EU-Gelder für Judenmord?
Zwischen geheuchelter Solidarität und offenem Antizionismus
Vortrag und Diskussion
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  |   | Die Auseinandersetzungen um den Veranstaltungsort: |
Zwischen geheuchelter Solidarität und offenem Antizionismus
Wie Deutschland und die EU gegen Israel arbeiten
"Außenminister Fischer hatte gerade auf einem Seminar der Europäischen Kommission den Antisemitismus verdammt, da wurde bekannt, dass zeitgleich in Beirut die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Konferenz gesponsert hatte, auf der Berater und Ideologen der antisemitischen Terrororganisationen Hizbollah und Hamas über "Widerstand und Besetzung" reden durften. Das ist typisch für die geschickte zweigleisige deutsche Politik gegenüber Israel: freundliche und beruhigende Worte in Richtung Jerusalem, Geld und ideologische Unterstützung für den antisemitischen Terrorkrieg gegen Israel. Gerade mit der Betonung der "besonderen historischen Verantwortung" will Deutschland sich ins Spiel bringen und Garantiemacht des "Friedensprozesses" werden. Ziel: Deutsche Blauhelme in Ostjerusalem. Das wäre die ultimative Vergangenheitsbewältigung - und eine Schwächung der USA."
Ilka Schröder
EU-Gelder für palästinensische Terror-Brigaden
Arafats Ex-Finanzmanager packt aus
Aus: Report München, Sendung vom 7. Juni 2004
"Von diesem Zeitpunkt an fließen monatlich 10 Mio. Euro. Im Gegensatz zu den projektgebundenen EU-Hilfen können dieses Gelder völlig unkontrolliert verwendet werden: zusammen 246 Mio. Euro. Wohin das Geld geflossen ist, weiß Ilka Schröder vom Europa-Parlament (parteilos):
'Die EU-Finanzhilfen sind zusammen mit anderen internationalen Hilfsgeldern auf Konten der Palästinensischen Autonomiebehörde geflossen und davon sind antisemitische Terrororganisationen finanziert worden.'"
Vollständiger Bericht: www.br-online.de/daserste/report/archiv/2004/00142/
Wie Yasser Arafat und seine Behörden Terror finanzieren und fördern
Erste Ergebnisse einer Untersuchung von Dokumenten, die im Rahmen der Operation „Schutzwall“ gefunden wurden
Quelle: Botschaft des Staates Israel, Berlin, Juli 2002
Diesem Bericht liegt ein Dossier zugrunde, das von einem Team unter der Leitung des israelischen Ministers für parlamentarische Angelegenheiten, Dani Naveh, zusammengestellt wurde. Im Rahmen von Israels Militäroperation „Schutzwall“ konnten Beweise sichergestellt werden, die belegen, dass die Palästinensische Autonomiebehörde unter Yasser Arafat den Terror finanziert, fördert und aktiv betreibt. Arafat und sein Umfeld werden dadurch für den Mord an israelischen Zivilisten direkt verantwortlich gemacht.
Vollständiger Bericht: berlin.mfa.gov.il/mfm/Data/11097.pdf
Vorgebliche Antifaschisten aus Detmold und Bielefeld dulden keine
Solidarität mit Israel
Nachdem so genannte "Antifas" aus Detmold und Bielefeld am 13. April versuchten, eine Diskussion mit dem Buch-Autor Karl Selent über die Geschichte des palästinensischen Terrorismus, seine Kollaboration mit dem Nationalsozialismus und seine antisemitische Ideologie zu vereiteln, mobilisieren sie jetzt gegen einen Vortrag der Europa-Parlamentarierin Ilka Schröder, die den Nachweis erbrachte, dass die Europäische Union wissentlich den Terror gegen Israel finanziert. Weil es ihnen nicht möglich ist, ihren Standpunkt politisch zu formulieren und ein sachliches Argument gegen diese öffentlichen Veranstaltungen vorzubringen, haben die "Antifas" kurzerhand die "Debatte für beendet" erklärt und scheinen entschlossen, ihr Diskussionsverbot mit Gewalt durchzusetzen. In einem offenen Brief rufen sie ihr Klientel dazu auf, den Vortrag von Ilka Schröder am 14. Juni in der Alten Pauline in Detmold zu verhindern.
Es ist auf den ersten Blick schwer begreiflich, wie Menschen, die sich selber als Antifaschisten bezeichnen, auf die Idee kommen, sie müßten Terroristen verteidigen, die Juden umbringen, weil sie Juden sind, und jede Solidarität mit Israel, das sich gegen die Mörder verteidigt, unterbinden; ja dass ihre Unduldsamkeit in dieser Frage so ausgeprägt ist, dass sie Verbote aussprechen und zu jedem Mittel greifen, um schon die Diskussion darüber im Keim zu ersticken. Verständlich wird dieses Verhalten erst, wenn man die politischen Widersprüche in Betracht zieht, in die sich die "Antifa" eigenhändig verstrickt hat.
Als Linke, Antiimperialisten, ergreifen sie im Terrorkrieg gegen Israel Partei für die palästinensischen "Befreiungskämpfer", so dass ihnen der Judenmord, wie einst dem FDP-Politiker Möllemann, als legitimes Mittel des "Widerstands" erscheint. Ergibt nun die historische Analyse, dass dieser "Befreiungskampf" vom islamischen Faschismus der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts inspiriert und in der Allianz mit dem Nationalsozialismus geprägt wurde, dass die Judenmörder von heute, ihrem eigenen Verständnis nach, die modernen Vollstrecker der deutschen Endlösung sind, so ist das antiimperialistische mit dem antifaschistischen Selbstverständnis der "Antifa" nicht mehr in Einklang zu bringen.
Ebenso, wenn die Analyse der deutschen und europäischen Außenpolitik ergibt, dass die Staaten des alten Europa dieselben Feinde Israels unterstützen, wie die linke Antifa, so erschüttert dies ihr antiimperialistisches Selbstverständnis. Weil aber das Selbstverständnis der "Antifa" nicht auf Analyse, sondern auf Ressentiment, Identifikation und Projektion beruht, könnte es einer solchen Analyse und Selbstkritik nicht standhalten. Öffentliche Diskussionen und Vorträge darüber müssen deshalb mit allen Mitteln verhindert werden.
Die Wut, mit der die "Antifa" auf Kritik reagiert, ist Ausdruck ihres eigenen Versagens. Sie kann den modernen Antisemitismus nicht einmal mehr erkennen, weil er ihrer eigenen Weltanschauung zu ähnlich ist. Wenn die "Antifa" heute gegen Nazi-Aufmärsche demonstriert, dann trifft sie auf Gegner, die dieselben Symbole: Palästinensertuch und palästinensische Nationalfahne, und dieselben Parolen: USA - internationale Völkermordzentrale, verwenden. Das halten die "Antifas" für einen faulen Trick der Nazis, weil sie die Augen davor verschließen, dass es umgekehrt ist, ihr eigener Antizionismus sie in die Reihen von Hamas und Hisbollah und zu deren Blut-und-Boden-Ideologie treibt.
Es geht bei der Auseinandersetzung um den Veranstaltungsort nicht bloß um "Meinungsfreiheit" - eine Freiheit, die sowieso längst zur Straffreiheit für antisemitische Propaganda verkommen ist, die von linken, bürgerlichen und rechten Medien tagtäglich in Anspruch genommen wird. Es geht darum, dass kein Antifaschist ist, wer die Judenmörder der Gegenwart verteidigt und dem Staat der Juden das Recht abspricht, sich gegen die antisemitische Bedrohung zur Wehr zu setzen. Antifaschismus und der Kampf gegen Antisemitismus ist mehr als ein Lippenbekenntnis über die Vergangenheit, nämlich ein kategorischer Imperativ für das Handeln in der Gegenwart. Solidarität mit Israel ist Antifaschismus auf der Höhe der Zeit!
Wir reklamieren für uns kein "Recht auf Meinungsfreiheit", sondern nehmen uns die Freiheit, zu kritisieren, was kritisiert werden muß. Die Vorträge der Europa-Parlamentarierin Ilka Schröder über die deutsche und europäische Politik gegen Israel werden in Detmold und Bielefeld wie geplant stattfinden.
Anmerkung: Der erste "Offene Brief", in dem die "Antifaschistische Aktion Detmold" zur Verhinderung des Vortrags von Ilka Schröder aufrief, wurde während einer Hausversammlung der Alten Pauline am 20.05.2004 verlesen und auf ihrer Hompage veröffentlicht; wir dokumentieren diesen hier: Abschied ohne Tränen - jetzt erst recht!
Am 8.06.2004 wiederholten "Antifaschistinnen und Antifaschisten aus OWL" ihren Aufruf zur Verhinderung des Vortrags von Ilka Schröder mit dem "Argument", sie fänden zwar die Positionen von Ilka Schröder "richtig und gut", müßten die Europa-Parlamentarierin aber vor einer "Instrumentalisierung" durch die Georg-Weerth-Gesellschaft schützen: Weshalb Antifaschistinnen und Antifaschisten den Kampf gegen Antisemitismus nicht von der „Georg-Weerth-Gesellschaft“ entwertet sehen möchten
Ilka Schröder antwortete am 10.06.2004 selbst auf diesen durchsichtigen Versuch, sie vor einer "Instrumentalisierung" dadurch zu bewahren, in dem sie freiwillig auf ihre Vorträge verzichte, in einem Offenen Brief: Sofortige Sperrung der Schleimspur!
Sofortige Sperrung der Schleimspur!
Ilka Schröder: Offener Brief an "Antifaschistinnen und Antifaschisten in Ostwestfalen-Lippe", die Veranstaltungen mit mir in Detmold und Bielefeld verhindern wollen
Mehrere Antifa-Gruppen haben angekündigt, Veranstaltungen mit Ilka Schröder am 14. und 15. Juni in Detmold und Bielefeld verhindern zu wollen. Ihr Aufruf findet sich unter http://www.alte-pauline.de (eine Kopie hier). Ilka Schröder hat darauf mit einem Offenen Brief geantwortet. Dieser Offene Brief ist auch auf der Website von Ilka Schröder veröffentlicht: http://ilka.org/offbrief-ow.html
Brüssel, 10.06.2004
Liebe "Antifaschistinnen und Antifaschisten aus OWL"
ich habe heute euren Aufruf gelesen, mit dem ihr verkündet, zwei Veranstaltungen mit mir in Bielefeld und Detmold verhindern zu wollen. Ich bin ganz gerührt, wie besorgt ihr um mich, meine "richtigen und guten Positionen" und meine "wichtige... Kritik" seid. So besorgt, dass ihr aus purem Schutzbedürfnis für mich, versuchen wollt, mich am Reden zu hindern.
Zunächst möchte ich mich bedanken: Seit Anfang Mai tagt das Europäische Parlament ja nicht mehr, und ich habe das hohle Geschwätz meiner Kollegen schon richtig vermisst. Nun aber kommt ihr, und "seht euch gezwungen", etwas zu tun, weil eine Antifa nicht "[zu]lassen darf", dass die Georg-Weerth-Gesellschaft (GWG) mich kleines Unschuldslamm für ihre finsteren Absichten nutzt. Dieses Gemisch aus Sachzwang-Rhetorik und staatsmännischer Verantwortungspose zeugt von einem erfolgreichen Sozialkundeunterricht in NRW und erinnert mich an meine schönsten Debatten im Parlament. (Obwohl mensch von Antifas ja anderes erwartet hätte). Wie immer wenn Leute unter lauter Verantwortung ächzen, geht es recht gewalttätig zu, auch wenn es mich wirklich beruhigt, dass ihr, wenn ihr meinen Vortrag verhindert, gar nichts gegen meine Vortrag tut, sondern "nur" etwas gegen die GWG.
Eure Ausführungen machen mich auch wirklich besorgt: Meine armen kleinen Argumente, ihnen droht "Entwertung". Am Ende zahlen mir die VeranstalterInnen nur das halbe Honorar! Gut, dass ihr meine Argumente auch vor Abnützung schützt, in dem ich sie - wenn es nach eurem Willen geht - zweimal weniger vorbringen soll. Vielleicht sollte ich mir eine kleines, mit Samt gefüttertes Kästchen für sie kaufen, und sie auch von meiner Webseite nehmen und am besten überhaupt keine Vorträge mehr halten? Bis ihr, meine großen Brüder und Schwestern euch schützend vor mich warft, dachte ich naiverweise, dass ein Argument stimmt oder nicht. Und dass Leute, wenn sie über diese Argumente nicht diskutieren wollen, sondern auf eine andere Ebenen ausweichen (formale Einwände gegen RednerInnen oder VeranstalterInnen, psychologische Erwägungen über die Gründe, warum etwas gesagt wird, der Hinweis, dies oder jenes nütze wieder nur diesem oder jenen), Argumente verbieten wollen, weil es für eine inhaltliche Widerlegung nicht reicht. Aber, da habe ich euch kennen gelernt, und jetzt weiß ich, dass gar nicht die Frage ist, warum die EU den antisemitischen Terrorkrieg gegen Israel finanziert, sondern darum, dass dieses Argument der GWG helfen könnte, ihr dämonisches Ziel der Vorherrschaft in der sowieso "marginalisierten Linken" zu erreichen.
Wirklich böse: Da halten Leute etwas für richtig, und wollen darum, dass auch andere einsehen, dass das richtig ist und sich darum darüber mit Argumenten streiten, ob's denn richtig ist. Fast fürchte ich um meine Beliebtheit bei euch, wenn ich euch verrate, dass ich ganz ähnliches will.
Es ist ja eine schöne Sache, dass ich in Ostwestfalen so viele liebe Freundinnen und Freunde habe, die ich zwar nicht kenne, die sich aber geradezu darum prügeln, wer mir zuhören darf. Ich hoffe, ich enttäusche euer Schutzbedürfnis mir gegenüber nicht zu sehr, wenn ich ein paar Anmerkungen zu den etwas mageren "Beweisen" mache, die ihr zum Beleg eurer Behauptung vorbringt, die Genossen von der GWG seien schlimme Antisemiten und Deutschtumsfanatiker. Dass Antideutsche glauben würden, es gäbe so etwas wie ein quasi-angeborenes Volkstum darf man getrost eurer projektiven Phantasie zuschreiben. Was Antideutsche und Antinationale dem Rest der Linken versuchen beizubringen, ist, dass Nationalismus nicht einfach nur eine blöde Idee ist, sondern ideologische Praxis, dass es Nationen als Kollektive gibt, und dass Rassismus und Antisemitismus nicht die Irrtümer von eigentlich recht revolutionslüsternen sozialen Kämpfern sind, die leider gerade abgelenkt werden, sondern regelmäßige und folgerichtige Ausflüsse des üblichen staatsbürgerlichen Normalverstandes. Und solange das so ist, finden Antideutsche den Staat Israel und seine Verteidigung gegen den wachsenden Antisemitismus notwendig.
Wenn ich euer Bochumer Beispiel richtig verstehe, darf mensch seinen Kampf gegen Antisemitismus immer nur mit Zustimmung der jeweils zuständigen jüdischen Gemeinde führen, vermutlich weil "Betroffene" immer recht haben. Dass das selten-blöde Argument, israelischen Fahnen würden nur antisemitische Stereotypen reproduzieren letzten Endes bedeutet, dass mensch sich von antisemitischen Wahrnehmungsmustern diktieren lässt, was mensch noch sagen darf und was nicht, hat bei euch offensichtlich nicht für allzu viel Verwunderung gesorgt. Selten genial fand ich die Argumentation, das Zeigen israelischer Fahnen würde bedeuten, man wolle nicht, dass Juden in Deutschland lebten. Die ostwestfälisch NPD scheint keine Verbindung zwischen Israel und Synagogen zu ziehen und gezogen zu haben und ihre Angriffe auf die deutschen Juden müssen frei von Vernichtungsabsichten gegen den jüdischen Staat gewesen sein - anders kann ich eure Argumentation, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen Israel-Solidarität und der Verteidigung des Baus einer Synagoge gar nicht verstehen. (Wenn das die nicht-ostwestfälischen Nazis rausfinden, sehe ich dunkelbraun für die Kameraden)
Alles in allem: Nicht sehr überzeugend. Und das wiederum deutet darauf hin, dass es euch um anderes geht, als um die Bekämpfung von Antisemitismus und Antizionismus.
Neben mir habt ihr ja auch noch Kurt Tucholsky und Theodor W. Adorno zu Zwangsverbündeten ernannt. Ob die beiden sich so wohl fühlen würden, wenn sie wüssten wofür sie vereinnahmt werden, vermag ich nicht zu sagen. Eins aber kann ich euch sagen: Führt bitte euren Kampf gegen Aufklärung über Antisemitismus und Antizionismus in Zukunft ohne fette Schleimspur in Richtung Brüssel. Vielleicht bin ich ja nicht immer auf der Seite der Georg-Weerth-Gesellschaft - so gut kenne ich die gar nicht - aber auf eurer Seite bin ich gewiss nicht.
Viele Grüße
Ilka Schröder
Solidarität an der Fachhochschule Bielefeld
Brief von Heinz Gess, Professor für Soziologie, an seine Kollegen an der Fachhochschule Bielefeld
Sehr geehrte und liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich möchte sie mit meinem Anschreiben auf die Veranstaltung mit der EU-Parlamentarierin Ilka Schröder aufmerksam machen. Dazu schicke ich ihnen im Folgenden die Einladung zu ihrem Vortrag mit anschließender Diskussion zu. Ich bitte Sie sehr, sich über die Links über die politischen Vorgänge im Zusammenhang mit dieser Vortragsreihe aufmerksam zu informieren und einmal darüber nachzudenken, wie verhindert werden kann, dass ehrenwerte Personen wie Ilka Schröder durch Aktionen des vorgeblich "antifaschistischen" Mobs daran gehindert werden können, die Resultate der Recherchen des IDF zum Thema "EU-Gelder für Judenmord" der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Lassen Sie mich noch ein Wort zu dieser Veranstaltung sagen und geizen Sie bitte nicht mit ihrer Lesezeit. Ilka Schröder hat als Europaabgeordnete der Grünen den Skandal offen gelegt, dass der auf Vernichtung des Judenstaates und der Juden abzielende antisemitische Terror in Israel in stiller Mitwisserschaft der EU mit Mitteln der EU finanziert worden ist und womöglich immer noch finanziert wird. Sie hat ferner offengelegt, dass nicht nur Organisationen wie Hamas und Hisbollah, die die Vernichtung Israels und die Liquidierung allen jüdischen Lebens im "Haus des Islam" öffentlich zu ihrem Programm erhoben haben, systematisch vor allem junge Menschen zu Judenmördern abrichten und auf diese Weise systematisch ein falsches Bewusstsein, das Herrschaftsformen der übelsten Art stabilisiert, verbreiten, sondern dass auch der Führer der PLO, der in der EU hochgeschätzte Arafat und seine PLO an der Planung, Organisation und Durchführung von Terrorakten in Israel beteiligt waren und dazu jahrelang Finanzmittel der EU mit Billigung der EU benutzt haben. Sie wird meines Wissens auch den Nachweis erbringen, dass diese Unterstützung des Mordes an Juden durch die EU kein Ausrutscher war, sondern mindestens billigend in Kauf genommen wurde, während zugleich massiv antizionistische Propaganda gegen Israel verbreitet wurde, in der Mörder, die nur deshalb zu Opfern wurden, weil sie fanatisierte Täter waren, die von ihren Herren wie Bluthunde zum Mord abgerichtet wurden, zu bloßen Opfern des "aggressiven jüdischen Raubstaates" erklärt wurden. Wo solche Propaganda fruchtet, wird die Duldung des mit EU-Geldern finanzierten Judenmordes akzeptabel.
Ilka Schröder wird in dieser Veranstaltung, soweit ich orientiert bin, schließlich auch darauf eingehen, dass der Krieg gegen den mehrheitlich jüdischen Staat Israel weit mehr und anderes ist als nur ein lokaler Konflikt um die räumliche Größe Israels oder des zukünftigen Staates Palästina. Wäre er nur das, hätte der Konflikt schon seit langem gelöst werden können; denn in Israel hat es an der Bereitwilligkeit zur Teilung des Bodens und Anerkennung eines palästinensischen Gemeinwesens nie gefehlt, wie zuletzt in den Verhandlungen mit Barak abermals deutlich geworden ist. Dass alle Vermittlungsversuche in der Geschichte des neuen, in das Land der Thora zurückgehrten Israel scheiterten, dass gerade immer dann, wenn eine verständige Teilung, Frieden und Kooperation zum Greifen nahe schienen, von Seiten arabischer Nationalisten und Islamisten die heftigsten Terroraktionen gegen Israel gestartet wurden, macht nur zu deutlich, dass es dieser Seite niemals um die friedliche Lösung eines regionalen Konfliktes und um ein friedliches und fruchtbares Zusammenleben verschiedener Gleicher ging, sondern dieser Konflikt noch eine andere Dimension hat, die in den deutschen und europäischen Medien systematisch verschwiegen wird. Diese Dimension ist die des weiterwirkenden eliminatorischen Antisemitismus, der in den arabisch-islamischen Staaten kulturelle Hegemonie errungen hat und sich zunächst einmal vor allem gegen die "im Hause des Islam" ansässigen Juden richtet, die die Herrschaft der "einzig wahren Religion", des Islam, nicht anerkennen, sondern durch ihre pure Existenz demonstrieren, dass man auch ohne diese Herrschaft würdig leben und stark sein kann. Dass dieser eliminatorische Antisemitismus seine ideologischen Wurzeln im "alten Europa", insbesondere in der "deutschen Ideologie" hat, ist uns wohl allen bekannt. Er wurde von dort in der Zeit des Nazifaschismus (unter anderem über die Bewegung der "Moslembrüder") in den arabischen Raum importiert, verband sich dort sehr rasch mit dem aufkeimenden arabischen Nationalismus, Panarabismus und islamistischen Interpretationen des Islam. Judenfeindliche Passagen im Koran, die Mohammeds Ärger darüber, dass sich die im Krieg besiegten Juden nicht bekehren ließen und die Überlegenheit des Islam über die jüdische Religion nicht anerkannten, zu verdanken sind, bilden die Anknüpfungspunkte für eine solche vernichtungswütige, antisemitische Auslegung des Korans, ähnlich wie seinerzeit im "alten Europa" judenfeindliche Passagen im Neuen Testament, vor allem im Johannesevangelium, von christlichen Theologen und Philosophen zur Verkündigung einer protorassistischen, judenfeindlichen Ideologie benutzt wurden, die bereits viele Elemente des späteren Vernichtungsantisemitismus (s. Luther) vorwegnahm. Was dort geschehen kann, wo solcher Antisemitismus die kulturelle Hegemonie erringt, ist uns auch allen bekannt. Deswegen gilt es, nicht abermals tatenlos zuzusehen, wenn solche Kräfte dabei sind, die Oberhand zu gewinnen. Dazu gehört es, aufmerksam zu sein darauf, wo sich solcher Ungeist wieder rührt, der Öffentlichkeit solche Entwicklungen bekannt zu machen und Gegenwehr gegen eine Politik zu entwickeln, die den Antisemitismus fördert oder mörderische Aktionen, die aus diesem Ungeist gegen Juden in Israel oder anderswo in der Welt ausgeführt werden, unterstützt. Zumindest aber gehört dazu, dass man solche Menschen wie Ilka Schröder, die Recherchen des IDF über solche Entwicklungen und ihre finanzielle Unterstützung durch "unser Europa" Auskunft geben können, zu Wort kommen zu lassen und nicht zuzulassen, dass sie mundtot gemacht werden können, wie das nun Gruppen, die sich fälschlicherweise für "antifaschistisch" und "sozialistisch" halten und die doch nur "linke Ableger" der völkischen deutschen Ideologie sind, versuchen. Sie rufen dazu auf, Ilka Schröder nicht zu Wort kommen zu lassen und geben vor, sie davor zu bewahren zu wollen, dass sie von der Georg-Weerth-Gesellschaft, die die Veranstaltungen in Detmold und Bielefeld organisiert, und anderen "Antideutschen" instrumentalisiert wird. Schon merkwürdig, wie da jemand, der sich beherzt für Israel und gegen den antisemitischen Terror eingesetzt, vor einer Vereinigung in "Schutz" genommen werden soll, die sie eben deswegen zum Vortrag einlädt. Als ob Ilka Schröder diesen falschen paternalistischen "Schutz", der ihr da angeboten wird, bräuchte, und sie nicht selber wüsste, wer sie eingeladen hat.
Sie unterscheidet sich von den Antiimperialisten alten Schlags, wie sie in der PDS und in manch einer Antifa- oder Attac-Gruppe immer noch vorhanden sind, eben dadurch, dass sie sich nicht mit Parolen wie "Nicht im Schatten der USA" (PDS), zum nützlichen Idioten des deutsch-französischen Euroimperialismus machen lässt, der so perfide ist, den von ihm angezettelten Krieg in Jugoslawien mit dem Holocaust zu begründen und zugleich selber Morde an Juden in Israel zu finanzieren. Das hat sie mit den kommunistischen Antideutschen gewiss gemeinsam.
Bei ihr handelt es sich meines Wissens um eine Abgeordnete, die nicht nur den Splitter im Auge des anderen (den USA und Israels), sondern auch den Balken im eigenen Auge sieht, die nicht nur die imperiale Politik der USA, sondern auch die konkurrierende imperiale Politik der EU (unter Führung Frankreichs und Deutschlands) und ihre antiisraelische Ausrichtung benennt. Es handelt sich um eine Person, die für die individuelle und gesellschaftliche Emanzipation von Herrschaft streitet - in dem Bewusstsein, dass mit Antisemitismus in der Welt solange zu rechnen sein wird, wie diese Emanzipation noch aussteht, und die dafür manche Diskriminierungen hat hinnehmen müssen (Ausschluss aus der Partei der Grünen im Europaparlament, Verweigerung von Finanzmitteln durch die EU, Nichtwiederaufstellung als Kandidatin für das EU Parlament etc.)
Denkbar ist, dass Ilka Schröder sich trotz ihrer Recherchen und ihrer eigenen Erfahrungen als EU-Parlamentarierin irrt.
Denkbar auch, dass die Sorge, die sie umtreibt, übertrieben ist. Aber das eben wäre zu diskutieren im Bewusstsein der Verfolgungsgeschichte, die zugleich eine Geschichte schlechter Herrschaft ist, nicht aber ist ihr die Stimme zu nehmen, weil sie für den Judenstaat Israel eintritt und den kollektiven Narzissmus des "alten Europa", "unseres Europas", mitsamt dem "linken" Flügel dieses Kollektivs beschädigt.
Ich habe große Zweifel gehabt, ob ich Ihnen diese Einladung und die dazugehörigen Texte überhaupt zusenden sollte, mich dann aber doch dafür entschieden. Warum meine Zweifel? Nun ich stellte mir vor, wie der eine oder andere von Ihnen auf dieses Anschreiben wohl reagieren würde, und kam zu dem Ergebnis, dass die Reaktion bei manch einem etwa so aussehen könnte: "Ach der Gess, der wittert ja überall Antisemitismus", und damit wäre die ganze Sache erledigt und keines weiteren Gedankens noch wert. Resultat wäre dann einfach nur die Erregung eines negativen Gefühls mir gegenüber oder die Bestätigung eines ohnehin schon vorhandenen Vorurteils und verstärkte Abwehr der Problematik, auf die ich Sie aufmerksam machen möchte. Das aber ist gerade nicht das, was ich erreichen möchte. So bin ich auf den Gedanken gekommen, diese mögliche Reaktion in diesem Anschreiben selbst zu thematisieren. Zuvor aber möchte ich Ihnen ausdrücklich versichern, dass ich an niemanden Bestimmten denke, wenn ich diese mögliche Reaktion thematisiere, sondern in der Tat nur von einer Möglichkeit rede. Es ist denkbar, dass ich mich irre, wenn ich dergleichen befürchte und ich würde mich darüber freuen, wenn es so wäre. Stellen Sie sich nur einmal vor, 1931 hätte irgendein Mensch die Ansicht geäußert, in Deutschland sei ein vernichtungswütiger Antisemitismus im Kommen und schon dabei, die kulturelle Hegemonie zu erlangen, und er befürchte das Schlimmste für die Juden, Massenmorde eingeschlossen. Hätten nicht die meisten Deutschen dergleichen Befürchtungen als Verunglimpfung des deutschen Vaterlandes und wahnhafte Projektion von sich gewiesen und wäre diese Zurückweisung nicht sogar noch ganz plausibel gewesen? Und dennoch hätte der Furchtsame nur wenige Jahre später mit seiner Befürchtung auf schreckliche Weise bereits Recht behalten. Erst im Nachhinein kann man feststellen, was man vorher nicht wissen konnte, dass er wegen seiner erhöhten Sensibilität mit seiner angeblichen "Witterung" Recht behalten hat und auf Veränderungen gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und ideologischer Formationen reagiert hat, denen gegenüber andere, die sich das Geschäft nicht verderben lassen wollten, blind waren. Im Nachhinein ist man klüger, aber dann ist es auch zu spät, das Schreckliche noch zu verhindern. Das lehrt uns: Selbst wenn es wahr wäre, dass jemand ein "Antisemitismuswitterer" wäre, was ich ganz gewiss nicht bin, dürfte das kein Grund sein, seine konkreten Befürchtungen nicht ernst zu nehmen und sie aufmerksam zu prüfen. Es dürfte das um so weniger ein solcher Grund sein, als die Verfolgungsgeschichte in Europa und anderswo lehrt, dass derjenige, der die Verfolgungswut früher als andere spürte und beim Namen nannte, in der Regel sogar Recht behalten hatte. Dasselbe noch einmal andersherum: Der bekannte und unter "Tiefenpsychologen" hoch geschätzte Psychologe des "kollektiven Unbewußten" C.G. Jung, der viel über den "eigenen Schatten" und über (falsche) Projektionen veröffentlicht hat, so dass man annehmen sollte, er wüsste, wie falsche Projektion, Abwehr und Verdrängung funktionierten und welche Rolle Zuschreibungen wie "ach der, der wittert ja überall Antisemitismus" dabei spielen, hat noch 1934, nachdem die Nazis bereits die ersten Rassengesetze erlassen und sämtliche Juden aus dem öffentlichen Dienst, dem Gesundheitswesen und der Justiz entfernt hatten und er sich selbst an der Nazikampagne wider die Juden im Volksgesundheitswesen aktiv beteiligt hatte, von Antisemitismus weder bei sich selbst noch im Deutschen Volk etwas wissen wollen. Nicht Antisemitismus sei das Problem, schrieb er 1934, sondern der Antisemitismus witternde Jude. Er sei die "schwärende Wunde" am deutschen Volkskörper, weil er eben 'überall Antisemitismus wittere' und "mit seiner Bereitwilligkeit, überall Antisemitismus zu wittern, ...direkt Antisemitismus heraufbeschwört" (Briefe I, 210). Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich bin kein Jude und wir leben auch nicht in einer Zeit wie1934. Nicht diesen falschen Vergleich will ich hier ziehen, sondern nur darauf hinweisen, dass wenn noch im Jahre 1934, in dem der auf Vernichtung zielende Antisemitismus in Deutschland bereits Staatsdoktrin war und die zur Herrschaft gelangte faschistische Bewegung keinen Hehl daraus machte, was sie mit den Juden machen würde, wenn sie einmal die Gelegenheit dazu hätte, der Tiefenpsychologe C.G. Jung und mit ihm viele andere Psychologen seiner Schule partout keinen Antisemitismus erkennen konnte, sondern dass Problem nur in Juden und ihren Freunden sahen, 'die überall Antisemitismus wittern und dadurch erst Antisemitismus hervorrufen', dann macht das doch sehr klar, welche Funktion diese Zuschreibung hat. Sie dient der Abwehr und diese dazu, sich ins Recht zusetzen, selbst wenn die Spatzen es von den Dächern pfeifen, dass man damit Unrecht hat. Man will sich sein Geschäft eben nicht verderben lassen und sich nicht den Mund verbrennen. Man ahnt durchaus, was die Stunde geschlagen hat und weiß, dass man den Schlägen der Macht man besten ausweicht, indem man sich mit ihrer Politik identifiziert und mitmacht. Man weiß auch, dass man sich immer ein gutes Gewissen machen kann, indem man diejenigen, die man verfolgt oder deren Verfolgern man klammheimlich Unterstützung gewährt und Beifall spendet, zu Schuldigen erklärt. Die Geschichte des Antisemitismus ist auch die Geschichte der Verblendung gegen ihn, die Geschichte der Rationalisierung, des Wegsehens, des Verharmlosens und der Identifikationen mit Protestbewegungen, die nicht als radikal demokratische für die Emanzipation von Herrschaft überhaupt streiten, sondern statt der einen (Vor-)Herrschaft nur eine andere, vermeintlich saubere und bessere wollen, die sich alsbald dann als die noch sehr viel schlechtere herausstellte. Auch das sollte man bedenken und die Funktion solcher Äußerungen wie derjenigen vom 'Judenfreund, der überall Antisemitismus wittert', daraufhin bedenken.
Um auf die Gegenwart zurückzukommen. Es ist leicht, auf die Juden in Israel einzuschlagen oder den Schlägern Unterstützung zu gewähren und sich dabei als "besserer Mensch", "guter Christ" oder "heilige Krieger" vorzukommen. Dieses Muster ist nicht neu, sondern so alt wie der AS selbst. Wer den Juden und ihrem Staat ans Leder will, sieht sich im Recht. Gut ist er und böse sind seine Widersacher. Die notwendigen Rationalisierungen dafür liefert die vorherrschende mediale Propaganda zuhauf. Unentwegt malt sie das Bild vom Juden und vom Judenstaat als blindwütigen Aggressor, der nicht einmal davor zurückschreckt, palästinensische Kinder zu opfern. Er gilt der alteuropäischen Linken und Rechten unisono als ein "künstliches Gebilde", ein Produkt des vagabundierenden Geldes, das alle völkischen Differenzen einebnet und zersetzt und das man deshalb zu hassen vorgibt, obwohl man gleichzeitig - als "Staatsmonete" - so sehr nach ihm verlangt.
Er gilt als ein Brückenkopf des US-Imperialismus im Hause des Islam, ein Fremdkörper, der liquidiert werden muss. Die zurückgekehrten, überall verfolgten und abgeschlachteten Juden gelten als mutwillige Räuber fremden Bodens, von dem keiner so genau wissen will, wie er einmal in die Hände dieser "Autochtonen" gelangt ist. Der jüdische Staat gilt als bodenloses "Gebilde", der das gute arabische Volk malträtiert. Ihm wird, weil sie angeblich zuerst da gewesen seien, ein vermeintliches Naturrecht auf den Boden zugesprochen, während den Juden ein solches Recht mit Vehemenz abgesprochen wird. Nehmen die Juden diese ihnen schon mehrmals in ihrer Geschichte zugefügte Gewalttat aber hin, die ihnen abspricht, was alle Völker als ihr gutes Recht beanspruchen, und finden sie sich zu einem Leben in der Diaspora bereit, um ans Licht der Welt zu bringen, dass die Menschheit ihr Potential auch ohne exklusives, jeden anderen ausschließendes Volkseigentum an Grund und Boden entfalten und vielleicht einmal in der Verschiedenheit ohne Angst leben kann, werden sie der Wurzellosigkeit, der Entfremdung von der Natur, des parasitären Daseins, der Volksvergiftung durch fremden Geist oder der Zersetzung des organischen Volkskörpers oder anderer "Vergehen" bezichtigt. Neuerdings gelten ausgerechnet sie, die vom Nazifaschismus ohne Erbarmen gejagt und gemordet wurden, in perfekter Verkehrung sogar als die eigentlichen Faschisten und ihr Staat als der schlechthin faschistische und rassistische. Die palästinensischen Araber werden wider besseres Wissen von deutsch-französischen Linken und Rechten als Juden phantasiert, die von den "Nazi-Juden" wahllos umgebracht werden, nur weil sie Araber sind, so wie die Nazis einst die Juden umbrachten, während doch in Wahrheit das Umgekehrte geschieht. Wahllos werden wirkliche oder phantasierte Juden, nur weil sie Juden sind oder als solche phantasiert werden (New York), in jedem mörderischen Terrorakt der PLO, Hamas, Hisbollah oder El Kaida umgebracht, während der Krieg des jüdischen Staates gegen diese Organisationen ein gezielter Abwehrkrieg ist, in dem auch palästinensisches Land besetzt wird, um die Infrastruktur des Terrors gegen den Judenstaat zu zerstören und diesem ein Überleben in einer vom Vernichtungshass durchdrungenen feindlichen Umwelt zu ermöglichen, die nichts dulden will, was anders ist. Ganz in diesem Sinne wurde der Judenstaat von der Uno-Konferenz der NGO s in Durban in einem zur Abstimmung gestellten Entschließungsentwurf als einziger Staat auf der Welt als rassistischer Staat gebrandmarkt, und nur den USA und Kanada war es zu verdanken, dass diese Resolution nicht durchgesetzt werden konnte. Staaten und NGO s aus Staaten, in denen ein wirklicher rassistischer Antisemitismus herrscht wie etwa Syrien, Irak, Iran, Sudan, Lybien, Saudi-Arabien und viele andere mehr erklärten Israel zum rassistischen Staat und wären um Haaresbreite mit Hilfe Alteuropas damit durchgekommen. Man stelle sich vor, welche Legitimation das für zukünftige Mordaktionen gegen Juden in Israel abgegeben hätte. Jeder dieser Morde und alle absehbaren Pogrome in anderen Teilen der Welt hätten als Aufstand gegen den Rassismus (der Juden und des Judenstaates) legitimiert werden können. Wieder einmal wäre, wie schon seit zweitausend Jahren in der Christenheit, klar gewesen, wer der "Söhne des Teufels" (Johannesevangelium) und darum die Hauptfeinde sind, mit denen es keinen Frieden der "Friedfertigen" geben kann.
Die Tiefenstruktur der falschen Projektion bleibt dieselbe, ihre Oberflächenstruktur aber hat sich der veränderten gesellschaftlichen Situation angepasst Aber auch das ist ja nicht neues, wie z. B. bei Enderwitz "Antisemitismus und Volksstaat" nachzulesen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Gess
Ein ehemaliger Student widerspricht Heinz Gess
Hallo Heinz,
lange hast Du, so denke ich nichts von mir gehört. Ich habe partiell verfolgt, an welchen politischen Aspekten Du gerade arbeitest. Heute habe ich einen offenen Brief von Dir zum Streit über den geplanten Vortrag Ilka Schröders auf den Schreibtisch bekommen und dazu muß ich Dir schreiben.
Nur zu gern würde ich Deinen Ausführungen zur Veranstaltung mit Ilka Schröder zustimmen, schließlich verbindet uns, dass es Dir wie mir darum geht, der völkischen Ideologie und dem Antisemitismus den Garaus zu machen.
Leider kann ich Dir aber nur partiell zustimmen. Weite Teile jener Passagen, in denen Du Dich inhaltlich zum Thema Antisemitismus äußerst,kann kann ich nur unterstreichen.
Absoluter Dissenz herrscht aber zwischen uns, was die Einschätzung der Georg-Weerth-Gesellschaft und vieler ihrer antideutschen Pendants anbelangt.Du schreibst in Deinem Brief von "kommunistischen Antideutschen". Heinz, die gibt es nicht, zumindest nicht, so sie ihr "Antideutsch-Sein" ernst nehmen!
Bei diesen "Antideutschen" handelt es sich "nicht nur der Form, sondern auch dem Inhalt nach (...) um die vollständige Regression des traditionslinken Bewußtsein auf die nationale Ebene - nur eben mit einem negativen Vorzeichen. Die 'Klassenlogik' wird nicht tranzendiert, sondern bleibt festgeschrieben, wird aber wie das Kapitalverhältnis überhaupt 'eingeklammert'. Alle quer zur nationalen Frage liegenden Fragen verschwinden, die Globalisierung ebenso wie die soziale Krisenverwaltung, die Atomkraft usw. Alles konzentriert sich auf 'Deutschland' oder das deutsche Wesen, die gesamte Weltlage und sogar die Binnenverhältnisse in anderen Ländern und Weltregionen werden allein unter diesem Aspekt wahrgenommen. Sozusagen das Weltall ist nur noch eine Funktion von 'Deutschland'. Es gibt nur noch eine Frage, und das ist die deutsche. Das negative Vorzeichen erlaubt es, diese Regression in eine Transzendierung des Traditionsmarxismus umzulügen. (...) Es genügt keineswegs, diese Regression als 'negativen Nationalismus' zu kennzeichnen. Das wäre eine viel zu allgemeine Bestimmung. Es handelt sich aber um die Auflösung des Kapitals im Allgemeinen in 'Deutschland' als Allgemeinheit sui generis (...). Allgemeinheit des gesellschaftlichen Verhältnisses und nationale Besonderheit haben den Platz getauscht. Genau darin besteht ja die Spezialität der deutschen Ideologie.
(...)
Die antideutsche Ideologie (...) erklärt die deutsche Ideologie statt zum falschen Bewußtsein in der deutschen Gesellschaft zum Wesen der deutschen Gesellschaft selbst (...). Die antideutsche Ideologie ist bloß Gegenideologie, das seitenverkehrte Spiegelbild der deutschen Ideologie, und nicht deren Kritik".
(Kurz, Robert: Die antideutsche Ideologie, S.111-113, Münster 2003)
Dieses lange Zitat führt näher aus, was "einige AntifaschistInnen aus Ostwestfalen" in ihrem Papier mit dem Titel "Die menschliche Dummheit ist international" dargelegt haben. Nämlich, dass "antideutsch" und links nicht kompatibel sind, dass "Antideutsch-tum" und "Deutsch-tum" nur zwei Seiten einer Medaille sind mit der man einer völkischen Ideologie Tribut zollt.
Sehr vermisse ich in Deiner Stellungnahme eine Auseinandersetzung mit den Bochumer Vorfällen. Wird es da nicht deutlich, wie sehr die Georg-Weerth-Gesellschaft in einem instrumentellen Verhältnis zum Kampf gegen Antisemitismus steht, wie sehr sie ihn nutzt, statt ihm zu nützen.
Es gab inhaltlich begründete Bitten der jüdischen Gemeinde in Bochum, die an die Georg-Weerth-Gesellschaft herangetragen wurden und die begründeten, weshalb man keine israelischen Nationalflaggen auf der Kundgebung sehen will. Ich kann diese Gründe sehr gut nachvollziehen. Nicht allein - aber natürlich auch - weil diese jüdische Gemeinde sich gegen die israelischen Nationalflaggen aussprach, sonder auch aus inhaltlichen Gründe empfinde ich das Vorgehen der antideutschen Gruppen in Bochum als unfaßbar. Stell Dir vor, die Leute von der Georg-Weerth-Gesellschaft riefen gar bei der jüdischen Gemeinde in Bochum an, um sich versichern zu lassen, dass man ihre Solidaritätsbegründungen nicht wünscht - und dennoch: Was ein rechter Antideutscher ist, der läßt sich nicht beirren und demonstriert mit der Israelfahne, derer er sich bemächtigt hat, egal ob das Objekt der Solidaritätsbekundungen diese Solidarität als einen Bärendienst ansieht.
Heinz, vielleicht erinnerst Du Dich noch an meine Diplomarbeit, in dem ein langes Kapitel auch dem völkischen Antiimperialismus incl. seines fast unvermeidlichen Begleiters Antisemitismus gewidmet ist. Meine Arbeit war Ausdruck auch von Diskussionen und Positionen in der BRD-Antifa. Längst bevor sog. "Antideutsche" sich des Themas bemächtigten und in einer irren Überzeichnung diskreditierten, war die Kritik an einen völkischen Antiimperialismus als Spiegelbild des völksichen Imperialismus, der eine Option deutscher Außenpolitik darstellte und darstellt in der Antifa zu einem weit verbreiteten Standpunkt geworden. Es gab dazu zwei Schwerpunktausgaben des autonomen "Antifa-Infoblattes", eine Sondernummer des "Rechten Randes" der VVN/BdA, schließlich sogar ein internationales Gemeinschaftsprojekt mit anderen europäischen Antifas Titel: "Reunited Germany - The new Danger", "In the introduction to this pamphlet, we wrote that our aim has not been to fan any anti-German flames, but to warn people internationally about the dangerous character of revived German nationalism.In so doing, we have sought to represent the views, and very real fears, of those in Germany who devote all their energies to combating the evils of anti-semitism, racism, nationalism and other hate predjudices..." und unzählige Artikel in den einschlägigen Antifa-Publikationen, die dieses Thema zumindest streifen bis heute!
Allein, die "Antideutschen" mußten diese Positionen übersteigern und damit entwerten, um noch politischen Profit im Kampf um politische Hegemonie aus ihnen zu schlagen.
Neben all diesen inhaltlichen Argumenten hatte ich mehrfach das zweifelhafte Vergnügen mit der Georg-Weerth-Gesellschaft Kontakt zu haben. Dabei ist mir neben den inhaltlichen Differenzen auch jedweder Glaube an die persönliche Integrität der wichtigsten Protagonisten dieser Gruppe abhanden gekommen. Sie sind Zyniker, die nur noch dazu in der Lage sind, jüngere Leute innerhalb der Linken in kürzester Zeit zu verheizen. Und diesmal verheizen sie ein wichtiges Thema gleich mit. Ihre Instrumentalisierung des Kampfes gegen Antisemitismus diskreditiert sie und ich fürchte: sie werden auch das Thema selbst diskreditieren.
Es ging also tatsächlich darum, dass Antifaschisten aus Ostwestfalen fürchten, dass die berechtigte und richtige Kritik an völkischer Ideologie und Antisemitismus auch in der "Linken" durch den Zusammenhang in dem sie bei der Georg-Weerth-Gesellschaft steht, diskreditiert wird. Ilka Schröder scheint dies nicht zu schrecken, sie scheint selbst in die "Antideutsche Ideologie" abgeglitten zu sein.
Ich würde mich freuen, wenn Du Deine recht einseitige Stellungnahme für die Georg-Weerth-Gesellschaft noch einmal vor dem Hintergrund meiner Ausführungen überdenken würdest und verbleibe
mit antifaschistischen Grüßen
Dein ehem. Student
Heinz Gess belehrt den ehemaligen Studenten
Lieber ?,
Die Georg Weerth-Gesellschaft kenne ich so genau nicht, aber die Vorträge, die sie bisher in Detmold und Bielefeld organisiert hat und die Referenten, die vorgetragen haben, kann ich voll und ganz unterstützen. Was Du über diejenigen sagst, sie sich als antideutsche Kommunisten bestimmen, halte ich für puren Unsinn - jedenfalls, wenn Du damit die Leute aus dem Ca Ira Verlag (Bruhn, Dahlmann und andere) meinen solltest. Im übrigen: Was sollen überhaupt Sätze wie "die kommunistischen Antideutschen - die gibt es nicht." Bestimmt neuerdings das Antifa-Zentralarchiv oder der Cheftheoretiker der Antifa, Kurz, wer "Kommunist" (beinahe hätte ich "Jude" gesagt) ist, oder gehört es nicht zur Selbstbestimmung freier Menschen, das sie selbst bestimmen, wer sie sind, und wie sie ihre Praxis verstehen. Du kannst natürlich an diesem Selbstverständnis Kritik üben, indem du, bezogen auf den vorliegenden Sachverhalt, klar machen würdest, warum die Einladung von Ilka Schröder, die den Skandal der Politik des alten Europa bezüglich Israels thematisiert, der Selbstbestimmung der Gruppierung als einer kommunistischen zuwiderläuft. Nur kann ich bei Dir nicht einmal den Ansatz eines solchen Arguments erkennen. Die Setzung "die gibt es nicht" ist pure Herrschaftssprache.
Dass die einladende Gruppe sich Georg Weerth Gesellschaft nennt, sagt ja übrigens auch etwas aus. Schließlich war Georg Weerth der erste und bedeutendste Dichter des Proletariats in Deutschland, als dieses noch um seine Emanzipation kämpfte, und ein Detmolder außerdem. Ginge es euch um die Sache, eine bessere Praxis, würdet Ihr euch darüber freuen, dass sich hier eine Gruppe, ohne euch um Erlaubnis zu fragen, also aus freien Stücken, so bezeichnet und damit zu verstehen gibt, dass sie an der emanzipatorischen Idee des Kommunismus gegen alle Anfeindungen, die eine solche Selbstdefinition in Deutschland mit sich bringt, festhält, und würdet ihr nicht flugs nach dem Motto, "wer Kommunist ist, bestimmen wir", das Recht dazu absprechen. Aus der Argumentation von Kurz, der offensichtlich als der Lautsprecher fungiert, der den Antifas die Parolen vorgibt, denn sie alle reden merkwürdigerweise ohne jede Differenz uni sono dasselbe, als seien sie Mitglieder einer alle gleich schaltenden Partei, die immer Recht hat, geht aber hervor, dass euch mehr noch als die Selbstbestimmung "kommunistisch" der Anspruch "antideutsch" zu sein, stört. Kurz und ihr wollt offensichtlich "Politik" im herrschenden Sinne machen und Stimmen für "die Partei, die Partei, die Partei" einfangen. Wenn man das aber will, darf man in Deutschland alles, nur nicht antinational, antivölkisch und damit anti-deutsch sein, sondern muss unbedingt signalisieren, dass man dazugehört, und im Zweifelsfall keine Parteien, sondern nur noch Deutsche kennt, und natürlich "unser" Deutschland und "unser" Europa liebt. Aber das Opfer, das man damit bringt, der Verzicht auf eine klare und deutliche Sprache, lohnt nun wirklich nicht. Die Linke ist soweit marginalisiert, dass sie dadurch nichts gewinnen kann. Besser ist es da schon, in der Selbstbestimmung der eigenen Gruppierung deutlich zu machen, was in Deutschland und anderswo falsch gelaufen ist, und woran die Kräfte der Emanzipation gescheitert sind, auf dass ein Bewusstsein davon entsteht, was es besser zu machen gilt. Gescheitert ist Emanzipation der Arbeiter daran, dass sie irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Anspruch aufgab, eine kommunistische Bewegung zu sein und ihr Kommunismus in der Tat zum bloßen verbalen Überbau wurde, der keine Relevanz für das praktische Leben, für den praktischen Umgang miteinander hatte. Aus purer Not und, weil sie es satt hatten, immer nur eines auf die Fresse zu kriegen, wenn sie an ihren Ketten rüttelten, gingen sie dazu über, sich doch lieber zu integrieren, um von dem großen, anwachsenden Kuchen wenigstens etwas mitzubekommen. Verstehen kann ich das alles, und rechten möchte ich darüber schon gar nicht. Zu nahe sind mir Lebensbedingungen, die solche Reaktionen hervorbringen, als dass ich den moralischen Zeigefinger erheben möchte. Aber ungeachtet dessen ist es von Bedeutung und positiv zu würdigen, wenn eine Gruppe sich in diesem wichtigen Punkt heute anders besinnt und das in ihrem Namen auch zu Ausdruck bringt.
Der zweite Hauptfehler, an dem die Kräfte der Emanzipation gescheitert sind, bestand darin, dass sie, als es hart auf hart ging, ihren Anspruch, eine "internationale Assoziation" zu sein, ziemlich bald aufgaben und lieber, bis auf wenige Ausnahmen, zu denen Rosa gehörte, lieber "deutsch" sein wollten, und zu demjenigen überliefen, der keine Parteien, sondern nur noch Deutsche kannte.
Diese beiden Hauptfehler schon der Namenswahl zu kritisieren, halte ich für eine ausgezeichnete Sache, auch wenn das in Deutschland provozierend wirkt, die deutsche Antifa auf die Palme bringt und zunächst einmal kein Blumentopf damit zu gewinnen ist. Darauf kommt es, so wie die Umstände sind, auch gar nicht an, sondern vielmehr darauf, das Bewusstsein für das Bessere wieder zu schärfen und von vorn zu beginnen.
Deine Argumentation folgt ganz der Linie der Schandl oder Kurz. Von beiden habe ich in der "jungen Welt" einige Artikel über die Antideutschen und andere "durchgeknallte Philosemiten" (Schandl) gelesen. Ich war, gelinde gesagt, entsetzt über den Hass und die Vernichtungswut, die sich in diesen Artikeln zur Sprache kam, und über all die falschen, unkontrollierten Projektionen, aus denen diese Artikel durchgängig bestanden. Die anderen, über die man dort schrieb, ob nun Adorno, Bruhn, der Ca ira Verlag oder wer auch immer, wurden in ihrer Differenziertheit und Differenz überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, sondern in sie lediglich hineinprojiziert, was in einem selber ist, und dann in einer mobbischen Weise darauf geschlagen, was das Zeug hält. Was ich bei Kurz über Adorno und die Kritische Theorie der Gesellschaft, in der ich mich wirklich gut auskenne und die ich schätze und liebe, gelesen habe, war grob entstellend. Nicht ganz falsch, versteht sich, aber eben nur halbwahr, taktisch ausgewählt, um es dann als völlig "überholt" oder als "bürgerlichen Restbestand" oder "akademisch" oder mit anderen Etiketten, die als fader Ersatz für fehlende Argumente herhalten müssen, abserviert zu werden. Am besten lügt sich eben mit Teilwahrheiten, wie das Wort Rationalisierung, das von Ratio abgeleitet ist, ja schon sagt. Ausgerechnet Adorno beispielsweise vorzuwerfen, dass er zu lange an einem Arbeitermarxismus festgehalten habe und in so etwas wie Arbeitsmetaphysik verhaftet gewesen sei, ist völlig absurd, auch wenn sogar der von mir hochgeschätzte Postone ähnlich verfährt, um seine Rekonstruktion der Kritischen Theorie von Marx, wie es Kurz das auch tut, als allerletzte Neuigkeit verkaufen zu können. Tatsächlich ist das aber falsch und diese Rekonstruktion bei Adorno schon lange geleistet, wenn er sie auch nicht auf dem Feld der Kritik der politischen Ökonomie im engeren Sinne mit der Sorgfalt, wie Postone das nun nachholend tut, ausgeführt hat. Dafür aber ist diese Rekonstruktion auf anderen Feldern, insbesondere in der scharfsinnigen Kritik der "deutschen Ideologie" - man denke nur an die Heidegger-Kritik Adornos- bei Adorno eminent fruchtbar geworden.
Aber ich möchte mich hier mit diesem Umgang mit der kritischen Theorie durch Kurz, die nicht der Weiterführung der kritischen Erkenntnis und Praxis dient, wohl aber der falschen Eigenprofilierung, nicht noch weiter auseinandersetzen. Das ist hier wohl nicht das Hauptproblem, obwohl es sicher zum Problemfeld dazugehört, denn viele antideutsche Kommunisten, Leute wie Bruhn, Dahlman, Scheit u. a. sind nun einmal leidenschaftliche Verfechter der kritischen Theorie und Praxis und müssen sich deshalb gegen den projektiven Unsinn, die berechneten Verkennungen, die von Schandl und Kurz in die Welt gebracht werden, verwahren. Darin kann ich sie aus meiner Kenntnis der kritischen Theorie nur voll und ganz unterstützen. Wo die kritische Theorie so verkannt wird, da kann ich nur sagen: ›Bewahre mich vor meinen Freunden, gegen meine Feinde kann ich mich selber schützen‹.
Du hebst hervor, dass Du schon in Deiner Diplomarbeit (ca. 1995) über den völkischen Antiimperialismus und seine notwendige Verbindung mit dem Antisemitismus gearbeitet hast. Du habest damit, schreibst Du, den seinerzeitigen Erkenntnisstand der Bundeantifa wiedergegeben. Du willst damit demonstrieren, dass die Antifa sich dieses Themas angenommen hatte, längst bevor die Antideutschen sich des Themas "bemächtigt" haben und es, wie du schreibst, in einer "irren Überzeichnung diskreditierten".
Dazu folgendes:
1. Es ist bemerkenswert, wie wichtig Dir und Deiner Gruppierung der Anspruch ist, dass Thema als Erste!! bearbeitet zu haben, und die antideutschen Kommunisten gewissermaßen als "Diebe" darzustellen, die, ohne euch um Erlaubnis zu fragen, sich - man möchte beinahe sagen "widerrechtlich" - des Themas bemächtigt haben, um es dann in einer Weise zu gebrauchen, die nicht im Einklang mit den Absichten Deiner Gruppierung steht, die das Erstgeburtsrecht auf dieses Thema beansprucht. Ähnliches habe ich auch schon bei Schandl und Kurz gelesen, die den Antideutschen regelmäßig geistigen Diebstahl unterstellen, entweder bei ihnen selbst oder beim ehemaligen Wolfgang Pohrt oder bei sonst wem. Ich kann darüber nur lachen - nicht nur über die Großmannssucht, die daraus spricht, sondern vor allem über diese kleingeistige, der Herrschaft des Privateigentums erwachsenden Reprise von Besitzstandsdenken und Ursprungsphilosophie, die aus diesem Vorwurf spricht und die immer nur dazu diente und auch bei euch dazu dient, Herrschaftsansprüche abzusichern und sich vor anderen ins Recht zu setzen. In Kurzform impliziert Dein "Argument" etwa folgendes:
Ausgangsthese: ›Wer zuerst da war, hat das Sagen. Das Thema gehört ihm, ist sein Privateigentum. Er hat das Recht darauf, und lässt es sich partout nicht nehmen. Wer sich des Themas annimmt, ohne um Erlaubnis zu fragen, wird wegen geistigen Diebstahls verfolgt. Die Erlaubnis aber hat selbstverständlich wie alles auf dem Markt ihren Preis: man muss sich dem Herren des Themas unterordnen und ihm die Oberhoheit über das Thema und die Kontrolle seines Gebrauchs zugestehen.‹
Randbedingung: ›Das haben die Antideutschen das getan, sie haben die Oberhoheit des Ersten, Robert Kurz und der Antifa, nicht anerkannt‹.
Folgerung: ›Damit den Herren des Themas geprellt. Das muss ihnen vergolten werden, damit wieder Ordnung herrscht und jeder weiß, wer hier, in der Linken, das Sagen hat.‹
Mehr zu diesem Thema (Ursprungsdenken in der Deutschen Ideologie) kannst Du bei Adorno nachlesen. Dort kannst Du auch nachlesen, wie sehr dieses Denken mit dem Anspruch, über andere Menschen "rechtmäßig" zu herrschen und auf sie einzuschlagen zu dürfen, verknüpft ist. Wenn eine Gruppierung, die vorgibt, die Assoziation freier Produzenten anzustreben, in dieser Weise argumentiert, hat sie ihr Ziel durch diese Art Praxis bereits verraten, mag sie das Wort "Emanzipation" oder "links" oder was auch immer noch so oft im Munde führen, wie sie will.
Wäre es so, wie Du sagst, und ginge es dir und den Euren um eine bessere Praxis und nicht darum, in einer marginalisierten Linke der leitende Kader zu sein, der anderen sagt, wo es lang geht, würdet Ihr euch freuen, dass durch die israelfreundlichen und überhaupt meistens freundlichen Antideutschen, die gegen die deutsche Ideologie streiten und sich darum antideutsch nennen, "Euer" Thema so bekannt geworden ist, und in der Linken in Folge dieser breiteren Öffentlichkeit tatsächlich leichte Bedenken gegen ein weitere vorbehaltlose Unterstützung der antisemitischen Volksgemeinschaftsideologie im arabischen Raum gekommen sind, und würdet Meinungsverschiedenheiten mit ihnen argumentativ und sehr viel freundlicher austragen, als ihr das tatsächlich tut.
2. Ganz abgesehen davon, irrst Du aber auch. Da Du seinerzeit Deine Arbeit bei mir geschrieben hast, wirst Du Dich doch wohl erinnern, dass ich bereits, als Du mit dem Studium begannst, viele Veranstaltungen über das Themenfeld "völkisches Denken, Antisemitismus, Rassismus, Ökofaschismus" und dergleichen gemacht habe und außerdem ein politisches Buch über C.G. Jung und viele Aufsätze geschrieben habe, die sich diesem Thema widmeten. Schon damals kannte ich bereits seit langem den Ca ira Verlag und das Sozialistische Büro (ISF) und deren ausgezeichnete Schriften zu diesem Thema - lange bevor ich von Kurz und Schandl irgendetwas gehört habe. Bereits 1984 hat Bruhn ein sehr gutes Buch über die protofaschistische "Bhagwan-Bewegung" mit dem Titel "Diktatur der Freundlichkeit" mit einem eigenen, sehr guten Beitrag darin herausgegeben, den ich bereits 1984 in einem Seminar diskutiert habe. Ein Jahr später kam ein gutes Buch über die deutsche Friedensbewegung im ISF heraus, in dem den Spuren der völkischen deutschen Ideologie in dieser Bewegung nachgegangen wurde. Es ist also völlig falsch, wenn Du behauptest das ISF hätte sich dieser Thematik erst sehr viel später angenommen und hätte es ausgerechnet von der bundesdeutschen Antifa oder Kurz übernommen.
Selbst aber wenn es so wäre, wie Du sagst, hättet ihr mitnichten ein Erstgeburtsrecht auf das Thema. Darf ich Dich daran erinnern, dass Hanna Arendt, Adorno, Mosse und Poliakov und viele andere Jahrzehnte früher als die Bundesdeutsche Antifa oder Robert Kurz solche Zusammenhänge ans Licht gebracht haben. Von ihnen und aus der Kritik der politischen Ökonomie haben die Antideutschen gelernt. Erstgeburtsrechte haben sie anders als Ihr nie beansprucht.
Weiter schreibst Du: "'Die antideutsche Ideologie (...) erklärt die deutsche Ideologie statt zum falschen Bewußtsein in der deutschen Gesellschaft zum Wesen der deutschen Gesellschaft selbst (...). Die antideutsche Ideologie ist bloß Gegenideologie, das seitenverkehrte Spiegelbild der deutschen Ideologie, und nicht deren Kritik'(Kurz, Robert: Die antideutsche Ideologie, S.111-113, Münster 2003). Dieses lange Zitat führt näher aus, was 'einige AntifaschistInnen aus Ostwestfalen' in ihrem Papier mit dem Titel 'Die menschliche Dummheit ist international' dargelegt haben. Nämlich, dass 'antideutsch' und links nicht kompatibel sind, dass 'Antideutsch-tum' und 'Deutsch-tum' nur zwei Seiten einer Medaille sind mit der man einer völkischen Ideologie Tribut zollt."
Auch hierzu muss ich Dir sagen: Was Du unter Berufung auf Robert Kurz schreibst, ist schlichtweg Unsinn. Du bräuchtest nur wenige Seiten aus Texten von Bruhn oder Scheit oder wem auch immer aus dem Ca Ira Verlag zu lesen, um Dich selbst zu überzeugen, dass Kurz Behauptungen falsch sind. Adorno hat zeit seines Lebens alle Ontologie, Ursprungs- und Wesensphilosophie (wie im übrigen auch Marx) entschieden kritisiert und seine dialektische Kritik stets gegen beide Seiten gerichtet: gegen den Positivismus in jeder Version und gegen die Ursprungs- oder (Wesens-)philosophie in jeder Version. Dagegen hat er die "negative Dialektik" gesetzt. Es ist eine unglaublich dreiste Verkennung, ausgerechnet Antideutschen wie Bruhn, die diese kritische Praxis fortsetzen, eine solche Wesensphilosophie, die in der Tat konstitutiver Bestandteil der deutschen Ideologie ist, die sie bekämpfen, zu unterstellen ihnen nun ausgerechnet diese Wesenphilosophie, den Glauben an die Existenz eines "deutschen Wesens", das als Archetyp im Inneren eines jeden echten Deutschen haust, andichten zu wollen.
Was die Antideutschen sagen wollen, ist ganz einfach dies:
Erstens: Der Kommunismus, die Assoziation freier Produzenten, ist international oder überhaupt nicht. Er hebt das Privateigentum auf und mit dieser Aufhebung auch das kollektive Volkseigentum an Grund und Boden, das andere, die anders sind, von vornherein ausschließt. Es gibt im Kommunismus keine völkischen Kollektive mehr, die mit dem Anspruch, sie seien zuerst da gewesen oder die Stärkeren oder was auch immer, anderen das Recht verwehren können, auch da zu sein und als verschiedene hier oder dort zu leben. Die freie Assoziation und völkisches Denken, ein Kernbestandteil der Deutschen Ideologie, schließen sich radikal aus.
Zweitens: Es gibt verschiedene Nationenbegriffe. Solche völkischer Art und solche, die ein homogenes, gleichartiges Volk nicht zur Voraussetzung ihrer Konstruktion von Nation haben, wie etwa der französische oder US amerikanische. Die freie kommunistische Assoziation wird über beide hinauskommen müssen. Ihr "Hauptfeind" aber ist ohne Zweifel der völkische oder rassische Begriff von Nation, wie er für die deutsch-völkische Ideologie mindestens seit Fichtes Setzung des Deutschen als "Urvolk" und "Ursprache" im bewussten Gegensatz zum Jüdischen konstitutiv ist. Dieser Begriff macht aus "Völkern" oder "Kulturen" wesensmäßig verschiedene Identitäten, gewissermaßen unterschiedliche Naturen oder Arten, die einander wesensfremd sind und die sich deshalb richtig nur untereinander, nicht aber mit den wesensmäßig anderen verstehen können. Die Individuen sind für ihn nur Bestandteile dieser kollektiven Identität und haben unabhängig davon kein Recht (Du bist nichts; Dein Volk ist alles). Die Idee der einen Menschheit, in der die verschiedenen Individuen ohne Angst als Gleiche miteinander leben und Gesellschaft machen können, wird a priori negiert, und zum Produkt des der Natur und damit der naturhaften Kollektividentität entfremdeten Judentums, dem Gegensatz zum Urvolk, erklärt. Ihm wird in der Folge konsequent die Vereinzelung der Einzelnen, ihre gewaltsame "Freisetzung" von den Verwirklichungsbedingungen ihrer Lebenstätigkeit unter kapitalistischen Produktionsbedingungen und alles was das an negativen Folgen mit sich bringt, zugerechnet. Schuld ist niemals das (deutsche) Wesen, das heimische produktive Kapital, "das Eigene" oder "Unsere", sondern das Fremde/Jüdische. Schuld ist nach dieser Ideologie immer die Fremdherrschaft, weil sie fremd, nicht "wesengemäß" ist, nicht die aber Herrschaft als solche, erst recht nicht die Herrschaft der Eigenen über die anderen Eigenen, wie schlecht sie auch immer sein möge. Jeder Protest gegen die negativen Folgen des Kapitals kann auf diese Weise aufgegriffen und ideologisch verschoben werden. Es ist nicht der Kapitalismus als solcher, sondern es ist immer der andere, nicht kollektivistische, fremde, zersetzende Geist, der Jude eben. Es ist beispw. heute nicht der rheinische, angeblich über sich selbst aufgeklärte, umweltfreundliche Kapitalismus, sondern der "amerikanische Börsenkapitalismus", der das Übel ist. "Wir" müssen uns von denen, die "uns" mit ihrem Geld beherrschen, abnabeln und selber eine bessere Herrschaft errichten. So geht das Lied dann weiter. Es wird schon wieder gespielt, unter anderem bei der PDS.
Gewiss ist "die Dummheit" keine spezifische Eigenschaft der Deutschen, sondern überall auf der Welt zuhause. Soweit ist Deiner Antifa zuzustimmen. Weil das so ist, wird das garstige Lied der völkischen deutschen Ideologie ja auch nicht nur in Deutschland gespielt. Sie hat in den arabischen Ländern als deutscher Exportschlager die kulturelle Hegemonie erobert, ist auch in Frankreich dabei, das zu tun, wo Chirac Außenpolitik nach dem Konzept des Neu-Rechten von Benoist exekutiert, während Schröder als sein Sekundant Hilfsdienste leistet. Sie ist darüber hinaus auch in den osteuropäischen Ländern (Polen, Ungarn) in Herz und Hirnen der Menschen verankert. Soviel zur Internationalität "der Dummheit".
Aber wie dumm ist die Antifa nur, wenn sie meint, diese Internationalität gegen die antideutschen Kommunisten oder die Georg Weerth Gesellschaft ausspielen zu müssen. Als sei die Feststellung von der ›Internationalität der Dummheit‹ eine neue Erkenntnis und als wüssten die Antideutschen nicht darum! Es ist doch genau anders herum, als die Antifa meint. Gerade weil die ›Dummheit international‹ ist, ist es so außerordentlich wichtig, gegen die völkische, antisemitische Ideologie als dem Hauptfeind der Freiheit und einer der wichtigsten ideologischen Waffen der konservativen Revolution vorzugehen, die den Prostest der Erniedrigten und Beleidigten immer so instrumentalisiert, dass er zum schlechten Ende die Herrschaftsverhältnisse stärkt oder verschlimmert, gegen die der Protest sich eigentlich wenden wollte, und dafür auf Unschuldige dreinschlägt, nämlich die wirklichen oder phantasierten Juden.
Die Antideutschen kritisieren die deutsche Ideologie als Form der Ursprungs- und Wesensphilosophie in der Deutschen Politik. Für die deutschen Ideologen von Fichte über Wagner bis Hitler ist das Deutsche Paradigma für Echtheit, Verwurzelung im Boden (Kosmos), für das, was, Fichte "Ur-" nannte, überhaupt. Anti-deutsch sein heißt diese Vorstellung eines kollektiven Wesens, das im Innern eines jeden Menschen haust und ihm aus dem Innern die wahren Werte und Normen offenbart, denen der Einzelne zu folgen hat, zu bekämpfen, weil sie Herrschaft ideologisch im Sein selbst, in der inneren Natur, zu verankern sucht und aus einem historischen Verhältnis, aus dem sich die Menschen emanzipieren können und nach Auffassung jedes Kommunisten sollen, ein Naturverhältnis macht, aus dem Emanzipation unmöglich ist. Wer diese Kritik verstanden hat, ist als Deutscher antideutsch, als Franzose antifranzösisch, als Pole antipolnisch, als Araber anti-arabisch, sofern alle diese Kollektividentitäten in dieser völkischen Weise verstanden werden. Wer für die individuelle und gesellschaftliche Emanzipation von Herrschaft eintritt, muss logischerweise gegen diese Ideologie und als Deutscher ierzulande antideutsch sein.
Dein Satz, dass "Antideutsch-tum" und "Deutsch-tum" nur zwei Seiten einer Medaille sind, mit der man einer völkischen Ideologie Tribut zollt, mit dem du die Auffassung von Kurz wohl wiedergibst, setzt voraus, dass es ein "Deutsches Wesen" gibt. Das "deutsche Wesen" wäre, um im Bilde zu bleiben, die Medaille von der das "Antideutsch-tum" und "Deutsch-tum" die zwei Seiten wären. Die eine Seite wäre das positive Ja zu diesem Wesen, seine Affirmation, die andere die Negation, die Ablehnung dieses Wesens. Die Antideutschen gehen nun aber davon aus, dass es kein solches Wesen gibt. Sie lehnen jede solche Konstruktion als Ursprungsphilosophie ab und sehen den Grund für die Wirksamkeit dieser Ideologie in Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft begründet, die sie überwinden wollen. Deswegen ist das Bild von Kurz völlig falsch und eine aufmerksame Lektüre von "Kritik und Krise" hätte ihn leicht eines besseren belehren können. Aber will er überhaupt diskutieren und argumentieren? Will er nicht nur der Erste sein und die Definitionsmacht darüber haben, wer wer ist. Will er nicht nur die Partei sein, die immer Recht hat? Genau so spricht er jedenfalls. Er argumentiert wenig, sondern schleudert mit Etiketten und stereotypen Halbwissen nur so um sich, immer definierend, wer wie einzuordnen ist im Ordnungsarchiv der Antifa oder sonstwem. Oder setzt Kurz selbst etwa voraus, dass es ein "Deutsches Wesen" gibt, das im Inneren eines jeden echten Deutschen haust und zu dem die einen sich zu radikal positiv und die anderen zu radikal negativ verhalten und nur er richtig, so irgendwo in der Mitte zwischen beiden Extremen. Dann ergäbe sein falsches Bild auch einen Sinn. Aber es demonstrierte nur, dass er selber im völkischen Denken gefangen ist. Wundern würde mich das nicht, ist es doch in der PDS bis heute noch üblich, "Deutschland" zu lieben und die (ost)deutsche Identität als etwas zu phantasieren, das ihren Wählern gestohlen werden soll. Von wem wohl?
Ich kann in all den Vorwürfen gegen die Antideutschen nur einen Akt verblendeter Projektion erkennen. Ein besonders schlimmes Beispiel für solches Projizieren und verbalen Totschlag bildet folgender Text von Schandl, den Du wahrscheinlich kennst: "An Pohrts Fall zeichnet sich eine möglicherweise nicht zu unterschätzende Tendenz ab, nämlich die Gefahr, daß der durchgeknallte Philosemitismus in den ordinären Antisemitismus kippt. Philosemitismus bedeutet, die Juden -ganz wie im Antisemitismus - nicht als gewöhnliche Menschen wahrzunehmen, sondern sie mit Mystifikationen zu belegen, bloß mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Antisemitismus ist aber nicht nur die inhaltlich inverse Grundlage des Philosemitismus, nein, der Superlativ des Philosemitismus ist wiederum der pure Antisemitismus. Der antisemitische Gehalt des (nicht nur) antideutschen Philosemitismus ist möglicherweise sogar höher als der des Antisemitismus des Durchschnittsdeutschen zu veranschlagen. Der Philosemitismus wäre damit ein sekundärer Antisemitismus sui generis. Vielleicht ist dieser überhaupt das gerissenste Versteck, um den Antisemitismus auszuleben, ohne antisemitisch zu erscheinen. Typisch dafür etwa die Attacke der Hardcore-Antideutschen in der letzten Bahamas auf den "Alibijuden" und "Antizionisten" Moshe Zuckermann. Wer ein guter Jude ist, bestimmen die schwerdeutschen Jungs in Berlin und anderswo. Klaro?"
Es fällt dem Oberdefinierer und Fertigmacher Schandl überhaupt nicht ein, irgendeine seiner Zuschreibungen, aus denen blinde Wut spricht, auch nur etwas näher zu begründen. Es kommt ihm auch gar nicht in den Sinn, einmal zu überdenken, welche Geschichte der Begriff "Judenfreund" (denn das ist ja die deutsche Übersetzung für Philosemit) in der deutschen Geschichte hatte. Als "Judenfreunde" wurden in ihr immer diejenigen verschrien, die beim Judenhass nicht mitmachten, für die Emanzipation der Juden eintraten und sich dem antisemitischen Mob in den Weg stellten. Von ihnen hieß es und heißt es bis heute, sie seien Judenfreunde und witterten überall Antisemitismus, den es doch in Wahrheit gar nicht gäbe. Sie seien schuld, wenn es Antisemitismus gäbe. Bei Schandl verursachen die Judenfreunde nicht nur Antisemitismus, er geht sogar noch weiter und erklärt sie selber zu den gerissensten und schlimmsten Antisemiten. Nach dieser verdrehten Logik muss man sich ja geradezu antisemitisch verhalten und zum Pogrom schreiten, um nicht in den Verdacht des Antisemitismus zu geraten. Denn Freundlichkeiten gegenüber Juden sind ja nur die perfekte Tarnung des inneren Antisemitismus und erst recht gefährlich? Das ist in der Tat totalitäre Definitionslogik.
Schandl kommt auch gar nicht in dem Sinn, dass man ein Judenfreund sein kann, weil sie gewöhnliche Menschen sind und man die Neigung hat, gewöhnlichen Menschen, wenn sie einem nicht Böses getan haben, gegenüber freundlich zu sein. Auch bemerkt er nicht, dass gewöhnliche Menschen wie die meisten Juden eine ganz ungewöhnliche Geschichte haben - in diesem Fall eine Geschichte voller Leid, Unterdrückung und Ertragens all der Wut und Ressentiments, die das Leben unter kapitalistischen Produktionsbedingungen bei denen hervorbringt, wenn sie sich mit der Macht, die sie schlägt, identifizieren, und Deutsche in der Erinnerung an diese Leidensgeschichte, in der Erinnerung aber auch an viele Kämpfe um die gesellschaftliche Emanzipation von Herrschaft, an denen Juden beteiligt waren, guten Grund dazu hätten, zu ihnen besonders freundlich zu sein. Das trifft insbesondere zu für die Juden in Israel zu, die sich heute den Vorherrschaftsansprüchen der "einzig wahren Religion" zu erwehren haben, deren Vertreter ihnen mit der Liquidierung drohen, falls sie ihren Anspruch auf Selbstbestimmung nicht aufgeben. Dass jemand dessen eingedenk ist und deshalb zu Juden noch freundlicher ist als zu anderen, die seine Freundlichkeit nicht so nötig haben, dass jemand sogar noch ihren Anspruch tatkräftig unterstützt, dass sie, solange die kapitalistische Globalisierung und damit das Hauen und Stechen mitsamt dem AS weitergeht, einen Ort in der Welt haben, in dem sie Asyl finden und sich ihrer Haut wehren können, das kann es nach Schandl einfach nicht geben. Wer sich so verhält, muss nach seiner verqueren Psycho-Logik ein Lügner, d. h. ein ›ein versteckter und ganz gerissener Antisemit‹ sein. Was Schandl sich bei sich selbst nicht vorstellen kann, nämlich ohne Berechnung einfach freundlich zum Juden zu sein, das kann es nach seiner Überzeugung auch bei anderen nicht geben und muss deshalb Hinterlist, Trick, Gerissenheit, Falschheit, Maske oder Lüge sein. Nun, so ist es vielleicht bei ihm; aber, liebe Antifas, bei anderen kann es anders sein! Es spricht Bände, dass Schandl sich partout nicht vorstellen kann, dass ein Deutscher nicht einfach nur freundlich zu Juden sein kann, sondern allen Deutschen a priori eine ihnen quasi von Natur zukommende antisemitische Einstellung unterstellt, die sich entweder als offener AS oder als Philosemitismus, d. h. versteckter AS, äußert. Letzteren erklärt er dann auch noch für die gefährlichere Form des AS, und das angesichts der deutschen Geschichte! Als ob in Deutschland je die Judenfreundlichkeit oder der versteckte Judenhass das Hauptproblem gewesen wäre! Wäre er in der Nazizeit doch nur versteckt, und sei es noch so gerissen versteckt geblieben!!
Und noch etwas: Diese Parolen gegen Judenfreunde sind mir aus der antisemitischen Literatur geläufig. Es ist in Deutschland wirklich nichts Neues, dass man zum angeblichen Wohle der Juden ihre "Freunde" verfolgt und sie lehrt, dass es besser ist, den Mund zu halten, wenn man nicht negativ auffallen und sich sein Geschäft nicht verderben lassen will Mir wird übel angesichts solcher entstellender hasserfüllter Tiraden.
Nun noch zu den Bochumer Vorfällen. Ich weiß dazu nichts Genaues. Ich weiß auch nicht, wieso du meinst, ich habe mich dazu zu äußern. Nur soviel: Ich habe vor einiger Zeit in der Wochenzeitung "Die Zeit" einmal gelesen, dass die Bochumer Juden Schwierigkeiten mit der Durchsetzung ihres Synagogenbaus haben sollen, weil sich in der Nachbarschaft beträchtlicher Widerstand gegen den Bau regt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Gemeinde aus Angst vor noch größerem Widerstand jedes Aufsehen vermeiden wollte, und deshalb lieber keine israelischen Fahnen auf Demonstrationen für die Synagoge sehen wollte. Aber das ist nur eine Vermutung. Wer einigermaßen aufmerksam die Berichterstattung in den deutschen Medien verfolgt, weiß ja um deren Israelfeindlichkeit und darum, dass es beinahe jedes Mal Auseinandersetzungen um die israelische Flagge auf Demonstrationen gibt. Sämtliche anderen Flaggen können seit Jahren gezeigt werden. Spruchbändern wie "die Intifada soll siegen", und Symbole, die Juden mit Nazis gleichsetzen, werden gleich haufenweise gezeigt und sind jahrelang stolz in jeder Friedensdemonstration, die meistens auch eine Demonstration der Feindschaft gegen die Judenstaat war, gezeigt worden, ohne dass irgendjemand von euch dagegen eingeschritten wäre. Aber wehe demjenigen, der mit einer Israelfahne kommt!!
Das alles wird natürlich auch die jüdische Gemeinde wissen, und will aus vermeintlich eigenem Interesse nur eine weitere Aufheizung der Atmosphäre verhindern. Wäre das so, hielte ich das allerdings für eine falsche Maßnahme, wenngleich ich die Reaktion der Gemeinde gut verstehen kann. Für falsch halte ich auch, dass ihr meint, ihr würdet Juden in Deutschland einen Gefallen tun, wenn sie sich aus Angst vor Schwierigkeiten, zum jüdischen Staat, ihrem einzige Asylort in der Zeit wiederkehrender Pogrome, nicht mehr bekennen wollen. Warum habt ihr ihnen nicht Mut gemacht und sie darin unterstützt, trotz der Anfeindungen die Courage zu haben, ihre Solidarität mit Israel zu zeigen?
Und überhaupt, was ist das nur für ein dummes, völkisches Argument, zu unterstellen, dass man eine Israelflagge nur zeigen darf, wenn die jeweilige jüdische Gruppe in Deutschland dafür ist. Seit wann muss ich z. B. bei Franzosen die Erlaubnis dafür einholen, wenn ich hier in Deutschland irgendwo die französische Flagge hissen will. Ist die Flagge Privateigentum irgendeiner Gruppe? Hat diese Gruppe automatisch Recht, wenn es um die Fahne geht, nur weil es "die ihre" ist oder sie dafür von Euch gehalten wird. Kann die Gruppe sich nicht irren? Kann sie nicht aus falscher Rücksichtnahme das Falsche tun? Und wieso meinst Du überhaupt, dass das die Fahne Israels die der jüdischen Gemeinde ist. Solange sie Deutsche sind, ist doch wohl die deutsche Fahne "die ihre". Schließlich sind Juden doch nicht automatisch israelische Staatsangehörige. Dass Du das stillschweigend unterstellst, zeigt nur, dass du selbst bewusstlos völkisch denkst, also gerade so denkst, wie deutsche Ideologen es gemeinhin tun, und wie Antideutsche es bekämpfen.
Es ist an der Zeit, dass man in Deutschland die Fahne Israels wie jede andere zeigen kann, ohne Angst haben zu müssen, von Islamisten, diversen NGO und "Friedenfreunden" ausgeschlossen, zur Seite gedrängt, geschlagen oder anderweitig diskriminiert zu werden. Wenn das erreicht ist, wäre es mir sehr recht, wenn überhaupt keine Fahnen gezeigt werden, wofür ich als Antinationalist schon immer war. Nicht recht aber ist mir, dass man aus Angst, jemand könnte mit einer Israelflagge ankommen und damit die Aggressionen der Menschen aus den angeblich guten bodenständigen Völkern auf sich ziehen, lieber alle Fahnen verbietet, nur um sich der völkische Ideologie der Aggressoren nicht stellen zu müssen und mit ihnen seinen stillen Volksbefreiungsfrieden schließen zu können, den man doch auch noch als israelfreundliche Tat verkauft.
Ich würde mich freuen, wenn ihr Euren Mob zurückziehen und dem freien Wort und der anregenden Diskussion Raum geben würdet.
Mit freundlichem Gruß
Heinz Gess
Die Auseinandersetzungen in Bielefeld und Detmold im Frühjahr 2002
Offener Brief an die Friedensbewegung, radikale Linke, DGB, VHS, Sozialpfarramt...
Am 9. April fand eine propalästinensische Demonstration in der Bielefelder Innenstadt statt, an der sich etwa 200 Menschen beteiligten. Schon im Aufruf zu dieser Demonstration wurde in faschistischem Jargon ("Wache auf Europa") die Vernichtung der europäischen Juden in zynischer Weise umgelogen; laut Aufruf gipfelt die "von europäischer Hand" beschlossene "Verpflanzung möglichst vieler Juden" in einer "palästinensischen Katastrophe"...