Das islamfaschistische Regime in Teheran und die Bombe

Vortrag
Veranstaltungsankündigung

Veranstaltungsankündigung

Vor 5 Jahren wurde bei Natanz, 350 km südlich von Teheran, eine Baustelle entdeckt; zehn Meter unter der Erde, von einer fünf Meter dicken Betondecke geschützt, sollte hier eine Urananreicherungsanlage in einer Größenordnung entstehen, die Iran einmal in die Lage versetzen würde, 10-20 Atombomben jährlich herzustellen.

Vor 5 Jahren wurden während einer Militärparade in Teheran die Raketen vorgeführt, welche die bei Natanz produzierten Atomsprengköpfe einmal nach Israel tragen sollen; sie waren mit Aufschriften versehen wie „Wir werden Israel von der Landkarte radieren“ und „Wir werden Amerika unter unseren Füßen zertreten“.

Vor 4 Jahren begannen Deutschland, Frankreich und Großbritannien im Namen der Europäischen Union mit Iran über die Aufgabe seines Urananreicherungsprogramms zu verhandeln. Die Europäer wollten damit, ein halbes Jahr nach Beginn des Irakkriegs, zeigen, daß sie mit diplomatischen Mitteln mehr erreichen würden als die Amerikaner mit militärischen; Iran ging es darum, Zeit zu gewinnen.

Vor 3 Jahren platzten die Atomverhandlungen zwischen Europa und Iran zum ersten mal. Die Europäer begannen jetzt, mit Iran um die Wiederaufnahme der Verhandlungen zu verhandeln.

Vor 2 Jahren, nach der Wahl Mahmoud Ahmadinejads zum Präsidenten Irans, scheiterten die Verhandlungen endgültig. Iran erklärte, zwischenzeitlich große Fortschritte beim Aufbau seiner Atomanlagen gemacht und kein Interesse mehr an den Verhandlungen mit Europa zu haben.

Vor einem Jahr ging die Anlage bei Natanz mit 164 Gaszentrifugen in den Testbetrieb. Inzwischen mussten die Europäer den Fall an den UN-Sicherheitsrat abgeben. Seitdem wird jede in New York beschlossene Resolution und Sanktion in Teheran mit der Versicherung quittiert, daß das iranische Atomwaffenprogramm auf diese Weise nicht aufzuhalten ist. Heute befindet sich dort, wo vor fünf Jahren eine Baustelle entdeckt worden war, eine „im industriellen Maßstab“ (Ahmadinejad) betriebene Urananreicherungsanlage, die in den kommenden Monaten das Material für die erste iranische Atombombe liefern könnte.

Die Zeit, Iran daran zu hindern, die Bombe zu bauen, läuft langsam ab. Aber das scheint die Europäer weniger zu beunruhigen als die Frage, was nach dem Scheitern ihrer Beschwichtigungspolitik noch getan werden könnte, um den Aufstieg Irans zur Atommacht zu verhindern. Erkennen die Europäer die Bedrohung nicht oder haben sie sich schon damit abgefunden, daß es bald sowieso zu spät sein wird, diese noch abzuwenden? Meinen sie, das sei letztlich nicht ihr Problem, sondern lediglich das Israels oder der Amerikaner? Wie könnte das iranische Atomwaffenprogramm überhaupt noch aufgehalten werden? Warum ignoriert die Friedensbewegung die Vernichtungsabsicht des iranischen Regimes gegenüber Israel, und warum unterstellt sie zugleich den USA die Absicht, Iran zerstören zu wollen?

Um diese und weitere Fakten und Fragen soll es bei der Veranstaltung gehen.

Vortrag

Das iranische Vernichtungsprogramm

Vortrag von Thomas Becker

Die Androhung der Vernichtung Israels:

"In naher Zukunft werden wir Zeugen der Vernichtung Israels sein".


Das sagte Mahmoud Ahmadinejad am vorletzten Sonntag, in einer Predigt anläßlich des 18. Todestages Ayatollah Ruholla Khomeinis, des verehrten Religions- und Revolutionsführers, dessen Geist der iranische Präsident heute wieder aus der Flasche läßt. Es ist der Geist der islamischen Weltrevolution, die Vision einer göttlichen Weltherrschaft, einem nahen Zeitalter, das mit der Vernichtung Israels eingeleitet werden soll.

Der Libanonkrieg vor einem Jahr, meinte Ahmadinejad, habe gezeigt, daß die israelische "Übermacht" mittlerweile erloschen sei. Es sei so, als wäre vor einem Jahr ein "Knopf gedrückt", ein "Countdown" ausgelöst worden, der die verbleibenden Tage bis zur "Zerstörung des zionistischen Regimes" herunterzählt.


"Die Zeit ist reif für die Zerstörung der tyrannischen Mächte. Nichts als Demütigung und Elend haben sie noch zu erwarten".1


"So Gott will, werden wir in naher Zukunft Zeugen der Zerstörung des korrupten zionistischen Regimes sein".2


"Der Countdown zur Zerstörung des zionistischen Regimes wurde ausgelöst durch die Hände der Kinder der Hizballah".


"Wir werden in naher Zukunft Zeugen der Zerstörung dieses Regimes sein, dank der Anstrengungen aller palästinensischen und libanesischen Kämpfer".3


Das sind die verschiedenen Übersetzungen verschiedener Nachrichtenagenturen. Man versteht wohl, was Mahmoud Ahmadinejad uns sagen will.

Hizballah und Hamas:

Die Vernichtung Israels hat er schon öfter angekündigt. Jetzt kündigt er sie nochmal "in naher Zukunft" an.

Wenn ein Präsident so spricht wie der Reichsführer, stellt sich als nächste die Frage, ob er die Mittel dazu hätte, seine Drohungen wahr zu machen.

Wir wissen, daß Iran "in naher Zukunft" Atomraketen besitzen wird, mit denen Israel "von der Landkarte radiert" werden könnte. Aber Ahmadinejad verweist diesmal nicht auf den technologischen Durchbruch, der den iranischen Atomwissenschaftlern in diesem Frühjahr bei der Urananreicherung gelungen ist; der Tag, an dem Iran der Bau einer Atombombe gelingen könnte, ist dadurch deutlich näher gerückt.

Stattdessen verweist Ahmadinejad auf den Libanonkrieg im vergangenen Jahr und die "Anstrengungen der palästinensischen und libanesischen Kämpfer". Meint er damit, daß Israel nicht durch iranische Atomraketen, sondern durch die Hände von Hamas und Hizballah vernichtet werden soll?

Die libanesische Hizballah wurde unmittelbar nach der Revolution des Jahres 1979 unter der Regie der iranischen Revolutionswächter ins Leben gerufen. Die Kämpfer der Hizballah wurden, wie Ahmadinejad selbst, im Geiste Khomeinis und der islamischen Weltrevolution erzogen. Libanon sollte ein shiitischer Gottesstaat, ein Ebenbild Irans werden, und die Hizballah sollte der Revolution als Speerspitze im Krieg gegen ihre Todfeinde, Israel und Amerika, dienen.

In diesem Geiste führte die Hizballah 1983 eine bis dahin beispiellose Welle von Selbstmordanschlägen durch. Darunter ein Anschlag auf das Hauptquartier der US Marine Corps in Beirut mit 250 Toten. Die amerikanischen Truppen verließen Libanon bald darauf. Die Hizballah führte damals die erfolgreichsten Selbstmordanschläge des modernen Jihad durch, und wurde damit zum Vorbild für islamische Terroristen vom Schlage der Hamas und Al Qaedas.

Iran bewaffnet heute außer der Hizballah, der Mahdi-Armee in Irak und der Taliban in Afghanistan die wichtigsten palästinensischen Terrororganisationen: Hamas, Islamischer Jihad und Teile der PFLP und der Al Aksa Märtyrer-Brigaden der Fatah. Für ihren Siegeszug in Gaza hat die Hamas sicher nicht nur das Geld und die Waffen, sondern auch den Befehl aus Teheran erhalten. Ohne die Rückendeckung durch den iranischen Staat wäre aller anti-israelischer und anti-amerikanischer Terror des Mittleren Ostens hoffnungslos verloren.

Soll Israel also "in naher Zukunft" mit den selbstgebauten Qassam-Raketen der Hamas und den Katjushas zerstört werden, die Hizballah von Iran bekommen hat?

Die mit Unterstützung iranischer Experten verbesserte Reichweite und Schlagkraft der Qassam- und Katjusha-Raketen, die im vergangenen Sommer die Städte im Norden Israels trafen, seit Mai die im Süden, richten zwar erheblichen Schaden in Israel an, verlangen vereinzelte Todesopfer, bedrohen aber nicht die Existenz des israelischen Staates. Die israelischen Streitkräfte können diese Bedrohung beseitigen, wenn es darauf ankommt, d.h. wenn sie den unmißverständlichen Befehl dazu erhalten. Das hat der Libanonkrieg vor einem Jahr gezeigt; er hat die Katjusha-Bedrohung im Norden bis heute erfolgreich ausgeschaltet.

Inzwischen hat iranische, über Syrien vermittelte Rüstungshilfe das Drohpotential aber weitgehend wiederhergestellt. So ist die baldige Wiederholung des Krieges gegen die Hizballah wahrscheinlich, eine Beteiligung Syriens nicht ausgeschlossen, der Terror der Hamas alltäglich, und der iranische Präsident mag sich sehr mächtig fühlen, weil er diesen Stellvertreterkrieg dirigieren kann. Die Vernichtung Israels kann er auf diese Weise aber nicht erreichen.

Mit seinen Atomraketen kann Iran aber heute noch nicht drohen. Bis jetzt wurde in den iranischen Atomanlagen noch nicht genügend hochangereichertes Uran produziert.

Die Zeit, die Iran zur Vollendung seines Atomraketenprogramms noch braucht, ist zugleich die Zeit, in der es noch aufgehalten werden kann.

Es kommt für Iran daher alles darauf an, Zeit zu gewinnen. Deshalb hatte sich das Regime vor 4 Jahren auf jene Scheinverhandlungen mit der Europäischen Union eingelassen, deren Scheitern absehbar war, noch ehe sie begonnen hatten. Während die Europäer mit Teheran verhandelten, machte das iranische Atomwaffenprogramm seine größten Fortschritte.

Vor 2 Jahren hat Iran das Interesse an den Verhandlungen verloren. Weitere Verhandlungen hätten die Inbetriebnahme der Urananreicherungsanlage verzögert. Doch Eile ist geboten. Israel und Amerika werden nicht tatenlos zusehen, wie das iranische Regime sich mit Atomraketen bewaffnet hat, und die Atomanlagen bombardieren, bevor es zu spät ist.

Davon muß Ahmadinejad ausgehen, und es ist dieser Zusammenhang, in dem seine Rede von einem Countdown und der vermeintlichen Schlagkraft von Hamas und Hizballah einen Sinn ergibt. Diese Rede ist bereits Kriegspropaganda. Das Regime weiß, daß es seine Atomraketen in einem Krieg gegen Amerika und Israel verteidigen muß. Der Libanonkrieg vor einem Jahr galt ebenso seiner Vorbereitung wie die Stellvertreterkriege, die sich Iran und Amerika in Afghanistan und Irak liefern. Die Front dieses Krieges breitet sich bereits über den gesamten Mittleren Osten aus.

Das Atomraketenprogramm:

Wenn das Regime sein Atomraketenprogramm mit einem Krieg verteidigen will, dann ist dieser Krieg unvermeidlich. Der Zeitpunkt, an dem jene noch verdeckten Stellvertreterkriege umschlagen in einen offenen Krieg zwischen Iran und Amerika auf iranischem Territorium, und einem Krieg zwischen Israel gegen Hamas, Hizballah und Syrien, ist maßgeblich vom Fortschritt des iranischen Atomraketenprogramms bestimmt.

Das Atomraketenprogramm besteht aus 2 Bestandteilen, dem Atom- und dem Raketenprogramm.

Atomprogramm:

Um eine Atombombe bauen zu können, braucht man entweder hochangereichertes Uran (mit einem Anteil des Isotops U-235 von 90%), oder Plutonium. Beide Materialien findet man nicht als Naturprodukt vor. Iran verfolgt beide Wege, den zu einer Uran- und den zu einer Plutonium-Bombe.

Um an das hochangereicherte Uran zu gelangen, muß man 3 Schritte vollziehen:


1. Uranerz bergen;

2. das Uranerz in einer Anlage in ein Gas, Uranhexafluorid (UF6), konvertieren;

3. das UF6 in einer Anlage von Gaszentrifugen anreichern.


Iran verfügt über eigene Uranerzvorkommen.


Die Anlagen, durch die die Schritte 2. und 3. vollzogen werden, sind die


Urankonversionsanlage bei Isfahan


und die


Urananreicherungsanlage bei Natanz.


Fertiggestellt wurden beide Anlagen während der Atomverhandlungen zwischen der EU und Iran, die im Oktober 2003 vom damaligen deutschen Außenminister, Joschka Fischer, initiiert und im August 2005 von Iran aufgekündigt wurden.

Die Urankonversionsanlage Isfahan ging im August 2005 in den Testbetrieb und produzierte die ersten 7 Tonnen UF6. Bei geeigneter Qualität des Gases und nach erfolgreicher Anreicherung in Natanz ergäbe diese Menge ungefähr den Stoff für eine Uranbombe.

Die Urananreicherungsanlage Natanz ging im April 2006 mit zunächst 164 Zentrifugen in den Testbetrieb und produzierte, nach Angaben Irans, zunächst kleinere Mengen von zu 5% angereichertem Uran. Das ist ein Grad der Anreicherung, wie er für den Betrieb von "normalen" Atomreaktoren genügt. Um einen höheren Grad der Anreicherung zu erreichen, benutzt man die selbe Anlage. Der Output eines Zentrifugen-Durchlaufs wird nochmal als Input in die Zentrifugen einführt, und dieser Vorgang so oft wiederholt , bis der gewünschte Anreicherungsgrad erreicht ist. 90% für eine Bombe. Sinnvollerweise verwendet man dafür mehr Zentrifugen, um den ganzen Prozeß zu beschleunigen. Iran plant, die Anlage in Natanz mit 50000 Gaszentrifugen auszustatten und kann die Zentrifugen mittlerweile in Massenproduktion herstellen.

Bis heute wurden in der Konversionsanlage Isfahan, nach Angaben der IAEA, 269 Tonnen UF6 produziert; genug für 50 Atombomben.

Iran wird bis Ende dieses Monats 3000 Zentrifugen in der Anreicherungsanlage Natanz in Betrieb haben, genug um waffenfähiges Uran für 2 Bomben pro Jahr herzustellen. Bis Jahresende sollen es 8000 Zentrifugen in Natanz arbeiten.

Raketenprogramm:

Iran betreibt seit vielen Jahren ein umfangreiches Raketenprogramm. Einige Kurzstreckenraketen, v.a. die 30000 Katjushas, die seit dem Rückzug Israels aus Südlibanon im Sommer 2000 an die Hizballah geliefert wurden, sind jedermann spätestens seit dem Libanonkrieg vor einem Jahr ein Begriff. Auch modernere iranische Raketen, die Zazal-1 und Fajir-5, kamen in diesem Krieg zum Einsatz. Die zielgesteuerte Zazal-1 kam in die Schlagzeilen, als sie ein israelisches Schiff vor der libanesischen Küste traf und schwer beschädigte; sie wurde, wie man heute weiß, nicht von der Hizballah, sondern von den in Libanon befindlichen iranischen Revolutionswächtern abgefeuert. Die Revolutionswächter führten seit anfang dieses Jahres zahlreiche Manöver mit diesen und anderen Raketen durch.

Die für Israel bedrohlichere Waffe ist allerdings die iranische Mittelstreckenrakete, die unter der Bezeichnung Shahab-3 bekannt ist. Auch diese Rakete kam bei den iranischen Militärübungen in diesem Frühjahr zum Einsatz. Sie wurde erstmalig bei einer Militärparade Ende September 2003 vorgeführt und trug dort Aufschriften wie "Wir werden Israel von der Landkarte radieren" und "Wir werden Amerika unter unseren Füßen zertreten".

Die Shahab-3 hat eine Reichweite von 2000 km. Die Shahab-3 ist die Rakete, die, wenn es soweit ist, mit einem atomaren Sprengkopf ausgestattet werden und als vernichtende Waffe gegen Israel zum Einsatz kommen könnte.

Nordkorea:

Die Shahab-3 beruht ursprünglich auf dem Design einer nordkoreanischen Rakete, der Nodong. Zwischen Nordkorea und Iran besteht eine umfangreiche Kooperation bei der Raketenentwicklung. Nordkorea unterstützt Iran auch bei der Entwicklung von Marschflugkörpern und einer Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 4000-5000 km.

Mehrere, öffentlich bisher nicht bestätigte Berichte, weisen darauf hin, daß Nordkorea Iran auch dabei helfen will, einen Atombombentest durchzuführen. Demnach wurde schon im vergangenen Oktober ein Team iranischer Wissenschaftler dazu eingeladen, die Ergebnisse des damaligen unterirdischen Atombombentests in Nordkorea zu studieren. Iranische Wissenschaftler halten sich regelmäßig zu Raketentests in Nordkorea auf. Iran könnte, so hieß es in einem Bericht des Daily Telegraph vom Januar dieses Jahres, noch innerhalb dieses Jahres in der Lage sein, eine kleinere Bombe - mit weniger als einer halben Kilotonne Sprengkraft - zu zünden.

Der Zeitraum:

Wie weit Iran wirklich davon entfernt ist, Atomraketen herzustellen, weiß niemand genau. Sogenannte Experten behaupteten noch vor wenigen Monaten, daß es noch mindestens 5-10 Jahre dauern würde, bis Iran das dazu benötigte angereicherte Uran in ausreichender Menge und Qualität hergestellt habe. Mittlerweile behauptet das niemand mehr. Die IAEA bekannte im Mai, nachdem ihre Inspektoren die Urananreicherungsanlage Natanz besichtigt hatten, daß die iranischen Atomwissenschaftler zwischenzeitlich wesentlich größere Fortschritte gemacht hatten, als die IAEA-Experten bis dahin vermutet hätten. Die Inspektoren stellten fest, daß die Zahl der in Natanz betriebenen Zentrifugen im ungünstigsten Fall ausreichen würde, das Material für eine Bombe schon in wenigen Monaten herzustellen. Der Direktor der IAEA, Mohammed El Baradei, zog daraus schon den Schluß, daß man sich nun damit abfinden müsse, daß das iranische Regime über die Technik verfüge, von der man es einmal abhalten wollte.

Keiner hat den Sinn der Atomverhandlungen zwischen Europa und Iran seit 2003 bisher präziser zusammengefaßt als der damalige Leiter des iranischen Verhandlungsteams, Hosein Musavian, der am 4. August 2005, nachdem Iran die Verhandlungen hatte platzen lassen, im iranischen Fernsehen erklärte: "Die Verhandlungen mit Europa verschafften uns die nötige Zeit, die Urankonversionsanlage Isfahan fertigzustellen und an der Urananreicherungsanlage Natanz weiterzuarbeiten."

Der Gegner:

Auf die Idee, das iranische Atomraketenprogramm ließe sich einfach wegzuverhandeln, konnte man überhaupt nur kommen, wenn man ignorierte, mit wem man da eigentlich verhandelte.

Sowohl das Atomprogramm als auch das Raketenprogramm, d.h. das komplette Atomwaffenprogramm Irans läuft unter der Regie der iranischen Revolutionswächter, der Islamic Revolutionary Guards Corps, oder PASDARAN.

Die PASDARAN wurden durch ein Dekret Ayatollah Khomeinis am 5. Mai 1979 ins Leben gerufen.

Die revolutionäre Verfassung Irans betraut die regulären Streitkräfte mit der Funktion, das iranische Staatsgebiet zu schützen, während die PAASDARAN die Aufgabe haben, die Revolution selbst, d.h. den islamischen Charakter des Staates, die Sharia und die Ideologie des Gottesstaats zu verteidigen.

Sie haben die Aufgabe, jeden Ansatz von Konterrevolution innerhalb oder außerhalb des Staatsapparates zu zerschlagen, und ebenso, die Revolution zu exportieren.

Die PAASDARAN verfügen wie die regulären Streitkräfte über Boden-, See- und Luftstreitkräfte.

Die PASDARAN zählen gegenwärtig vielleicht eine halbe Millionen Soldaten.

Der erste Kommandeur der PAASDARAN war Abbas Zamani (Abu Sharif), der seit 1970 Kontakte mit der PLO in Beirut unterhielt und später die Gründung der Hizballah organisierte.

Zunächst unterstützte die PLO die Ausbildung der PAASDARAN in Terrortechniken. Yasir Arafat war 1980 einer der ersten Weltpolitiker, der nach der 1979er Revolution Iran besuchte. Bei diesem Besuch eröffnete er eine diplomatische Mission der PLO in Teheran, im vormaligen Gebäude der israelischen Botschaft.

Ayatollah Ali Khamenei, der gegenwärtige "Führer" Irans, und Ayatollah Hashemi-Rafsanjani, der frühere iranische Präsident, der heute von den Europäern als "Reformer" gehandelt wird, gehören, außer Ahmadinejad, zu den bekanntesten ehemaligen PASDARAN-Kommandeuren.

Die PAASDARAN sind heute die mächtigste Organisation Irans. Ihre militärische Macht übertrumpft die der regulären Streitkräfte bei weitem. Die PASDARAN verfügen über einen eigenen Geheimdienst. Sie verfügen über einen Großteil der iranischen Wirtschaft, kontrollieren z.B. große Teile der Ölindustrie, des Straßenbaus und alle Seehäfen Irans.

Majmoud Ahmadinejad war, bevor er Bürgermeister Teherans wurde, Kommandeur der PAASDARAN. Bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2005 wurde er von den Basij-Milizen, einer von den PASDARAN aufgebauten und kontrollierten Massenbewegung, unterstützt.

Im iranischen Parlament sitzen heute rund 80 ehemalige PAASDARAN-Mitglieder, während andere die reguläre Armee und die nationale Polizei kommandieren. Wieder andere besetzen die Posten von Orts- und Provinz-Bürgermeistern.

Der heutige stellvertretende Verteidigungsminister Irans, General Ahmad Vahidi, war der erste Oberbefehlshaber der Quds-(Jerusalem)-Brigaden, einer 1990 ins Leben gerufenen Eliteeinheit der PASDARAN, die damals die Aufgabe übernahm, den Kontakt zu den verbündeten Terrororganisationen außerhalb Irans, wie der Hizballah, zu organisieren. Vahidi und die Quds-Brigaden werden u.a. für den Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Buenos Aires verantwortlich gemacht, durch den 1994 fast 100 Menschen getötet wurden.

Die Basij-Milizen haben, nach Angaben Maj Gen Yahya Rahim Safavis, dem Oberbefehlshaber der PAASDARAN, 10 Millionen Mitglieder, können aber problemlos noch 10 Millionen Sympathisanten zusätzlich mobilisieren. Aus ihren Reihen stammen auch die Todesschwadronen männlicher und weiblicher Selbstmordattentäter, die in den letzten Jahren verstärkt mobilisiert wurden. Die Basij-Milizen kommen als Schlägertrupps auf den Straßen Teherans immer dann zum Einsatz, wenn das Regime zu den regelmäßigen Kampagnen gegen unsittlich gekleidete Frauen und vergleichbares gottloses Verhalten seiner Bürger aufruft, die dann von den Basiji auf offener Straße gestellt, verhaftet, zusammengeschlagen oder vereinzelt gleich vor Ort getötet werden.

Die RPASDARAN (und ihre Basij-Milizen) sind die ideologisch wie militärisch gefestigtste, und zugleich die mächtigste Formation im heutigen Iran.

Was tun?

Mit diesem Gegner hat man es zu tun, wenn man die Drohungen Ahmadinejads ernst nehmen und das iranische Atomwaffenprogramm beenden will, bevor es zu spät ist. Abverhandeln lassen diese Revolutionäre sich nichts.

In einigen Tagen trifft sich IAEA-Direktor ElBaradei wieder mit Ali Larijani, einem ehemaligen PASDARAN-Kommandeur, der bestreitet, daß die PASDARAN das iranische Atomraketenprogramm dirigiert. Am Samstag folgt ein ähnlich gehaltvolles Gespräch zwischen Larijani und Javier Solana. Die IAEA wird wieder einen Bericht verfassen, der, wie die der vergangenen Jahre, im Detail den Fortschritt beschreibt, den das iranische Atomraketenprogramm seit dem letzten Bericht gemacht hat.

In einigen Tagen wird der UN-Sicherheitsrats eine neue Resolution verfassen, die Iran dazu auffordert, seine Urananreicherungsanlage abzustellen. Daß die dann verhängten ökonomischen Sanktion von Europa, Rußland und China, wenn überhaupt, nur halbherzig umgesetzt werden, und daß sie zu spät kommen, um Iran noch zu beeindrucken, das wissen alle Beteiligten.

Die israelische und die amerikanische Regierung scheinen sich jetzt dazu entschieden zu haben, ende dieses Jahres ein Urteil über die weiteren Erfolgsaussichten der bisherigen diplomatischen Versuche, das iranische Atomwaffenprogramm aufzuhalten, zu fällen. Es gibt keinen Zweifel, wie dieses Urteil ausfallen wird.

Das erste Mal seit dem Angriff auf Iraq im Frühjahr 2003 befinden sich gegenwärtig wieder 2 amerikanische Flugzeugträger im Persischen Golf. Die USA sind jedoch, seit 2003, in der Lage, bis zu 6 ihrer insgesamt 12 Flugzeugträger der Ninitz-Klasse gleichzeitig in Aktion zu setzen. Die Kriegsvorbereitungen auf beiden Seiten sind unverkennbar. Wir haben eine Berechtigung für die Hoffnung, daß Amerika sein Versprechen, Israel niemals im Stich zu lassen, noch rechtzeitig in die Tat umsetzt. Der Countdown bis zum Regimechange in Iran läuft.