg ist, den ihre Eltern verloren haben, und gegen allen Krieg ganz allgemein an sich, insbesondere gegen alle israelischen und amerikanischen, deshalb ist sie auch noch Mitglied der Partei DIE LINKE geworden und für die Partei Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Und deshalb hält sie alljährlich eine Rede beim Ostermarsch auf dem Jahnplatz in Bielefeld, wo sie sich gegen den Krieg im Nahen Osten ausspricht, aber nicht gegen den islamischer Terroristen gegen die Juden, sondern den Israels gegen islamische Terroristen. Und deshalb redet sie gegen den Krieg in Afghanistan, aber nicht den Krieg der Taliban, sondern den der Amerikaner. Und, und. Ihr Profit dabei: seelische Entlastung und das erhabene Gefühl dazu, diesmal auf der richtigen Seite zu stehen.

Damit kommen wir auf den Traum zurück, den sie unten auf dem Frauendeck hatte, während oben der Krieg tobte. Der Profit, den ihr das unbeugsame Engagement garantiert, ist nicht zu verachten, aber es ist nicht genug. Das ewige Schimpfen und die sparsamen Gelegenheiten, als zweitrangige Abgeordnete im Bundestag immer dieselben Reden zu schwingen, das bringt nicht viel ein, es stumpft sich ab, und so wird die Diskrepanz zwischen der erhabenen Idee, die es zu erreichen gilt, und dem, was sie mit dem alltäglichen demokratischen Einerlei tatsächlich erreicht, mit jeder Rederei nicht kleiner, sondern größer. Sie würde selber gerne einmal etwas ganz Großartiges erreichen, oder wenigstens erleben, die Welt verändern vielleicht, oder wenigstens für sich einmal vollkommen konsequent sein, ohne Rücksicht, ohne Tabus. Der Wunsch nach totaler Konsequenz aber muss in ihrem realen Leben unerfüllt bleiben, und daher muss er, weil es ihr keine Ruhe lässt, ins Traumleben verschoben werden. Also träumt sie davon, sich "wie im Krieg gefühlt" zu haben, von ihrem totalen Krieg gegen die Juden.

Hier stoßen wir auf die Herkunft jenes anderen Charakterzugs der Genossen, ihr ambivalentes Verhältnis zur Wahrheit. Weil ihr barbarischer Traum von einer Welt der totalen Gleichheit und Gerechtigkeit, in der es kein Geld und keine Kapitalisten, keine Religion und keine Juden mehr gibt, weil diese fixe Idee die absolute Wahrheit sein soll, so muss die Wahrheit selbst zum Albtraum verbogen werden. Die Stiftung der Partei DIE LINKE lud nach 9/11 ausschließlich solche Referenten ein, die den islamischen Terrorismus als Erfindung der Amerikaner, die Amerikaner selbst als die wahren Terroristen und die Zerstörung des World Trade Centers zugleich als gerechte Tat im Kampf gegen die amerikanische Weltherrschaft und Vorwand für den Krieg Amerikas gegen die ganze Welt darstellten. Von der Friedensbewegung und der Bielefelder Antifa wurden die damalige Serie palästinensischer Selbstmordanschläge zu hoffnungsvollen Verzweiflungstaten und die Anschläge von Al Qaeda in Irak zum revolutionären Widerstand geadelt. In Inges krankem Hirn ging es den Afghanen besser "zu Zeiten der Taliban", bei dem NATO-Einsatz in Libyen geht es "um den Zugang zu Öl"; das sei "schlimm für die Libyerinnen und Libyer", aber auch für die Westpfälzer und Westpfälzerinnen, meint Inge dazu, denn letztere "hatten die Befürchtung, dass nach dem Absturz eines US-Kriegsflugzeuges bei Laufeld auch ihre Region uranverseucht sein könnte." Die Befürchtung erwies sich als haltlos, aber Inge war ja natürlich wieder nicht dabei, als es passierte, sondern ganz bei ihrer Traumarbeit im Bundestag, als diese "Befürchtung", oder vielleicht war es auch nur das Gefühl einer Befürchtung, das in ihr erwachte.

Die Wahrheit, die sie aus alldem ergibt, ist, dass der Judenkomplex eine unheilbare Krankheit ist, und dass die daran Leidenden ihre Unwahrheit für die Wahrheit halten müssen, um sich gesund zu fühlen. Das Gefühl wiederum, dass sie die Gesunden, der Rest der Welt aber krank sei, ist das Gefährliche an ihnen. Denn dass die Welt krank ist, ist nicht zu bestreiten, aber statt dass sie sich selbst als Beweis dieser Wahrheit dienen, dient sie ihnen als Beweis ihrer Unwahrheit, ihrer Gesundheit und als Rechtfertigung ihres Feldzugs zur Rettung der Welt. Als Weltretter wiederum sind sie zu Allem bereit und bemächtigt, jeder Mord ist von der das Individuum überragenden Idee bemäntelt, jeder Terror von oben gesegnet. So drängt der Judenkomplex zum Gotteskrieg, seiner letzten Wahrheit. Doch solange die Welt krank, aber nicht krank genug für den Untergang ist, wird sie sich gegen diese Gefahr zu verteidigen wissen; aber nicht mit Ärzten und Psychologen, sondern mit Bomben und Raketen. Schönen Urlaub noch, Inge!