German Perversion

Wenn amerikanische Soldaten ihre Gefangenen quälen triumphieren in Deutschland Schadenfreude und Sadismus

Von Thomas Becker

12. Mai 2004 - Eine kurze persönliche Erklärung aus gebotenem Anlaß, verlesen zu Beginn der Vorstellung und Diskussion des Buchs von Karl Selent Ein Gläschen Yarden-Wein auf den israelischen Golan in Bielefeld

Als Antifaschist, der darauf hofft, es möge israelischen und amerikanischen Soldaten und ihren Verbündeten gelingen, ihre Feinde, den Antisemitismus und Antiamerikanismus, mit Militärgewalt zu besiegen, wird man momentan gerne auf den Machtmißbrauch der Besatzungstruppen im Irak angesprochen: "Na, hast du schon die Bilder gesehen?" Der Fragende hat sie alle gesehen, er kann kaum genug davon kriegen, was man aus dem breiten Grinsen schließen muß, mit dem er seine Frage zu untermalen pflegt. Die Grimasse bringt keinerlei Entsetzen, kein Mitleid zum Ausdruck, sondern reinste Schadenfreude, was doch insofern verwunderlich ist, als es diesmal keine gefallenen amerikanischen Soldaten sind, die sonst die Häme der Friedensbewegung inspirierten, sondern Iraker, mit deren Opferrolle man sich bis dahin identifizierte.

Wie ist diese seltsame Reaktionsweise zu erklären? Man versteht, daß jene Antiimperialisten oder Faschisten, die alle Karten auf den "Sieg im Volkskrieg" setzen, jeden Terroranschlag und jeden bewaffneten Aufstand gegen die Anti-Terror-Koalition auf ihrem Konto verbuchen, ebenso wie jeden Angriff auf das "ruhige Hinterland", das es nicht geben darf, sei es in New York, Jerusalem oder Madrid. Aber woher die Lust an der Betrachtung des Leids derjenigen, die man für die "eigenen Leute" hält?

Es kann eigentlich nur die moralische Niederlage des Gegners sein, die in diesem Fall die Befriedigung hervorruft, denn sonst ist an der Sache nichts dran, was zur Freude Anlaß gäbe. Und tatsächlich hatten die Kriegsgegner ein moralisches Problem, das ihnen einige Gewissenbisse beibrachte. Denn wenn sie gegen den Krieg waren, mußten sie den Kriegsgrund bestreiten, d.h. sie mußten die Gefährlichkeit des Terrors bestreiten, insbesondere den Antisemitismus, der Ideologie des Vernichtungswahns. Und da solche Verharmlosung seit dem 11. September 2001 nicht mehr durchzuhalten war, mußten sie den Terror entweder als Akt der Verzweiflung indirekt, oder direkt als Akt des Widerstands rechtfertigen. Und um diese Rechtfertigung zu rationalisieren, mußten sie zu den Lügen greifen, die den Gegner dämonisieren. Sie mußten Israel als "faschistisch" und "Apartheidregime", und die USA als "imperialistisch" und "Völkermordzentrale" verurteilen, um die Selbstmordattentate als Selbstverteidigung erscheinen zu lassen. Weil dabei keinem verborgen bleiben konnte, daß Jürgen Möllemann wie Horst Mahler, und daß die radikale Linke wie die Nazis redeten, hörten die Gewissenbisse nicht auf. Und in der Not schickte Allah die Bilder über den Äther, die man brauchte, um an der Niederträchtigkeit des Gegners sich selbst als Gutmenschen wieder zu entdecken.

Aber es hilft nichts. An ihrer Schadenfreude sollt ihr sie erkennen, ihre Gewaltphantasie, die sich verdruckst in ihr offenbart. Nie war Antisemitismus und Antiamerikanismus etwas anderes als die Projektion des verklemmten Sadismus des Kleinbürgers, der auf den erlösenden Befehl des Führers wartet, der dem autoritären Charakter die herrschaftskonforme Triebabfuhr gewährt.

Israelische Raketen können noch so oft das sogenannte Völkerrecht verletzen, um palästinensische Terror-Scheichs zu liquidieren, amerikanische Soldaten sich noch so oft moralisch disqualifizieren, um gegen die eigenen Kriegsziele zu verstoßen, aber nie wird Israel oder Amerika zu einem Vernichtungskrieg fähig sein, wie ihn deutsche und arabische Faschisten ersonnen und ersehnen.

Wenn jetzt erneut die perverse Demütigung von Kriegsgefangenen mit dem Massaker vom 11. September 2001 in New York, oder dem tagtäglichen Morden von Juden in Israel gleichgesetzt wird, so ist die moralische Niedertracht dort beheimatet, wo solche Gleichmacherei ersponnen wird: in den Köpfen der Islamisten und ihrer friedensbewegten und antiimperialistischen Rechtfertiger.