Stop the Mob

Flugblatt zu den Wahlen in Österreich

Haider sei nicht Hitler – mit dieser oberschlauen Feststellung meldet sich die Dummheit zu Wort, um nichts zu sagen. Sagen wollte sie eigentlich: Hitler ist tot – leider – es lebe Haider! Sie lieben Haider, weil er auskotzt, was sie ankotzt, weil er den großen schlauen Führer der kleinen dummen Leute abgibt. Weil sie sich nicht trauen, was er sich traut, und weil sie verstehen, wovon er redet, soll er denen da oben eins auswischen, weil denen da unten was stinkt. Für sie unterscheidet sich Haider also nicht so sehr von Hitler, und deshalb konnte Haider sie für sich gewinnen, als er Hitler dafür lobte, weil er für sie etwas getan habe.

Denn Hitlers Zwei-Fronten-Krieg war ein Fehler, sein Holocaust ist vergessen, jedoch sein Arbeitsbeschaffungsprogramm ist bis auf den heutigen Tag aktuell. Für den Kapitalisten lohnt sich die Arbeit nicht mehr – Jude! Der Führer lobt die ehrliche Arbeit – Heil!

Die quotenerfahrenen Talkshowmeister haben es instinktiv zuerst geschnallt – Haiders Triumph in Österreich kommt für Deutschland genau zur rechten Zeit. Für den epidemisch sich ausbreitenden Überdruß an dem eigenen Führerpersonal hat er die rechte Medizin: Weg mit der Zwangsdemokratie! Her mit der Zwangsarbeit! Das gefällt dem Arbeitslosen wie dem Analphabeten.

Ausländer raus aus dem Land! Volksgenossen heim ins Reich! Männer in den Krieg! Frauen an den Herd! Profite hoch! Löhne runter! Haiders Programm ist von dem Schröders nicht zu unterscheiden. Jener vertritt bloß ungehemmt was dieser verklemmt betreibt. Dafür wird Haider gemocht. Haider läßt die Sau raus und der Mob quieckt vor Lust.

Wir behaupten schon lange, daß die Verhältnisse hier zum Erbrechen sind – von der Schule über die Arbeit bis zur Rente – aber nicht, um sie dagegen einzutauschen, was Haider erbricht. Wer so blöd ist, ihm auf den Leim zu gehen, ist mit einer Zwangsdemokratie bestens bedient. Kohls schwarze Löcher kommen uns wesentlich billiger als Haiders braune Flecken. Doch wer nicht B sagt, muß auch nicht A gesagt haben. Die richtige Alternative zur Zwangsarbeit ist deren Abschaffung. Wen die egoistische Bereicherung stört, der möge das Privateigentum beseitigen. Lernen statt Pauken! Diskussion statt Talkshow! Gesellschaftliche Produktion statt marktwirtschaftliche Konkurrenz! Internationale Solidarität statt imperialistischer Krieg!

Wenn Haider nicht gestoppt wird, könnte Deutschland schon in kürzester Zeit in den Händen des Mob sein, und durch Europa wird kein frischer Wind wehen, sondern ein Sturm wüten. Keine Reform des Parteiensystems und kein Bündnis für Arbeit wird das mehr verhindern können. Der Appell, dies durch eine grundsätzliche Kritik an den herrschenden Verhältnissen doch noch zu vereiteln, scheint schon deshalb eitel, weil er in Anbetracht der grassierenden Ignoranz keinen Widerhall finden könnte. Eine Alternative gäbe es nicht.