Kein bißchen Frieden

Wie Dialog und Versöhnung den Terror kultivieren – und dadurch Unfrieden stiften – zeigt sich auch in Mogadishu

Von Thomas Becker

2. April 2007 - Veröffentlicht in Bahamas 52/07 Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um die ursprüngliche, also nicht um die redaktionell überarbeitete und tatsächlich gedruckte Version. und auf der Website von WADI e.V.

Am Heiligabend des Jahres 2006 verkündeten die Nachrichtenagenturen die frohe Botschaft: Äthiopische Truppen waren in das benachbarte Somalia eingedrungen und auf dem Vormarsch Richtung Mogadishu, um die dort ein halbes Jahr zuvor installierte Shariakratie zu stürzen. Die von schwerer Artillerie und Kampfflugzeugen begleiteten äthiopischen Panzer, denen die Milizen der Union of Islamic Courts (UIC) nichts entgegenzusetzen hatten, brauchten nur wenige Tage, um Somalia zu durchqueren und standen am 28. Dezember vor den Toren der somalischen Hauptstadt, aus der die Gotteskrieger, die den Glauben an sich schon verloren hatten, wenige Stunden vorher geflohen waren. Die Islamisten sammelten sich in der südlich von Mogadishu gelegenen Hafenstadt Kismayo, ihrer letzten Bastion, die am Neujahrstag 2007 in die Hände Äthiopiens und der verbündeten Truppen der somalischen Übergangsregierung (TFG) fiel. Der Gottesstaat, den die UIC nach ihrem Sieg über die TFG-Truppen am 5. Juni 2006 errichtet hatte, war noch schneller verschwunden als er gekommen war.

Eine Woche später setzte ein amerikanisches Spezialkommando die von Äthiopien begonnene Operation mit der Jagd auf die geflohenen Terroristen fort. Eine Ende Februar veröffentlichte Reportage der New York Times(1), die sich auf namentlich nicht genannte Beamte des Pentagon beruft, die an den Planungen direkt beteiligt gewesen sein sollen, berichtete über die ansonsten nicht öffentlich kommentierte Arbeit dieses Kommandos, daß zwischen Addis Ababa und Washington schon während der Weihachts-Offensive der Äthiopier eine enge nachrichtendienstliche Zusammenarbeit bestanden habe. Am 6. Januar 2007 seien dann zwei amerikanische AC-130 Gunships – „Flugzeuge mit einer verheerenden Feuerkraft“ – auf einem kleinen Flugplatz im Osten Äthiopiens gelandet. An der kenyanischen Nordgrenze ging ein anderer Teil des Kommandos in Position, um mögliche Fluchtversuche der Terroristen zu vereiteln. An der somalischen Küste blockierten Kriegsschiffe der US-Navy den Fluchtweg, und in Djibouti und Qatar hielt sich ein Geschwader von F15E-Kampfflugzeugen bereit. Das Operationsgebiet war damit von allen Himmelsrichtungen her umstellt, die CIA mit den Nachrichtendiensten Äthiopiens und Kenyas kurzgeschaltet. Am 7. Januar schlugen die AC-130 in Ras Kamboni, einem Fischerdorf nahe der kenyanischen Grenze, wo sich die Zielobjekte verschanzt hatten, das erste Mal zu.

Bei dem Angriff wurden 8 Terroristen getötet und 3 verletzt. Aber das Hauptangriffsziel, Aden Hashi Ayro, war, wie man später erfuhr, nicht unter den Treffern. Der kaum 30 Jahre alte Ayro, der berüchtigtste unter den UIC-Terroristen, wurde, wie viele seiner Kampfgefährten, vor dem Sturz der Taliban 2001 in den Trainingslagern Osama Bin Ladens in Afghanistan ausgebildet. Er stand schon lange auf der Fahndungsliste. Er war, wie sein Protege, der Veteran des somalischen Islamismus und UIC-Führer Hassan Dahir Aweys, nicht nur in die simultane Bombardierung der amerikanischen Botschaften in Nairobi, Kenya, und Dar es Salaam, Tanzania, am 7. August 1998 verwickelt, durch die 257 Menschen getötet und mehr als 5000 verletzt wurden; beide werden auch im Zusammenhang mit dem Selbstmordanschlag am 28. November 2002 auf das von israelischen Urlaubern besuchte Paradise Hotel in Mombasa, Kenya, bei dem 15 Menschen starben und 40 verletzt wurden, gesucht; der Anschlag ereignete sich Minuten nach dem nur knapp mißglückten Raketenangriff auf ein Charterflugzeug mit 261 israelischen Urlaubern kurz nach dem Abheben vom Flughafen der Stadt. Diverse Terroranschläge in Äthiopien, die Ermordung prominenter Politiker und Menschenrechtler in Somalia und ähnliche Verbrechen gehen ebenso auf ihr Konto.

Längst vor dem Überleben des Angriffs vom 7. Januar war Ayro daher einer der jungen Helden des Jihad. Am 22. März wurde er von der Al Qaeda-Führung zum Statthalter der Organisation in Somalia ernannt.

In den folgenden Wochen fanden ähnliche Anti-Terroroperationen statt, über die wenige Einzelheiten bekannt wurden. Kenya hatte seine Nordgrenze zwischenzeitlich mit Panzern und Hubschraubern gesichert. Äthiopische Truppen beteiligten sich an der Jagd im Süden Somalias und töteten nach eigenen Angaben hunderte Terroristen. Am 9. Januar verstärkte die US-Navy ihre Präsenz vor der somalischen Küste mit dem Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower, der dafür zeitweise von seinem Einsatz im Arabischen Meer (Afghanistan) abgezogen wurde. Der Flugzeugträger blieb den ganzen Monat über in der Nähe, für alle Fälle, und um tägliche Aufklärungsflüge zum Nutzen der äthiopischen Truppen und des amerikanischen Anti-Terrorkommandos durchzuführen, und zog erst am 30. Januar wieder Richtung Persischer Golf ab. Zu der Zeit begann auch Äthiopien seinen geordneten Rückzug aus Mogadishu, der sich allerdings aus zwei Gründen so geordnet gestaltete, daß er sich noch im April dahinzog: Erstens kamen die multinationalen afrikanischen Truppen, die die äthiopischen ersetzen sollten, mehr als schleppend voran, und zweitens drohten die in Mogadishu zurückgebliebenen Islamisten und die mit ihnen verbündeten Clan-Milizen die Stadt zurückzuerobern, sobald Äthiopien sie sich selbst überlassen würde.

Die UIC hatte, als sie Mogadishu im Dezember aufgeben mußte, den „Invasoren“ den „heiligen Krieg“ erklärt. Das was eigentlich nichts Neues. Schon Im Juli 2006 war Äthiopien der „heilige Krieg“ erklärt worden, nachdem eine Kolonne von 100 äthiopischen Lastwagen und gepanzerten Fahrzeugen die Grenze zu Somalia überfahren hatte, um der TFG zu Hilfe zu kommen. Diese hatte sich, nachdem sie Mogadishu an die UIC verloren hatte, in Baidoa verschanzt und wurde nun von den UIC-Milizen bedrängt. Das alles war aber nicht der eigentliche Grund für die Feindschaft zwischen der UIC und der ägyptischen Regierung. Die somalischen Islamisten hegten Gebietsansprüche gegenüber Äthiopien und unterstützten deshalb die verschiedenen äthiopischen „Befreiungsbewegungen“. Die Drohungen der UIC gegen Äthiopien steigerten sich seit Sommer 2006 quasi täglich, sodaß Meles Zenawi, der äthiopische Regierungschef, bereits im Oktober zu der Erkenntnis gelangt war, daß sich Äthiopien „praktisch im Krieg“ mit der UIC befinde. Ende November kam es in der Gegend um Baidoa zu ersten Scharmützeln zwischen den UIC-Milizen und äthiopischen Truppen, und am 12. Dezember setzte die UIC Äthiopien ein Ultimatum, sich binnen einer Woche aus Somalia zurückzuziehen, und drohte andernfalls mit einem „größeren Angriff“. Das Ultimatum verstrich, ohne daß etwas geschah, vermutlich weil die UIC-Führung ahnte, daß sie bei einer direkten Konfrontation mit der äthiopischen Armee den Kürzeren ziehen würde. Stattdessen griff Äthiopien eine Woche später selbst an.

Doch diesmal war die Drohung, einen Guerillakrieg gegen die „Invasoren“ zu führen, mehr als ein leeres Versprechen. Nach ihrer Entmachtung hatte die UIC sowieso nichts mehr zu verlieren, und die Truppen der TFG und Äthiopiens schienen nicht in der Position, Mogadishu mit seinen anderthalb Millionen Einwohnern und wahrscheinlich ebenso vielen Waffen zu kontrollieren. Die Truppen hatten sich in über die Stadt verteilten Kasernen verschanzt, waren zunächst damit beschäftigt, ihre Stellung zu halten und warteten auf die von der Afrikanischen Union angekündigte Verstärkung mit 8000 Soldaten, wovon aber bis Anfang März kein einziger eintraf.

Am 4. Januar hatte Ayman al-Zawahiri die Gläubigen in aller Welt dazu aufgerufen, Somalia mit Selbstmordanschlägen und Straßenbomben in ein zweites Irak zu verwandeln. Aber auch die Terroristen und die mit ihnen verbündeten Clans mußten sich erst sammeln. Im Januar und Februar kam es nur zu einer begrenzten, aber stetig ansteigenden Zahl von Attacken gegen die Truppen.

Doch das änderte sich bald. Als am 6. März die ersten 500 der insgesamt 1500 ugandischen AU-Soldaten auf dem Flughafen in Mogadishu landeten, wurden sie gleich mit Mörsergranaten empfangen. Am 8. März meldete sich Aden Hashi Ayro erstmals wieder zu Wort, um die „Jugend Somalias“ zum Krieg gegen die „Besatzer“ anzustacheln. Einen Tag später geriet das Flurzeug, das weitere Soldaten aus Uganda brachte, kurz vor der Landung in Brand. Ob das Feuer von einer Rakete herrührte, welche eine islamistische Gruppe darauf abgeschossen haben wollte, oder wegen technischer Fehler entstand, wie ein Armeesprecher beteuerte, blieb ungeklärt. Das nächste Flugzeug, das das Equipment für die ugandischen Soldaten lieferte, wurde von einer Rakete abgeschossen.

Als Polizeikräfte der TFG am 21. März Straßensperren errichten und Hausdurchsuchungen vornahmen, um die Terroristen zu entwaffnen, eskalierten die Kämpfe abermals. Ein mit den Islamisten sympathisierender Mob steckte vier der dabei getöteten Soldaten an und schleifte sie durch die Straßen. Eine Reihe von Demonstrationen gegen die „Besatzer“ und die über die lokalen und internationalen Medien verbreiteten Meinungsbekundungen der Bürger Mogadishus hatten schon in den Wochen zuvor wenige Zweifel daran aufkommen lassen, daß die Truppen nicht nur gegen vereinzelte „Extremisten“ kämpften, sondern eine satte Mehrheit der traditionell anti-äthiopisch und anti-amerikanisch gestimmten Bevölkerung gegen sich hatten. Nicht von einem einzigen Wortbeitrag war zu hören, der nicht beteuert hätte, es sei den Leuten unter dem Sharia-Regime der UIC so gut wie noch nie gegangen in den vergangenen 15 Jahren.

Die TFG versuchte nun, mit den Wortführern des Hawiye-Clans, der in Mogadishu das Sagen hat – dem Stamm, aus dessen Reihen auch die Führer der UIC, Aden Hashi Ayro und Hassan Dahir Aweys, stammen – einen Dialog zu führen. Doch das einzige, was der Clan zu dem Dialog beizutragen hatte, war die ultimative Forderung nach einem sofortigen Abzug der „Besatzer“.

Die Kämpfe gingen unvermindert weiter. Am 28. März forderte die TFG die Bewohner des Stadtzentrums, einer Hochburg der Islamisten, dazu auf, den Bezirk vorübergehend zu verlassen. Am Morgen des 29. März drangen äthiopische Panzer, begleitet von schwerer Artillerie und Kampfhubschraubern in das Zentrum vor. Sie wurden von maskierten Milizen mit Maschinengewehrfeuer und Mörsergeschossen empfangen und schossen mit Raketen aus den Hubschraubern zurück. Ein Hubschrauber wurde durch eine Luftabwehrrakete abgeschossen. Ähnliche Kämpfe tobten in anderen Stadtteilen. Wieder wurden getötete Soldaten in Brand gesteckt und durch die Straßen geschleift. Die Opferzahlen wurden bald dreistellig und die Zahl der aus Mogadishu Geflohenen war bis Ende März auf 60000 angestiegen. Doch obwohl Augenzeugen hauptsächlich von Wohn- und Krankenhäusern berichteten, die von Mörsergranaten – die „Artillerie“ der Islamisten und Clan-Milizen – getroffen wurden, kritisierte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nur die äthiopischen Truppen und meinte, „Frieden“ in Somalia könne nur durch einen „umfassenden Dialog“ und eine „nationale Versöhnung“ erreicht werden.

Die Lektion

Man wundert sich nur, daß nach dem ganzen Gerede von „Dialog“ und „Versöhnung“, mit dem Somalia schon so lange in einem Ausmaß überschwemmt wird, das nur noch mit der Flut von choleraverseuchtem Wasser, Kalaschnikovs und islamistischer Ideologie vergleichbar ist, die das Land in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten heimgesucht hat, noch immer kein bißchen Frieden dort eingekehrt ist. Man muß sich wohl einmal mit dem Phänomen beschäftigen, daß bisher weder der Krieg gegen noch der Dialog mit dem Terror ein friedliches Miteinander der Somalis zu erzwingen imstande war. Ist Somalia vielleicht noch nicht reif dafür? Und soll man Somalia deswegen sich selbst überlassen? Sämtliche Appelle zu „Dialog“ und „Versöhnung“ beinhalten ja letztlich nichts anderes als das – wir mischen uns nicht ein, setzt euch an einen runden Tisch und kommt alleine damit klar. Doch was dabei herauskommt, wenn man Somalia sich selbst überläßt, ist auch schon bekannt: man überläßt es dem Terror des Islam.

Für eine solche Prognose braucht man wahrlich keine Wahrsagerei. Die Terroristen finden in Somalia so günstige Bedingungen vor, daß sie den Sieg über die konkurrierenden Milizen nur noch dann verfehlen könnten, wenn sie aus freien Stücken darauf verzichten würden.

Was braucht ein Islamist schon, um Erfolg zu haben? Die Unterstützung der Bevölkerung, der Massen, und zwar nicht nur deshalb, weil die Milizen, die den Sieg davontragen sollen, ein Umfeld benötigen, in dem sie sich – frei nach Mao – wie die „Fische im Wasser“ bewegen können. Die Massen sind zudem das Reservoir, aus dem der „heilige Krieg“ seinen unerschöpflichen Nachschub an jungen Märtyrern schöpft. Um die Jugend auf ihre Mission abzurichten, braucht man eine mentale Infrastruktur, Koranschulen und Moscheen, wo der Jihad gelehrt wird. Es Bedarf einer Ökonomie, welche die Waffen des Geistes und des Krieges finanziert; wenn dafür weder Öl noch Opium zur Verfügung steht, wie in Somalia, tun es auch strenggläubige Unternehmer und großzügige Spender aus dem In- und Ausland. Unverzichtbar ist neben dem heimischen, ein internationales Umfeld, das die Kanäle zu den grenzüberschreitenden Waffen- und Finanzmärkten öffnet, das v.a. den Flair des Weltkrieges, des „letzten Gefechts“ verbreitet. Der Islam bietet all das, und im subsaharischen Somalia, wo sonst nicht viel wächst, ist es das einzige, das, wenn man nicht gut aufpaßt, ungestüm seine Blühten treibt.

Daß die Bürger Mogadishus schon bald friedlich zusammenleben werden, dafür besteht deshalb wenig Hoffnung. Nur diejenigen, die argumentieren, egal was man vom islamischen Terror auch halte, die Sharia habe den Somalis doch wenigstens ein bißchen Frieden gebracht – man müsse deshalb, um der Menschen willen, das Gespräch mit den Islamisten suchen – deren Irrtum ist jetzt offenbar. Haben die Menschen jetzt etwa ihren Frieden? Anscheinend nicht. Das Rote Kreuz jedenfalls sprach bereist Ende März von den „schlimmsten Kämpfen seit mehr als 15 Jahren“(2). Daß diese Lektion verstanden wurde, auch dafür gibt es keine Anzeichen. Und daß sie auch jenen Somalis nicht erspart bleibt, von denen man sagen könnte, daß sie doch beileibe schon genug gelitten hätten, ist irgendwie gemein. Vielleicht wird sich daran einmal etwas ändern, wenn die Bürger Mogadischus eines Tages nicht mehr gegen, sondern für die „Besatzer“ auf den Straßen demonstrieren. Viel angenehmer klingt sicherlich das ewige Gesäusel von „Dialog“ und „Versöhnung“, aber auch nur deshalb, weil noch niemand, der so spricht, für sein verantwortungsloses Geschwätz zur Verantwortung gezogen wurde. Die Gemeinheit aber liegt hier nicht im Subjekt, das sie ausspricht, sondern in der Sache, und das zu ignorieren ist die Sache von Ideologen, die sie schön- und um sie herumreden, anstatt an ihr selbst etwas zu ändern.

Die Kunst der Verharmlosung

Ein schönes Beispiel dafür, wie man das Problem beim Namen nennen und doch darum herumreden kann, liefert ein Report der International Crisis Group (ICG), der am 12. Dezember 2005 unter dem Titel „Somalia’s Islamists“ veröffentlicht wurde.(3) Die ICG ist ein Think Tank, dessen Analysen eine gewisse Beachtung in den internationalen Medien wie bei Politikern der sogenannten internationalen Gemeinschaft finden. Besonders ihre Afrika-Reports werden als federführend gehandelt.

Der ICG-Report über Somalias Islamisten zeichnet sich durch eine selten geglückte Kombination von Übersicht und Detailreichtum aus, und offenbart zugleich eine bei Politikberatern und Experten weit weniger selten anzutreffende Augenkrankheit, die sich durch das Symptom bemerkbar macht, daß man vor lauter Bäumen keinen Wald mehr sieht. Die Kranken verfügen über eine kaum noch zu überbietende Fülle von Informationen über Ereignisse, Namen und Zahlen, sind aber unfähig, zum Schluß Eins und Eins zusammenzuzählen. Die Ursache dieser Krankheit ist, auch bei der ICG, die Ideologie des „Dialogs“ und der „Versöhnung“.

Der ICG-Report beginnt sachlich, indem er beschreibt, wie der von den Schriften der Muslimbrüder inspirierte revolutionäre Islam bald nach der staatlichen Unabhängigkeit (1960) in Somalia Fuß faßte. Es entstanden zahlreiche Zirkel und Gruppen, die dann jedoch, als sie in die Öffentlichkeit drängten und ihre Anhängerschaft anwuchs, ab Mitte der 1970er Jahre, unter dem „wissenschaftlichen Sozialismus“ Siad Barres, dem die religiösen Umtriebe gefährlich erschienen, unterdrückt und in den Untergrund oder die Diaspora gedrängt wurden.

Als das Barre-Regime Anfang der 1980er Jahre zu schwächeln begann, gewannen die Islamisten wieder an Boden. Noch im Untergrund wurde die Al-Itihaad Al-Islaami (AIAI) gegründet, die nach dem Sturz Barres 1991 das Zentrum des somalischen Islamismus bildete. Ab 1991 kehrte auch die islamistische Diaspora, die wahhabistisch Geschulten aus Saudi Arabien und die im Kampf gegen die Sowjetunion gestählten Krieger aus Afghanistan zurück. Die AIAI baute sich eine Miliz auf und stürzte sich damit in den Bürgerkrieg, der fortan den Ruf Somalias prägte, und wie Anfang der 1970er Jahre formierte sich aus einer Unzahl von Gruppen, Koranschulen, Moscheen, islamischen Unternehmen und Sharia-Gerichten eine islamistische Bewegung, die das geistige, ökonomische und politische Leben der somalischen Gesellschaft mehr und mehr bestimmte.

Die ICG bringt nun folgendes Kunststück zustande. Sie verdeutlicht einerseits, wie diese Vielzahl unterschiedlicher Gruppen, obwohl über manche Belanglosigkeit uneins, doch durch eine gemeinsame Ideologie verbunden waren. Sie richteten sich alle nach den selben geistigen Bezugsgrößen aus – „Mohamed Ibn Abd al-Wahhab, Hassan al-Banna, and Sayyid Qutb“. Zur Untermauerung dieser Beurteilung der Gruppenvielfalt als Bewegung zitiert die ICG den französischen Wissenschaftler Roland Marchal: „Deshalb gibt es keine klaren ideologischen Grenzen zwischen ihnen, und die Sympathisanten mögen von einer zur anderen Gruppe hin und her wechseln“. Die große Anzahl der Gruppen erkläre sich teils durch „die vielen Differenzen, die sie bezüglich banaler Dinge wie Waschungen, Hochzeitsalter u.ä. haben. Anlaß zum Streit waren eher Rituale als die Ideologie“.

Der ICG-Report stimmt dem ausdrücklich zu. Doch das Executive Summay desselben Reports negiert diese Einsicht wieder: „Das Anwachsen der Courts, Wohlfahrtsorganisationen und Unternehmen mit offensichtlich islamistischem Charakter hat in manchen Kreisen Befürchtungen über eine Verschwörung hervorgerufen, die darauf abziele, Somalia in einen islamischen Staat zu verwandeln. Aber in der Realität sind die islamistischen Aktivisten eine verstreute Gemeinschaft, charakterisiert durch Konkurrenz und Widersprüche, was eine großangelegte Konspiration unplausibel erscheinen läßt“.

Beachtlich ist nicht zuletzt das Datum, an dem dieses Summary verfaßt wurde: 5 Jahre nachdem sich die Courts, die ursprünglich scheinbar mit dem jeweiligen Einzelinteresse eines bestimmten Clans verbunden waren, zur UIC zusammengeschlossen und dadurch demonstriert hatten, daß der revolutionäre Islam tatsächlich die einzige clanübergreifende und die Bevölkerung einende Ideologie darstellte, die in Somalia existierte. Hatte die ICG davon nichts mitbekommen? Sie hatte. Und sie hatte, immer wieder in ihren Afrika-Reports, ausführlich beschrieben, daß es überhaupt nicht irgendwelche Clans waren, welche die Court-Bewegung seit Mitte der 1990er Jahre anführten und die Verbindungen zum internationalen islamischen Terrororismus herstellten, sondern „leading members of the powerful Habar Gidir Ayr Clan“, ein Sub-Clan des Hawiye-Stamms. Nur 2 Monate nachdem die ICG dieses Summery zu Papier gebracht hatte, im Februar 2006, starteten die UIC-Milizen ihre Offensive gegen die TFG; 4 weitere Monate später eroberten sie Magadishu und machten sich unverzüglich daran, genau das zu tun, was die ICG eben noch als „unplausibel“ abgetan hatte: „Somalia in einen islamischen Staat zu verwandeln“.

Das Abtun als Verschwörungstheorie ist aber nur eine Methode, die der ICG dabei hilft, sich gegen ihre eigenen Kenntnisse dumm zu stellen. Eine andere ist es, alle Indizien, die ihrer Ideologie des „Dialogs“ und der „Versöhnung“ widersprechen könnten, als Einzelfälle darzustellen, als das Werk einer kleinen Minderheit von „Extremisten“, die nicht repräsentativ für den Mainstream seien.

Mit dem „Extremisten“-Argument bezweifelt die ICG z.B. das Ausmaß, in dem Somalias Islamisten mit dem internationalen islamischen Terrorismus in Verbindung stehen – wieder wider besseres Wissen, denn die Tatsachen selbst sind es nicht, die unterschlagen werden. Der Report zitiert Roland Jacquard, den Terror-Experten der Vereinten Nationen – eine Institution, die bekanntlich nicht für ihre Polemik gegen den Islam in Verruf steht. Jacquard äußerte sich zu der Organisation Tablighi, die bei der ICG als „Sekte“ mit rein „missionarischem“ Anspruch ohne politische Ambitionen durchgeht. Jacquard sagt über die „Sekte“, sie sei in die „Rekrutierung von Jihadisten“ verwickelt, arrangiere deren „Reisen in Kriegsgebiete“ und rufe „routinemäßig zur Unterstützung von Osama bin Laden auf“. Ein Tablighi-Büro in Baku, Azerbaijan, z.B. werde von einem Somali geleitet; er habe somalischen Mujaheddin dabei geholfen, auf der Seite der tschetschenischen Gotteskrieger gegen Rußland zu kämpfen. Der „amerikanische Taliban“, John Walker Lindh, sei ebenfalls von der Tablighi rekrutiert worden, bevor er zum Kämpfen nach Afghanistan ging. Die ICG macht aus dieser aktiven Rolle, die die Tablighi im Terrorkrieg spielt, ohne die Beschuldigungen Jacquards zu bestreiten, eine passive: Es sei „möglich“, daß „extremistische Gruppen Tablighi infiltrieren und als Cover für ihre Reisen und Kontakte benutzen“ – sie wollte sagen: mißbrauchen.

Genausowenig paßt es den ICG-Ideologen, wenn die Sharia-Courts als islamistisch beurteilt werden, denn sie sollen ja in den Prozeß der „nationalen Versöhnung“ eingebunden werden; aber, „nevertheless“, die „Courts boten eine Plattform, auf welcher islamisctische Gruppen sich zu verbreiten verstanden“. Dabei beschreibt der ICG-Report selbst, nur an anderer Stelle, daß es genau umgekehrt war. Der erste Court in Mogadishu wurde 1993 von Mitgliedern der AIAI gegründet, der Organisation, die den islamischen Terrorismus in Somalia begründete und deren Mitglieder bei der Machtübernahme 2006 die komplette Führungsriege der UIC stellten. Hassan Dahir Aweys, der damalige Führer der AIAI-Milizen und Mitglied des Habar Gidir Ayr Clans, gründete 1998 den berüchtigtsten Court mit der mächtigsten Miliz in Mogsdishu, den Court Ifka Halane, dessen Milizen später Aden Hashi Ayro kommandierte. Die ICG selbst schreibt dazu wörtlich: „Ayros Ernennung zum Kommandeur der Ifka Halane-Milizen stellt eine beunruhigende Verbindung her zwischen den jihadistischen Islamisten, dem Court-System und der früheren, durch Aweys repräsentierten Al-Itihaad Bewegung“. Beunruhigend auch, wie wenig man nachher von den eigenen Einsichten wissen will.

Wenn auch das „Extremisten“-Argument nicht mehr greift, steht noch eine andere Methode der Verharmlosung zur Verfügung: Es kann ja sein, daß jemand extreme Positionen vertritt, aber es gar nicht so meint?

So muß es sich wohl bei den islamischen Wohlfahrtsverbänden verhalten, die seit 1991 das gesamte Bildungs- und Gesundheitssystem Somalias okkupierten. Daß mindestens die Hälfte dieser Verbände auf den amerikanischen Listen der Terror-Financiers stehen – während der Rest es nur deshalb noch nicht dahin gebracht hat, weil auch den US-Beamten der Sinn für die ideologischen Zusammenhänge abgeht – das heißt, laut ICG, noch gar nichts. Diese Verbände haben halt viel Geld und kümmern sich, wie ihre Kollegen von Hamas und Hizbullah, nur deshalb um die Kinder, Armen und Kranken, weil ihr religiöses Gewissen sie dazu ermahnt: „Die Expansion islamischer Wohlfahrtsverbände ist in erster Linie eine Reaktion auf die Not und das Vorhandensein der Finanzmittel. Die meisten islamischen NGOs bekennen sich dazu, daß ihr Glaube einen Ausweg aus der Krise bietet, die ihr Land seit 15 Jahren heimsucht, und verstehen ihre Tätigkeit in diesem Kontext. Die islamische Wohltätigkeit ist nicht notwendig ein Anzeichen für das Anwachsen des Radikalismus, noch ist sie an sich anti-westlich; im Gegenteil, die Bemühungen der islamischen NGOs sind eine pragmatische Antwort auf eine Krise, bei der jede Hilfe willkommen ist“.

Nicht anders wird es in der Geschäftswelt Somalias zugehen, die, laut ICG, zu rund 80% von einheimischen oder ausländischen Islamisten beherrscht wird: „Die Anschuldigungen beziehen sich typischerweise auf den Einfluß von Schlüsselpersonen oder Unternehmen des privaten Sektors in der Nachkriegszeit (gemeint ist die Zeit nach dem „Sozialismus“ Barres, also nach 1991). Mitglieder des Al-Itihaad waren besonders gut plaziert, um für sich Vorteile aus den Möglichkeiten zur Selbstbereicherung zu ziehen, weil die Organisation schon zuvor eine entscheidende Rolle als Empfänger und Verteiler der von islamischen Wohlfahrtsverbänden aus Übersee bereitgestellten Finanzmittel spielte. Eine Reihe prominenter Al-Itihaad-Leute taten sich später als führende Kaufleute und Unternehmer hervor. In Bosaaso z.B. überlebte ein Militanter 1992 die Schlacht zwischen Al-Itihaad und der SSDF (eine frühere Miliz des Darood-Clans) und gründete danach eines der größten Geldtransfergeschäfte Somalias; als seinen Repräsentanten in Nairobi ernannte er den ehemaligen Al-Itihaad-Sprecher in London, Mohamed Sheikh Osman. Andere bedeutende Islamisten erlangten ebenfalls eine Führungsrolle im Business. Abukar Omar Adani z.B., eine zentrale Figur des Konsortiums, das Mogadishus Eel Maan Haven kontrolliert, ist bekannt für seine radikalen Ansichten, seine Unterstützung militanter Unternehmungen und seine Freundschaft mit Hassan Dahir Aweys“.

Aber für die ICG heißt das noch garnichts, denn: „Die religiösen Ansichten einiger führender Geschäftsleute, however, haben nichts mit einer islamistischen Konspiration zu tun“. Alles wieder nur Verschwörungstheorie. Oder, noch schöner: „Islamisten mögen der Ansicht sein, das Geschäft könne die islamische Sache voranbringen; viele somalische Unternehmer aber, however, glauben einfach, daß der Islam gut für das Geschäft ist“.

Die internationale Dimension

Der Übergang vom „kalten“ zum „heiligen Krieg“ war bekanntlich nicht auf Somalia beschränkt. Im folgenden soll noch kurz ein Schlaglicht darauf geworfen werden, welche Position der somalische Islamismus im Kontext des internationalen islamischen Terrorismus einnimmt, und zwar anhand konkreter Beispiele der Waffenbruderschaft mit anderen terroristischen Organisationen oder wohlmeinenden Staaten. Die Beispiele sind einem Bericht der Monitoring Group on Somalia entnommen, der am 22. November 2006 dem UN-Sicherheitsrat überreicht wurde.(4) Die Monitoring Group berichtet halbjährlich, sämtliche Beispiele beziehen sich daher nur auf den Zeitraum zwischen April und Oktober 2006. Die folgenden sind nur eine kleine Auswahl aus denen, von denen die Monitoring Group überhaupt Wind bekommen hat; ohne analytischen Anspruch sollen sie nur die Dimensionen andeuten.

Ägypten – Am 26. Juli treffen sich in Mogadishu Repräsentanten der UIC mit hochrangigen Militärs aus Libyen, Ägypten und Eritrea in der Residenz des Finanzchefs der UIC, Abukar Omar Adani. Es wird vereinbart, 3800 UIC-Milizen in einem Militärlager nördlich von Mogadishu durch Ausbilder aus Ägypten und Eritrea zu trainieren; die Kosten übernimmt die libysche Regierung. Am 23. August beginnt das Training mit den ersten 600 Rekruten.

Djibouti – Am 30. Juli landet ein Flugzeug der Djibouti Airline mit Uniformen und Medizin für die UIC in Mogadishu. Der wahre Adressat wurde verheimlicht, die Lieferung als eine des Roten Kreuzes vorgetäuscht.

Eritrea – versorgt die UIC allein in der Zeit zwischen Ende April bis August mit mindestens 28 separaten Lieferungen mit Waffen, Munition, Training und Truppen. Hier nur ein paar Beispiele. Am 6. Mai 2006 landet eine mit Flugabwehrgeschützen beladene Antonov Militärmaschine aus Eritrea in Somalia, wo sie bereits von 75 UIC-Milizen erwartet wird, die die Waffen auf 7 schwere Lastwagen umluden und abtransportierten. Am 9. Mai legt ein Schiff aus Eritrea am somalischen Hafen El Ahmed an; an Bord hat es, außer weitere Flugabwehrgeschütze, Terroristen aus Pakistan und von der Oromo Liberation Front, einer Miliz von Islamisten und Separatisten in Äthiopien. Die Waffen werden abgeladen, dann fährt das Schiff mit den Pakistanis und Äthiopiern an Bord weiter südlich an die Küste der Region Raskiambooni, wo sich ein spezielles Camp und Trainingslager für Terroristen aus dem Ausland befindet. Mitte Juni landen 4 Transportflugzeuge aus Eritrea mit Kalashnikovs, Maschinengewehren, Munition und Uniformen für die Milizen der Hizbul Shabaab, der „Jugendbewegung“ der UIC, in Somalia. Ein weiteres Schiff bringt eine Woche später Panzerabwehrraketen, Minen, Handgranaten, Munition, leichtere Waffen, Uniformen und Medizin. Ein weiteres Schiff hat u.a. die Mörser an Bord, wie sie später in Mogadishu gegen äthiopische und TFG-Truppen zum Einsatz kommen. Am 4. Juli landen 4 Flugzeuge in Mogadishu, von denen 2 Waffen transportieren, die anderen 2 eritreische Soldaten und Terroristen aus Äthiopien, diesmal von der Ogaden National Liberation Front; die Waffen werden abgeladen, das Personal in ein Camp weiter südlich transportiert, wo die UIC ein 2. Hauptquartier und ein weiteres Trainingslager für ausländische Terroristen aufbaut. Der Truppentransport wird von Abukar Omar Adani koordiniert, dem Geschäftsmann und Finanzchef der UIC, der uns zwischenzeitlich schon öfter begegnet ist. Am 15. Juli fliegt Yusuf Negash Warque, Oberst der eritreischen Armee nach Mogadishu, um sich mit dem UIC-Führer Sheikh Hassan Dahir Aweys zu treffen. Man könnte so fortfahren, doch es dürfte mittlerweile klar geworden sein, welche Rolle Eritrea für die UIC spielte.

Iran – Am 25. Juli liefert ein Transportflugzeug aus Iran Maschinengewehre, Granatwerfer, Flugabwehrraketen, Minen, Munition und Uniformen an die UIC. Zwei Iraner verhandeln in Somalia mit der UIC über den Austausch von Uran gegen Waffen. Am 14. August liefert ein iranisches Transportflugzeug Waffen und nimmt 40 UIC-Kämpfer mit nach Iran, wo sie medizinisch behandelt werden; sie waren kurz zuvor in Libanon verwundet worden, wo sie an der Seite der Hizbullah gegen Israel gekämpft hatten. Am 17. August brachte ein iranisches Schiff Nahrungsmittel, Medizin, Flugabwehrraketen, Raketenwerfer und Munition für die UIC.

Hizbullah – Ende Juli sendet die UIC 720 ihrer Kämpfer nach Libanon in den Krieg gegen Israel; es handelt sich dabei um handverlesene Milizen mit ausgiebiger Kriegserfahrung. Nur 80 dieser Kämpfer, die Hälfte davon Verwundete, kehrt schon Mitte August nach Somalia zurück, während die Mehrzahl in Libanon verweilt, um militärisches Training von der Hizbullah zu empfangen. Die Familien dieser Kämpfer erhalten zunächst je 2000 Dollar. Für den Fall, daß einer von ihnen umkommt, wird ihnen 30000 Dollar versprochen. Nach der Rückkehr erhält jeder ein „Heldengeld“ von 100 Dollar monatlich auf unbestimmte Zeit. Finanziert wird die ganze Aktion von einer Rehe nicht namentlich aufgeführter „unterstützender Staaten“.

Libyen - liefert u.a. Militärflugzeuge an die UIC.

Saudi Arabien – unterstützt die UIC v.a. logistisch und finanziell.

Syrien – trainierte die UIC-Milizen im Guerillakrieg und liefert Waffen und Munition.

Wollte man Somalia mit „Dialog“ und „Versöhnung“ befrieden, hätte man jedenfalls jede Menge zu tun.

(1) U.S. Used Base in Ethiopia to Hunt Al Qaeda, New York Times, 23. Februar 2007, http://www.nytimes.com/2007/02/23/world/africa/23somalia.html?ex=1175227200&en=bed6876526aa8a28&ei=5070
(2) Somalia battles called worst in 15 years, AP, 30. März 2007, http://news.yahoo.com/s/ap/20070330/ap_on_re_af/somalia_20
(3) Somalia’s Islamists, Africa Report No 100, 12. Dezember 2005, http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=3830&l=1
(4) Report of the Monitoring Group on Somalia pursuant to Security Council resolution 1676 (2006), 22. November 2006, http://daccessdds.un.org/doc/UNDOC/GEN/N06/627/40/PDF/N0662740.pdf?OpenElement