Deutsche Ideologie: Die Einheit von Arbeitsmarkt und Sozialismus
|
Die Texte zum Thema
Es gibt ein ruhiges Hinterland
27. Juni 2005
Wer den Mitarbeitern des Bundesamts für Verfassungsschutz einen gewissen,
berufsbedingten Alarmismus unterstellen wollte, säße einem Vorurteil auf –
jedenfalls sofern es darum geht, welche Gefährlichkeit die Beamten dem
Islamismus in Deutschland beimesses. Von der von den Islamisten selbst und
ihren multikulturell geschulten Verharmlosern in Staat und Gesellschaft
behaupteten „Islamophobie“ findet sich in den von den Staatsschützern alljährlich
abgelieferten Lagebeurteilungen jedenfalls nicht die geringste Spur...
Über die Gründe und Abgründe der Wut deutscher Arbeiter und Arbeitsloser
13. September 2004
Als Maßnahme zur "Ausrottung der Faulenzerei, Ausschweifung und romantischen Freiheitsduselei", zur "Minderung der Armentaxe, Förderung des Geistes der Industrie und Herabdrückung des Arbeitspreises" phantasiert das aufstrebende Kapital im Jahre 1770: solche Arbeiter, die der öffentlichen Wohltätigkeit anheimfallen, einzusperren...
Eine unfrohe Botschaft zum Weihnachtsfest
Weihnachten 2003
Wir Kommunisten kritisieren nicht die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests, weil sie die "wahre" Idee des Festes der "Liebe", der "Familie", des "Friedens", der "Besinnung" usw. verdränge und herabwürdige. Wir kritisieren diese Ideen selbst...
und die Notwendigkeit und Unmöglichkeit des Kommunismus
30. Oktober 2003
Heute scheint der Proletarier nicht mehr so pfiffig, wie ihm vor 150 Jahren unterstellt, um solch eine Sprache zu sprechen oder auch nur zu verstehen. Er meint jetzt, er habe mehr zu verlieren als seine Ketten, deren Existenz er aber gleichfalls leugnet...
und die Gewalt werdende Aufklärung
1. September 2003
Die Angst vor dem Tod und dem Leben, das als allgemeines durch die unendliche Folge der Hervorbringung und Vernichtung des einzelnen sich reproduziert, ist nicht ursprünglich das Produkt eines aufgeklärten Geistes, der sich seiner Einsamkeit bewußt würde...
Es gibt keine Gerechtigkeit inmitten des Unrechts der Herrschaft
18. Juni 2003
Mehr als jede andere Spezies auf dem Erdenball gilt der Deutsche als eingefleischter Arbeiter. Als läge ihm die Tüchtigkeit als quasi natürlicher Charakterzug im Blut, scheint ihm die Freude an der Anstrengung als solcher - gleichgültig gegen jeden Inhalt seiner Verrichtungen...
Rede auf der Kundgebung anläßlich der Buchvorstellung Jürgen W. Möllemanns am 6. Mai 2003 im Boulevard, Bielefeld
6. Mai 2003
Jürgen Möllemanns "Jungfernrede" im Bundestag, so erzählt er auf den ersten beiden Seiten seines Buchs, war eine "flammende Rede gegen den Krieg der USA in Vietnam". Ihn allein deshalb schon als Brandstifter zu bezeichnen wäre sicher zu billig...
Antiamerikanismus und Antizionismus im Mittelpunkt deutscher Selbstbehauptung
28. April 2002
War noch Hitlers Ansicht Amerikas zunächst zwiespältig, fasziniert durch die "unerhörte innere Kraft dieses Staates", aus der er eine "neue Herrin der Welt" emporsteigen sah, in der er zugleich schon "den Juden" als den "Regenten der Börsenkräfte der amerikanischen Union" erspähte...
Vorlage für eine Diskussion über den Begriff des Faschismus in einer linken Gruppe in Bielefeld
11. März 2002
Der Faschismus ist die Reaktion der bürgerlichen Gesellschaft gegen die bürgerliche Gesellschaft, ihre Selbsterhaltung durch ihre Selbstzerstörung, ihr Ausweg in die Ausweglosigkeit oder ihr Selbstmord...
Über das historische Drama ungebrauchter Mehrarbeit/Ausrottung um der Ausrottung willen
19. April 2001
"Zunächst" ist die Arbeit "ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen"...
Erklärung zum Bielefelder Aktionstag gegen Rassismus und rechte Gewalt
1. Dezember 2000
Kein Wunder daß die Mütter jener jungen Mörder, die ja nicht von ungefähr stolz auf ihre Abstammung sind, meist nichts von dem Treiben ihrer Söhne zu wissen vorgeben: Ist der Kleine denn nicht ganz nach dem Vater geraten...
Wenn Haider ein Demokrat ist, war Hitler dann kein Faschist?
10. April 2000
Während Jörg Haider von der Gemeinschaft europäischer Demokraten ausgeschlossen wird, bemüht sich eine obskure Einheitsfront von Linken aus dem Dschungel von Tradition und Zeitgeist und sonst auf dem genauen Gegenstandpunkt verharrenden marxtreuen Buchstabenanbetern, ihn dort vorsorglich einzuschließen...
Man gab dem Volk Zwangsarbeit und das Volk machte die Drecksarbeit
5. April 2000
"Die Inflation machte Mitteleu-ropa für den Faschismus reif", schrieb der Historiker und Zeit-zeuge Eric Hobsbawm über die Krisenjahre zwischen den ersten beiden Weltkriegen. Die gleiche Wirkung muß der Arbeitslosigkeit zugeschrieben werden...
Flugblatt zu den Wahlen in Österreich
12. Januar 2000
Haider sei nicht Hitler – mit dieser oberschlauen Feststellung meldet sich die Dummheit zu Wort, um nichts zu sagen. Sagen wollte sie eigentlich: Hitler ist tot – leider – es lebe Haider...
Deutschland macht bei der Währungsunion nur mit, wenn die EU-Partner Waigels Stabilitätspakt unterschreiben
12. Dezember 1996
Wenn die EU-Regierungschefs, die sich an diesem Wochenende in Dublin treffen, wieder keine Einigung über die Modalitäten des seit mehr als einem Jahr umstrittenen Stabilitätspakts erzielen, wird der Zeitplan für die Europäische Währungsunion langsam eng. Eine Entscheidung könnte dann frühestens auf dem nächsten EU-Gipfeltreffen fallen, das für Juni 1997 in Amsterdam angesetzt ist. Ein halbes Jahr später findet bereits die endgültige Auswahl der Länder statt, die - wie im Maastricht-Vertrag vorgesehen - am 1. Januar 1999 die neue europäische Währung einführen werden...
Über den Gegensatz von staatlichem und privatem Pogrom
10. Januar 1993
Als die deutsche Bürokratie unmittelbar nach der Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler damit begann, mit antijüdischen Gesetzen und Verordnungen die systematische Ausgrenzung jüdischer BürgerInnen und ihre Vertreibung aus Deutschland einzuleiten, geriet sie in eine Rolle, die sie zur ständigen Improvisation und schließlich zu immer radikaleren Maßnahmen verleitete...
Nazionalistische Umtriebe von Preußen bis zum Balkan
12. Juni 1991
Vor gut einem Jahr wurde das Gebiet um Kaliningrad - bislang militärische Sperrzone - von der sowjetischen Regierung für den Reiseverkehr freigegeben. Auf dieses Ereignis hatte man hier schon gewartet: "Der Freiheitsdrang baltischer Länder greift auch auf Nord-Ostpreußen über" schwärmte ein Stern-Reporter am 9. August 1990 zwischen dickaufgetragenen Naturbildern aus "Königsberg"...
Die innere und äußere Dynamik der deutschen Wiedervereinigung
2. April 1990
Noch 1985 entsprach die sowjetische Position zu einer deutschen Wiedervereinigung der Einschätzung, daß "die Einverleibung der DDR durch die kapitalistische BRD und eine etappenweise Liquidierung der sozialistischen Ordnung in anderen osteuropäischen Staaten...nur auf dem Wege eines Krieges zu erreichen sein kann"...
Das nationale Bekenntnis als Einfall nach dem Mauerfall
1. Dezember 1989
Über die "Zukunft der Deutschen in Europa" sollte diskutiert werden und mit dem Kürzel "BRDDR" war das Ergebnis schon in dem Einladungsfaltblatt vorweggenommen worden: "die Überwindung der globalen Kleinstaaterei". Mit dieser Einstimmung durch den Juso-Vorständler Ingo Arendt wurde dem das Wort übergeben, der als "Architekt dieser Ost und Entspannungspolitik" und "Komplize der Vernunft" die unangefochtene Autorität auf diesem Gebiet ist. Egon Bahr...
|
Die Zitate zum Thema
Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Zweite Lese
Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.
Theodor W. Adorno, Auf die Frage: Was ist deutsch
Ist es schon wahr, daß ohne jenes »um seiner selbst willen« zumindest die große deutsche Philosophie und die große deutsche Musik nicht hätten sein können - bedeutende Dichter der westlichen Länder haben der durchs Tauschprinzip verschandelten Welt nicht weniger widerstanden -, so ist das doch nicht die ganze Wahrheit. Auch die deutsche Gesellschaft war, und ist, eine Tauschgesellschaft, und das Etwas um seiner selbst willen Tun nicht so rein, wie es sich stilisiert. Vielmehr versteckte sich dahinter auch ein Für anderes, auch ein Interesse, das in der Sache selbst keineswegs sich erschöpft. Nur war es weniger das individuelle als die Unterordnung von Gedanken und Handlungen unter den Staat, dessen Expansion erst dem einstweilen gezügelten Egoismus der Einzelnen Befriedigung verschaffen sollte. Die großen deutschen Konzeptionen, in denen die Autonomie, das reine Um seiner selbst willen, so überschwenglich verherrlicht wird, waren durchweg auch zur Vergottung des Staates bereit; die Kritik der westlichen Länder hat darauf, ebenso einseitig, immer wieder insistiert. Der Vorrang des Kollektivinteresses über den individuellen Eigennutz war verkoppelt mit dem aggressiven politischen Potential des Angriffskriegs. Drang zu unendlicher Herrschaft begleitete die Unendlichkeit der Idee, das eine war nicht ohne das andere. Geschichte erweist sich daran, bis heute, als Schuldzusammenhang, daß die höchsten Produktivkräfte, die obersten Manifestationen des Geistes verschworen sind mit dem Schlimmsten. Noch dem Um seiner selbst willen ist, im unerbittlich integern Mangel an Rücksicht auf den anderen, auch Inhumanität nicht fremd. Sie offenbart sich in einer gewissen auftrumpfenden, nichts auslassenden Gewalttätigkeit gerade der größten geistigen Gebilde, ihrem Willen zur Herrschaft. Ausnahmslos fast bestätigen sie das Bestehende, weil es besteht. Wenn man etwas als spezifisch deutsch vermuten darf, dann ist es dies Ineinander des Großartigen, in keiner konventionell gesetzten Grenze sich Bescheidenden, mit dem Monströsen. Indem es die Grenzen überschreitet, möchte es zugleich unterjochen, so wie die idealistischen Philosophien und Kunstwerke nichts tolerierten, was nicht in dem gebietenden Bannkreis ihrer Identität aufging. Auch die Spannung dieser Momente ist keine Urgegebenheit, kein sogenannter Nationalcharakter. Die Wendung nach innen, das Hölderlinsche Tatenarm doch gedankenvoll, wie es in den authentischen Gebilden um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts vorwaltet, hat die Kräfte gestaut und bis zur Explosion überhitzt, die dann zu spät sich realisieren wollten. Das Absolute schlug um ins absolute Entsetzen. Waren tatsächlich über lange Zeiträume der früheren bürgerlichen Geschichte hinweg die Maschen des zivilisatorischen Netzes - der Verbürgerlichung - in Deutschland nicht so eng gesponnen wie in den westlichen Ländern, so erhielt sich ein Vorrat unerfaßt naturhafter Kräfte. Er erzeugte ebenso den unbeirrten Radikalismus des Geistes wie die permanente Möglichkeit des Rückfalls. So wenig darum Hitler als Schicksal dem deutschen Nationalcharakter zuzuschreiben ist, so wenig zufällig war doch, daß er in Deutschland hinaufgelangte. Allein schon ohne den deutschen Ernst, der vom Pathos des Absoluten herrührt und ohne den das Beste nicht wäre, hätte Hitler nicht gedeihen können. In den westlichen Ländern, wo die Spielregeln der Gesellschaft den Massen tiefer eingesenkt sind, wäre er dem Lachen verfallen. Der heilige Ernst kann übergehen in den tierischen, der mit Hybris sich buchstäblich als Absolutes aufwirft und gegen alles wütet, was seinem Anspruch nicht sich fügt. Seite 26-30: Ganz im Gegensatz zur deutschen Philosophie, welche vom Himmel auf die Erde herabsteigt, wird hier von der Erde zum Himmel gestiegen. D.h., es wird nicht ausgegangen von dem, was die Menschen sagen, sich einbilden, sich vorstellen, auch nicht von den gesagten, gedachten, eingebildeten, vorgestellten Menschen, um davon aus bei den leibhaftigen Menschen anzukommen; es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt... Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Menschen... Wir müssen bei den voraussetzungslosen Deutschen damit anfangen, daß wir die erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die Voraussetzung, daß die Menschen imstande sein müssen zu leben, um "Geschichte machen" zu können (7). Zum Leben aber gehört vor Allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges Andere. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse, die Produktion des materiellen Lebens selbst, und zwar ist dies eine geschichtliche Tat, eine Grundbedingung aller Geschichte, die noch heute, wie vor Jahrtausenden, täglich und stündlich erfüllt werden muß, um die Menschen nur am Leben zu erhalten... Das Erste also bei aller geschichtlichen Auffassung ist, daß man diese Grundtatsache in ihrer ganzen Bedeutung und ihrer ganzen Ausdehnung beobachtet und zu ihrem Rechte kommen läßt. Dies haben die Deutschen bekanntlich nie getan, daher nie eine irdische Basis für die Geschichte und folglich nie einen Historiker gehabt. Die Franzosen und Engländer, wenn sie auch den Zusammenhang dieser Tatsache mit der sogenannten Geschichte nur höchst einseitig auffaßten, namentlich solange sie in der politischen Ideologie befangen waren, so haben sie doch immerhin die ersten Versuche gemacht, der Geschichtschreibung eine materialistische Basis zu geben, indem sie zuerst Geschichten der bürgerlichen Gesellschaft, des Handels und der Industrie schrieben. Das Zweite ist, daß das befriedigte erste Bedürfnis selbst, die Aktion der Befriedigung und das schon erworbene Instrument der Befriedigung zu neuen Bedürfnissen führt - und diese Erzeugung neuer Bedürfnisse ist die erste geschichtliche Tat. Hieran zeigt sich sogleich, wes Geistes Kind die große historische Weisheit der Deutschen ist, die da, wo ihnen das positive Material ausgeht und wo weder theologischer noch politischer noch literarischer Unsinn verhandelt wird, gar keine Geschichte, sondern die "vorgeschichtliche Zeit" sich ereignen lassen, ohne uns indes darüber aufzuklären, wie man aus diesem Unsinn der "Vorgeschichte" in die eigentliche Geschichte kommt - obwohl auf der andern Seite ihre historische Spekulation sich ganz besonders auf diese "Vorgeschichte" wirft, weil sie da sicher zu sein glaubt vor den Eingriffen des "rohen Faktums" und zugleich, weil sie hier ihrem spekulierenden Triebe alle Zügel schießen lassen und Hypothesen zu Tausenden erzeugen und umstoßen kann. Das dritte Verhältnis, was hier gleich von vornherein in die geschichtliche Entwicklung eintritt, ist das, daß die Menschen, die ihr eignes Leben täglich neu machen, anfangen, andre Menschen zu machen, sich fortzupflanzen das Verhältnis zwischen Mann und Weib, Eltern und Kindern, die Familie. Diese Familie, die im Anfange das einzige soziale Verhältnis ist, wird späterhin, wo die vermehrten Bedürfnisse neue gesellschaftliche Verhältnisse, und die vermehrte Menschenzahl neue Bedürfnisse erzeugen, zu einem untergeordneten (ausgenommen in Deutschland) und muß alsdann nach den existierenden empirischen Daten, nicht nach dem "Begriff der Familie", wie man in Deutschland zu tun pflegt, behandelt und entwickelt werden (8). Übrigens sind diese drei Seiten der sozialen Tätigkeit nicht als drei verschiedene Stufen zu fassen, sondern eben nur als drei Seiten, oder um für die Deutschen klar zu schreiben, drei "Momente", die vom Anbeginn der Geschichte an und seit den ersten Menschen zugleich existiert haben und sich noch heute in der Geschichte geltend machen. Die Produktion des Lebens, sowohl des eignen in der Arbeit wie des fremden in der Zeugung, erscheint nun schon sogleich als ein doppeltes Verhältnis - einerseits als natürliches, andrerseits als gesellschaftliches Verhältnis -, gesellschaftlich in dem Sinne, als hierunter das Zusammenwirken mehrerer Individuen, gleichviel unter welchen Bedingungen, auf welche Weise und zu welchem Zweck, verstanden wird. Hieraus geht hervor, daß eine bestimmte Produktionsweise oder industrielle Stufe stets mit einer bestimmten Weise des Zusammenwirkens oder gesellschaftlichen Stufe vereinigt ist, und diese Weise des Zusammenwirkens ist selbst eine "Produktivkraft", daß die Menge der den Menschen zugänglichen Produktivkräfte den gesellschaftlichen Zustand bedingt und also die "Geschichte der Menschheit" stets im Zusammenhange mit der Geschichte der Industrie und des Austausches studiert und bearbeitet werden muß. Es ist aber auch klar, wie es in Deutschland unmöglich ist, solche Geschichte zu schreiben, da den Deutschen dazu nicht nur die Auffassungsfähigkeit und das Material, sondern auch die "sinnliche Gewißheit" abgeht und man jenseits des Rheins über diese Dinge keine Erfahrungen machen kann, weil dort keine Geschichte mehr vorgeht... IV. KAPITEL, "Die kritische Kritik" als die Ruhe des Erkennens oder die "kritische Kritik" als Herr Edgar Um sich zur "Ruhe des Erkennens" zu vollenden, muß die kritische Kritik vor allem sich der Liebe zu entledigen suchen. Die Liebe ist eine Leidenschaft, und nichts gefährlicher für die Ruhe des Erkennens als die Leidenschaft. Bei Gelegenheit der Romane der Frau v. Paalzow, die er "gründlich studiert zu haben" versichert, überwältigt Herr Edgar daher "eine Kinderei wie die genannte Liebe". Solches ist ein Scheuel und Greuel und reget in der kritischen Kritik auf Ingrimmigkeit, machet sie fast gallenerbittert, ja abersinnig. "Die Liebe ... ist eine grausame Göttin, welche, wie jede Gottheit, den ganzen Menschen besitzen will und nicht eher zufrieden ist, als bis er ihr nicht bloß seine Seele, sondern auch sein physisches Selbst dargebracht hat. Ihr Kultus ist das Leiden, der Gipfel dieses Kultus ist die Selbstaufopferung, der Selbstmord." Um die Liebe in den "Moloch", in den leibhaftigen Teufel zu verwandeln, verwandelt Herr Edgar sie vorher in eine Göttin. Zur Göttin, d.h. zu einem theologischen Gegenstand geworden, unterliegt sie natürlich der Kritik der Theologie, und überdem liegen bekanntlich Gott und Teufel nicht weit auseinander. Herr Edgar verwandelt die Liebe in eine "Göttin", und zwar in eine "grausame Göttin", indem er aus dem liebenden Menschen, aus der Liebe des Menschen den Menschen der Liebe macht, indem er die "Liebe" als ein apartes Wesen vom Menschen lostrennt und als solches verselbständigt. Durch diesen einfachen Prozeß, durch diese Verwandlung des Prädikats in das Subjekt, kann man alle Wesensbestimmungen und Wesensäußerungen des Menschen in Unwesen und Wesensentäußerungen kritisch umformen. So z.B. macht die kritische Kritik aus der Kritik, als einem Prädikat und einer Tätigkeit des Menschen, ein apartes Subjekt, die sich auf sich selbst beziehende und darum kritische Kritik: ein "Moloch", dessen Kultus die Selbstaufopferung, der Selbstmord des Menschen, namentlich des menschlichen Denkvermögens ist. "Gegenstand", ruft die Ruhe des Erkennens aus, "Gegenstand, das ist der richtige Ausdruck, denn der Geliebte ist dem Liebenden - (das Femininum fehlt) - nur wichtig als dieses äußere Objekt seiner Gemütsaffektion, als Objekt, in welchem es sein selbstsüchtiges Gefühl befriedigt sehn will." Gegenstand! Entsetzlich! Es gibt nichts Verwerflicheres, Profaneres, Massenhafteres als ein Gegenstand - à bas <nieder> der Gegenstand! Wie sollte die absolute Subjektivität, der actus purus <reine Handlung>, die "reine" Kritik, nicht in der Liebe ihre bête noire, den leibhaftigen Satan erblicken, in der Liebe, die den Menschen erst wahrhaft an die gegenständliche Welt außer ihm glauben lehrt, die nicht nur den Menschen zum Gegenstand, sondern sogar den Gegenstand zum Menschen macht! Die Liebe, fährt die Ruhe des Erkennens, außer sich, fort, beruhigt sich nicht mal dabei, den Menschen in die Kategorie "Objekt" für den andern Menschen zu verwandeln, sie macht ihn sogar zu einem bestimmten, wirklichen Objekt, zu diesem, schlecht-individuellen (siehe Hegel, "Phänomenologie", über das Diese und das Jene, wo auch gegen das schlechte "Dieses" polemisiert wird), äußerlichen, nicht nur innerlichen, in dem Gehirn steckenbleibenden, sondern sinnlich offenbaren Objekt.
Lieb'
Nein, die Geliebte ist sinnlicher Gegenstand, und die kritische Kritik verlangt zum allermindesten, wenn sie sich zur Anerkennung eines Gegenstandes herablassen soll, einen sinnlosen Gegenstand. Die Liebe aber ist ein unkritischer, unchristlicher Materialist. Endlich macht die Liebe gar den einen Menschen zu "diesem äußern Objekt der Gemütsaffektion" des andern Menschen, zum Objekt, worin sich das selbstsüchtige Gefühl des andern Menschen befriedigt, ein selbstsüchtiges Gefühl, weil es sein eignes Wesen im andern Menschen sucht, und das soll doch nicht sein. Die kritische Kritik ist so frei von aller Selbstsucht, daß sie den ganzen Umfang des menschlichen Wesens in ihrem eignen Selbst erschöpft findet. Herr Edgar sagt uns natürlich nicht, wodurch sich die Geliebte unterscheidet von den übrigen "äußerlichen Objekten der Gemütsaffektion, worin sich die selbstsüchtigen Gefühle der Menschen befriedigen". Der geistreiche, vielsinnige, vielsagende Gegenstand der Liebe sagt der Ruhe des Erkennens nur das kategorische Schema: "dieses äußere Objekt der Gemütsaffektion", wie etwa der Komet dem spekulativen Naturphilosophen nichts sagt als die "Negativität". Indem der Mensch den Menschen zum äußeren Objekt seiner Gemütsaffektion macht, legt er ihm zwar nach dem eignen Geständnis der kritischen Kritik "Wichtigkeit" bei, aber eine sozusagen gegenständliche Wichtigkeit, während die Wichtigkeit, welche die Kritik den Gegenständen beilegt, nichts anders ist als die Wichtigkeit, die sie sich selbst beilegt, die sich daher auch nicht in dem "schlechten äußeren Sein", sondern in dem "Nichts" des kritisch wichtigen Gegenstandes bewährt. Wenn die Ruhe des Erkennens in dem wirklichen Menschen keinen Gegenstand besitzt, besitzt sie dagegen in der Menschheit eine Sache. Die kritische Liebe "hütet sich vor allem, über der Person die Sache zu vergessen, welche nichts anders ist als die Sache der Menschheit". Die unkritische Liebe trennt die Menschheit nicht von dem persönlichen individuellen Menschen. "Die Liebe selber, als eine abstrakte Leidenschaft, die kommt, man weiß nicht wo her, und geht, man weiß nicht wohin, ist des Interesses einer innern Entwicklung unfähig." Die Liebe ist in den Augen der Ruhe des Erkennens eine abstrakte Leidenschaft nach dem spekulativen Sprachgebrauch, wonach das Konkrete abstrakt und das Abstrakte konkret heißt.
Sie war nicht in dem Tal geboren,
Die Liebe ist für die Abstraktion "das Mädchen aus der Fremde", ohne dialektischen Paß, und wird dafür von der kritischen Polizei des Landes verwiesen, Die Leidenschaft der Liebe ist des Interesses einer innern Entwickelung unfähig, weil sie nicht a priori konstruiert werden kann, weil ihre Entwicklung eine wirkliche ist, die in der Sinnenwelt und zwischen wirklichen Individuen vorgeht. Das Hauptinteresse der spekulativen Konstruktion ist aber das "Woher" und das "Wohin". Das Woher ist eben die "Notwendigkeit eines Begriffs, sein Beweis und Deduktion" (Hegel). Das Wohin ist die Bestimmung, "wodurch jedes einzelne Glied des spekulativen Kreislaufes, als Beseeltes der Methode, zugleich der Anfang eines neuen Gliedes ist" (Hegel). Also nur, wenn ihr Woher und ihr Wohin a priori zu konstruieren wäre, verdiente die Liebe das "Interesse" der spekulativen Kritik. Was die kritische Kritik hier bekämpft, ist nicht nur die Liebe, sondern alles Lebendige, alles Unmittelbare, alle sinnliche Erfahrung, alle wirkliche Erfahrung überhaupt, von der man nie vorher weiß, "woher" und "wohin". |