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Vom 7. Mai 2009
Von Thomas Becker
Veröffentlicht in
Ultimo
Nr. 11/2009
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Ein deutsch-arabisches Judenproblem Über eine anti-zionistische Ausstellung linksdeutscher Anti-Rassisten in Bielefeld Statt, wie im Januar, in der Einkaufszone gegen Juden, Kindermörder und den Holocaust in Gaza zu protestieren, und damit die krisenverschüchterten Konsumenten noch mehr zu erschrecken, versucht die anti-zionistische Gemeinde sich jetzt auf geeignetere Weise bei den Bielefeldern einzuschleimen. Das soll eine Ausstellung über "Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" bewerkstelligen, die vom 4. bis 17. Mai im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) zu betrachten ist. Bei dem Titel denkt man unwillkürlich an eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, die sich um das Schicksal dreht, das unsere Großeltern erlitten, nachdem ein ungünstiger Kriegsausgang die volksdeutsche Herrenrasse zu den gemeinen, führerlosen Volksdeutschen zurückstufte, die sie waren, um sie endlich in ihre Grenzen zu verweisen. Die Analogie soll darauf aufmerksam machen, dass auch den Palästinensern Unrecht widerfahren ist, denn so wenig wie dem schlesischen könne dem arabischen Bauern die Verantwortung dafür aufgebürdet werden, was Adolf Hitler mit den Juden gemacht hat. Das haben wir doch alles gar nicht gewusst! Oder, wie es auf einer der Schautafeln heißt: "Die Palästinenser sahen nicht ein, weshalb sie für den Holocaust bezahlen sollten." (Walid Khalid, palästinensischer Historiker); "So versuchten die europäischen Staaten, sich eines gemeinsamen Problems... auf Kosten eines nun gänzlich unbeteiligten Volkes zu entledigen." (Norman Paech, außenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag). Seitdem also haben die Araber das Judenproblem. Denn als sie es sich mit Gewalt vom Hals zu schaffen versuchten, verloren auch sie einen Krieg, den sie daraufhin nie gewollt haben wollen. Folglich hat die Gründung des I-Staates sich ihrem kollektiven Gedächtnis als schmerzende "Katastrophe" eingeprägt, die ihnen das Hirn verdreht, sodass auch von einem "Tumor" oder "Krebsgeschwür" die Rede ist, einem fauligen Stachel im arabischen Fleisch. Daran will die Ausstellung erinnern, indem sie mit akribisch zusammengewürfelten Statistiken über die jüdische Immigration in die von Natur aus arabischen Stammesgebiete, feinen historischen Nahaufnahmen von ausdrucksloser Qualität und sensationellen Enthüllungen aus dem seit einem halben Jahrhundert frei verkäuflichen Tagebuch David Ben Gurions erstmalig aufdeckt, dass die Palästinenser das Opfer einer grauenhaften Verschwörung geworden sind, die sich, man ahnt es fast, ein Jude namens Theodor Herzl ausgedacht hat. Die bunten Übersichtskarten und rührenden Kindergeschichten, die mit Bildern aus dem Familienalbum belegt sind, zeigen dem deutschen Publikum, dass das Unglück der Palästinenser auf dem Unrecht des Zionismus beruht, überzeugender, als es den unverschleierten Parolen der im Januar durch die Innenstadt protestierenden Hasspredigern gelingen konnte. Die sind allerdings auch jetzt wieder dabei, denn außer dem IBZ wird die Palästina-Ausstellung vom IZB unterstützt, dem Islamischen Zentrum Bielefeld und seinen Aktivisten von Milli Görus, den Organisatoren der damaligen Hamas-Demonstrationen. Der Vollständigkeit halber darf dabei die links-deutsche Fraktion der anti-zionistischen Gemeinde nicht fehlen, hier repräsentiert vom Buchladen Eulenspiegel. Beim nächsten Mal sind dann bestimmt auch die schlesischen und sudentendeutschen Vertriebenen wieder mit dabei. |