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Vom 27. Dezember 1996
Von Thomas Becker
Veröffentlicht in der Tageszeitung Junge Welt
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Tauziehen um Milosevic Deutschland setzt auf den Separatismus der Kosovo-Albaner Wie jede Krise auf dem Balkan entzweit das Kräftemessen auf den Straßen Belgrads die Hauptstädte der europäischen Großmächte. In London und Paris gilt der serbische Präsident bislang als Garant einer staatlichen Ordnung, die der auch in der Bundesrepublik Jugoslawien virulenten Separatismus widerstehet. In Bonn wird dieses "Gebilde" - wie das mittlerweile im Krieg zerstörte Jugoslawien - als Völkergefängnis angesehen wird. Die deutsche Außenpolitik sezt auf die separatistischen Zerstörungswut, um ihren Eigenen Einfluß auszubauen. Der von dem britischen Botschafter in Belgrad Anfang Dezember unternommene Versuch, zwischen Milosevic und der Opposition zu vermitteln, fand deshalb bei der Bonner Regierung keinen Gefallen. Wegen dieser Differenzen bleiben die lauten Proteste von Außenminister Kinkel, die Staatengemeinschaft werde die Disziplinierung der Opposition durch Milisevic’s Polizei "nicht einfach hinnehmen", bis jetzt nur Apelle, die in London und Paris kein Echo hervorrufen. Dort fürchtet man vielmehr den weiteren Zerfall, der nur dem Konkurrenten nützen würde. Weil man die Demonstranten in Belgrad für unfähig hält, setzt man in Bonn auf die albanische Minderheit - und ihr "Mutterland" - Albanien empfing in den vergangenen zwei Jahren erhebliche militärische Unterstützung aus der BRD. Im Herbst fanden die ersten deutsch-albanischen Manöver statt. Das Bonner Kalkül: Die serbische Opposition mit dem albanischen Separatisten zusammen zu bringen. Ansatzpunkte dafür gibt es bereits. Die muslimische Koalition im Sandzschak schrieb der serbischen Opposition einen Solidaritätsbrief. Danach sandten auch die Kosovo-Albaner einen Unterstützerbrief; er wurde in allen oppositionellen Medien Serbiens veröffentlicht. Der albanische Ministerpräsidenten Meksi hatte die zwei Millionen Albaner im Kosovo aufgefordert, die serbische Opposition zu unterstützen. Mitte Dezember wurde bekannt, daß Hilfsgüter des deutschen Programms zum Wiederaufbau und die Schaffung von Rückkehrbedingungen gezielt in bosnische Dörfer in den serbischen Teil Bosniens und die Grenzregionen geleitet wurden. Die Lieferungen wurden vom Bonner Außenministerium gesteuert. Bereits in den Wochen zuvor war es genau in diesem Dörfern zu schweren Zwischenfällen gekommen, weil die Muslime zum Teil bewaffnet dort hin zurückgekehrt waren. Nachdem die Vereinten Nationen beschlossen hatten, das Mandat für die Schutztruppen in Ostslawonien über den 15. Januar hinaus zu verlängern, hatte die kroatische Regierung öffentlich versichert, die Eingliederung dieser von Serben bewohnten Gebiete würde sich wahrscheinlich schneller vollziehen, als die internationale Gemeinschaft plane. Schon zuvor hatte Präsident Tudjman gedroht, die Gebiete notfalls mit militärischer Gewalt zu annektieren. In der kroatischen Zeitung Obzor wurde Ende November über bisher nicht öffentlich bekannt gewordene Pläne der britischen Regierung berichtet, eine regionale Verbindung zwischen Ostslawonien und Serbien aufzubauen. Der Direktor des britischen Außenministeriums soll Kroatien davor gewarnt haben, sich diesem Plan zu widersetzen; ansonsten würde man in internationalen Gremien eine Autonomie für dieses Gebiet fordern. Das Ziel, eine soolche regionale Integration voranzutreiben, sei die "Begrenzung der deutschen Einflußsphäre in Europa". Nach diesem Plan solle der "deutsche Bündnisparner Kroatien" marginalisiert und die traditionelle Allianz mit Belgrad erneuert werden. Die Schaffung einer neuen Region im Südosten Europas solle dazu dienen, Bonn auf der europäischen Bühne parieren zu können. Weil Slovodan Milosevic 1991, als Bonn auf die Abspaltung Sloweniens und Kroatiens setzte, auf den Zusammenhalt des dann im Krieg zerstörten Jugoslawien bestanden hatte, wurde er von der BRD-Außenpolitik als Staatsfeind ersten Ranges behandelt. In den Augen der britischen und französischen Regierung war er schon aus diesem Grund ein Verbündeter. |