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Vom 3. November 1999
Von Thomas Becker
Veröffentlicht in
Konkret
Nr. 12/1999
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Bock und Gärtner Wie die Nato das häßliche Personal, das sie in Kosovo an die Macht brachte, schönredet Nach den "Gefühlen" gefragt, welche die Nato angesichts der Tatsache bewege, daß "die Leute, über die sie normalerweise mit einer gwissen Anerkennung sprechen, einen Mann zu einem ihrer Führer ernannt haben, der in ethnische Säuberungen verwickelt ist", antwortete Jamie Shea: "Wen sie zu ihrem Führer machen, ist ganz und gar deren eigene Angelegenheit" 1. Die Rede war von der UCK und ihrem Oberbefehlshaber. Agim Ceku, ein mit acht Ehrenabzeichen belobigter General der Kroatischen Armee, hatte im Februar Kroatien verlassen, um noch einmal gegen die Jugoslawische Armee in den Krieg zu ziehen. Am 21. März hatte die New York Times aus einen ihr zugespielten internen Bericht des Tribunals gegen Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien in Den Haag zitiert, aus dem hervorging, daß gegen Ceku wegen "Massenerschießungen, rücksichtslosen Angriffen auf die Zievilbevölkerung und ‚ethnischen Säuberungen'" in den Jahren 1993 und 1994 ermittelt wird 2. Im April wurde Ceku Generalstabschef der UCK, ist seit Kriegsende verantwortlich für deren Entwaffnung und die mit der UN-Protektoratsverwaltung vereinbarte Umwandlung der UCK in eine Polizeitruppe des Kosovo (Kosovo-Protection Force, KPC). Die Nachforschungen Michel Chossudovskys, Professor of Economics an der University of Ottawa, zeigen, daß die Behauptung Sheas, die Nato unterhalte "keinen direkten Kontakt" mit der UCK eine "Lüge" 3 darstellen. Agim Ceku persönlich arbeite "eng mit dem Söldner-Programm des Pentagon MPRI zusammen", einem "sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Trainingsprogramm mit der Military Professional Resources International, einer von früheren amerikanischen Offizieren geführten Söldner-Firma mit halb-offizieller Unterstützung des Pentagon, die (schon) eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Kroatischen Armee spielte" 4. MPRI war ebenso am Aufbau der bosnischen Armee behilflich; z.Zt. arbeiten nach ihren eigenen Angaben noch "91 erfahrene frühere Berufsmilitärs in Bosnien-Herzegovina...Wir arbeiten unter Vertrag der Föderationsregierung Bosnien-Herzegowinas mit Unterstütuung der US-Regierung" 5. Agim Ceku wurde im Kosovo geboren, hatte eine Ausbildung an der Militärakademie in Belgrad absolviert und arbeitete als Artillerie-Offizier in der Jugoslawischen Armee. 1991 wurde er General der Kroatischen Armee unter Franjo Tudjman. Er war der führende Kopf - "masterminded" (Janes Defence Weekly) - der Offensive der Kroatischen Armee am 9. September 1993 in der Medak Tasche, einer Gegend im Süden Kroatiens westlich der Krajina, bei der binnen weniger Tage mehrere serbische Dörfer ausgelöscht und deren Bewohner vertrieben oder ermordet wurden. Erst kürulich bestätigte ein US-Army-Offizier außer Dienst, der seit 1995 als Berater der Kroatischen Armee im Einsatz gewesen ist, die Zusammenarbeit in einem Gespräch mit Janes Defence Weekly: Ceku, den er während der entscheidenden kroatischen Offensiven 1995 in der Praxis kennengelernt hat, hätte alle in Staunen versetzt, durch seine Fähigkeit, "jederzeit den nächsten Schritt des Feindes vorauszusagen" 6. Am 17. September 1998, nach einer Woche, war die Militäraktion in der Medak Tasche abgeschlossen und die kanadischen und französischen UN-Soldaten, die die serbische Minderheit in dieser Region hätten schützen sollen ohne es zu können, konnten das Schlachtfeld besichtigen: "Als die Einheiten der Vereinten Nationen die Medak Tasche betraten, fanden sie jedes Haus brennend oder zerstört vor. Es gab Hunderte solcher Häuser in den einzelnen Dörfern und Siedlungen. Keines davon war noch bewohnbar. Spezialeinheiten untersuchten und berichteten über die Zerstörungen, suchten nach Überlebenden und sammelten Körper" 7. Ceku war außerdem der oder einer der "key planners" 8 der "Operation Sturm", der abschließenden Offensive der Kroatischen Armee vom 4. August 1995, durch die der Widerstand der serbischen Minderheit gegen die Eigenstaatlichkeit Kroatiens endgültig gebrochen und 150000 Serben aus der Krajina vertrieben wurden. Bereits während der ersten Tage der Offensive beklagten die sich in der Nähe des Kampfgebietes aufhaltenden Beobachter der Vereinten Nationen nicht nur, daß ihre eigenen Stützpunkte von der Kroatischen Armee "überrannt und zerstört" und eines ihrer Battalione zusammen mit einer Gruppe von Serben als "als Gefangene gehalten und als menschliche Schutzschilde benutzt" wurden, sondern ebenso von "brennenden Häusern", "Ermordung von serbischen Zivilisten, die sich auf der Flucht befinden", zahlreichen "Menschenrechtsverletzungen" und einer "militärischen Krise" durch den "Massenexodus" der Serben 9. Die Chefanklägerin des Haager Tribunals, Carla del Ponte, wollte sich noch während ihres Aufenthalts am 29. Oktober in Pristina über den Fall Ceku äußern 10. Mitglieder ihres Teams hatten im Gegensatz dazu allerdings schon zugegeben, daß gegen Ceku möglicherweise auch wegen Kriegsverbrechen im Kosovo ermittelt werde 11. Selbstverständlich bestreitet Ceku jede Verwicklung der UCK in die seit Kriegsende andauernden Morde und Vertreibungen im Kosovo. In einem Janes-Gespräch 12 bewertete Ceku die Zusammenarbeit mit der UN-Mission im Kosovo (UNMIK) als "gut": "Unser strategisches Ziel ist es immer gewesen, den Kosovo zur Demokratie und in die Europäische Integration zu führen. Das kann nur durch die Zusammenarbeit mit der Internationalen Gemeinschaft erreicht werden". Die Probleme, die es wegen der zukünftigen Rolle der UCK im Kosovo gegeben habe, seien entstanden, weil "die Hauptsorge der Internationalen Gemeinschaft die Demilitarisierung der UCK" gewesen, "während es unser Hauptziel war, die UCK umzuwandeln". Das KPC-Projekt soll ein Kompromiß sein. Am 20. September wurde Ceku zum Kommandeur der KPC von Bernard Kouchner, dem Sondergesandten des UN-Generalsekrätärs, persönlich ernannt und von Kfor-Kommandeur Mike Jackson bestätigt. Angeblich hat die UCK 10000 Waffen abgegeben und besitzt keine "versteckten Waffen" mehr; Ceku: "Am Ende des (Nato)Bombardements hatten wir rund 20000 Soldaten, aber viele davon, vielleicht 50%, wurden entlassen und hatten keine Waffen. Sie mußten sich eine Waffe teilen...Ich kann nicht die Möglichkeit ausschließen, daß das Volk Waffen. Die Grenzen waren offen und jedermann konnte welche aus Albanien mitbrigen" 13. Nach den Vereinbarungen zwischen UNMIK und UCK soll die KPC eine leicht bewaffnete Polizeitruppe von 3000 Mann werden. Doch für Ceku ist sie nur eine "Brücke in die Zukunft, von der UCK als einer Organisation in Kriegszeiten hin zu einer regulären, modernen Armee des unabhängiogen Kosovo" 14. Ceku läßt keinen Zweifel daran, daß er das KPC-Projekt dazu nutzen will, "wesentlich mehr als die 3000 vorgesehenen" Mitglieder zu trainieren; "diejenigen, die das Training abgeschlossen haben, schicken wir nach Hause, so daß für die nächsten Platz wird...Wir wollen so viele wie möglich trainieren, damit wir, wenn es nötig wird, über ausreichen fähige Führer zurückgreifen können". Anmerkungen 1 Press Conference given by NATO Spokesman, Jamie Shea and SHAPE Spokesman, Major General Walter Jertz, 14. Mai 1999, http://www.nato.int/kosovo/press/p990514b.htm 2 War Crimes Panel Finds Croat Troops Cleansed the Serbs, Raymond Bonner, New York Times, 21. März 1999 3 NATO's War of Aggression Against Yugoslavia, Michel Chossudovsky, 3. Juni 1999, http://www.transnational.org/features/Yuoverview.html 4Sunday Telegraph, London, 18 April 1999 5 MPRI, Continuing Requiremments - Bosnia - Military Stabilization Program, http://www.mpri.com/current/personnel.htm 6 Croat general to lead KLA as part of reorganisation, ZORAN, Jane's Defence Weekly, 10. Mai 1999, http://www.janes.com/defence/features/kosovo/general.html 7 United Nations, Security Council, S/1994/674, 27. Mai 1994, http://his.com/~twarrick/commxyu4.htm#IV.D 9 REPORT OF THE SECRETARY-GENERAL SUBMITTED PURSUANT TO SECURITY COUNCIL RESOLUTION 1009 (1995), S/1995/730, 23. August 1995 10 AP, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Oktober 1999 11 Sunday Times, 10. Oktober 1999 12 Interview with General Agim Ceku, Jane's Defence Weekly, 20. Oktober 1999, http://www.janes.com/defence/interviews/991020.html |