Krieg und Nationbuilding in Afghanistan
Und was der deutsche ISAF-Beitrag nicht dazu beiträgt
Von Thomas Becker
30. Oktober 2006 - Veröffentlicht in Bahamas 51/06 ![]()
"Seien Sie wachsam und vorsichtig. Haben Sie ein Auge auf Pakistan. Und trauen Sie der lokalen Bevölkerung nie."(1)
Ein Rat für die ISAF-Soldaten, von Senior Sgt. Sergei Kirjushin, der Ende der 1980er Jahre 18 Monate in einer Eliteeinheit der Roten Armee in Afghanistan kämpfte
Der Fürspruch "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun" stammt mutmaßlich aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung, aus einer Zeit, als die amerikanische Central Intelligence Agency noch damit beschäftigt war, den "kalten Krieg" mit heißen Affären zwischen Iran und Contra und einem Stellvertreterkrieg in Afghanistan zu gewinnen. Dabei kann der Spruch nicht wörtlich gemeint gewesen sein; es klang eher wie eine Beschwörung, die den Glauben an sich schon verloren hatte: Wenn sie es nur gewußt hätten... Ein frommer, sprich: jenseitiger Wunsch. Denn sie wußten natürlich nur zu gut, was sie taten, als sie sich mit dem Teheraner Teufel einließen, um Nicaragua den sandinistischen Belzebub auszutreiben, und als sie den muslimischen Milizen, die am Hindu Kusch gegen den Kommunismus kämpften, 3 Milliarden Dollar und Waffen genau solcher Bauart und Menge anboten, die gebraucht wurden, um die innen- und außenpolitische Krise, in der sich die gegnerische Supermacht damals befand, mit einem verlustreichen Besatzungskrieg, den sie am Ende verlieren würde, aktiv zu befördern. Und mit den Stinger-Raketen, die die CIA beschaffte, um die Luftüberlegenheit der Roten Armee zu durchkreuzen, funktionierte der Plan auch ganz einwandfrei.
Der Teil des Coups war ziemlich gut durchdacht, die Rechnung ging auf, und zu vergeben wäre dabei nichts. Aber wußten sie auch, was es genau bedeutete, daß die Söldner, die sie zu diesem bestimmten Zweck angeheuert hatten, sich Mujaheddin nannten? Das hieß, daß sie den "kalten", demgegenüber sie unparteiisch waren, nur als Teil des "heiligen" Krieges verstanden, und das hieß, daß ihr Krieg nicht zuende sein würde, nachdem sie einer der beiden Supermächte eine Lektion erteilt hatten. Aus ihrem Blickwinkel sah die kommunistische Partei nicht materialistischer aus als Hollywood, und daß sie überhaupt die Hilfe des "großen Satan" annahmen, bewies nur, daß auch sie kein religiöser Skrupel davon abhalten konnte, die erhaltenen Mittel mit dem verfolgten Zweck zu heiligen.
Hätte ein CIA-Analytiker das wissen müssen, oder wenigstens Zbigniew Brzezinski, der sich später rühmte, sich das alles ausgedacht zu haben? Oder sein damaliger Boss, der demokratische Präsident Jimi Carter, der mit seinen Büchern über Israel und die Palästinenser noch heute damit prahlt, daß er davon nicht die geringste Ahnung hat? Sollten solche Strategen gewußt haben, was zu jener Zeit selbst einem in dieser Disziplin möglicherweise besser ausgebildeten Ideologiekritiker nicht leicht gefallen wäre abzuschätzen: daß hier, in Afghanistan, bald der "kalte" in den "heiligen", und dann in den Krieg gegen den internationalen islamischen Terrorismus umschlagen würde?
Seit 5 Jahren jedenfalls weiß es jeder Erdenbürger mit oder ohne Internetanschluß. Mit dem Afghanistan-Coup beförderte die CIA nicht nur den Ruin der Sowjetunion, die 1989 geschlagen aus Kabul abzog und bald darauf aufhörte zu existieren. Aus dem Bürger-, Stammes- und Sektenkrieg, der nach dem Ende des "kalten" in Afghanistan losbrach, quoll 1994 die Taliban als Abfallprodukt hervor, eroberte 1996 Kabul und errichtete einen Gottes- und Terrorstaat, wie ihn die Welt seit der Steinzeit nicht mehr zu sehen bekommen hatte. Die Spätfolgen des Afghanistan-Coups der CIA waren, daß hier, statt des Kommunismus, nun gottverlassene Koranausleger das Leben bestimmten und Afghanistan ein Freilandgefängnis für Frauen und die Festung Al Qaidas wurde. Afghanistan war aufgestiegen zum Mekka für islamische Terroristen aus aller Welt.
Viele der großen und kleinen Freiheitskämpfer, die früher bei der CIA unter Vertrag gestanden hatten, fanden sich später in den Reihen von Taliban und Al Qaeda wieder. Einer der größeren, der einen Löwenanteil der CIA-Gelder bekommen hatte, war Gulbuddin Hekmatyar. Er kämpfte früher gegen den russischen, später gegen den amerikanischen Unhold, der in sein Land eingedrungen war. Der Warlord Gulbuddin Hekmatyar und seine Islamische Partei (Hezb e Islami) wurden Verbündete der Taliban. Ein anderer hieß Osama bin Laden. In dessen Ausbildungslagern versammelte sich über ein Jahrzehnt hinweg der ganze mordlustige islamische Abschaum von überall her, um sich für den Jihad zu rüsten. Während der ersten Hälfte der 1990er Jahre trainierten hier die in Bosnien operierenden Todesschwadronen des Islam auf Kosten saudischer Könige oder iranischer Ayatollahs. Die USA intervenierten 1995 (noch einmal) zu ihren Gunsten gegen das (von Rußland favorisierte) Serbien. Mitte der 1990er kamen die tschetschenischen Terrorkommandos, Frauen und Männer, um zu lernen, wie man große Menschenmengen in Hospitälern und Theaterhäusern überwältigt und Schulkindern in den Rücken schießt. Es ging (wieder) gegen Rußland. Dann trafen die Leute von Hamas und Hizbullah ein, um sich auf das letzte Gefecht mit Israel vorzubereiten, und schließlich die Gotteskrieger von Al Qaeda, um von hier aus einen Weltkrieg gegen Juden und Kreuzzügler zu führen. Darunter der Hamburger Mohammed Atta und seine Mörderbande. Als das Jahrzehnt zuende war, hatten sie endlich Amerika selbst im Visier.
Enduring Freedom - Krieg gegen Taliban und Al Qaeda
Anfang Oktober 2006, quasi zum Jubiläum, gelangte ein Video in die Hände der Medien, das die Komplizen Mohammed Atta und Ziad Jarrah bei offensichtlich ausgezeichneter Laune im Hauptquartier Osama bin Ladens in Kandahar zu einem Zeitpunkt zeigte, an dem der Aufenthaltsort des kurz vorher aus Hamburg verschwundenen Atta bis dahin nicht bekannt war. Die Aufnahmen waren vom 18. Januar 2000. Man wußte nur, daß ihm zu diesem Zeitpunkt das operative Kommando für die Anschläge in Amerika übertragen wurde, wo er anderthalb Jahre später selbst ein vollbesetztes und vollgetanktes Passagierflugzeug in einen der Zwillingstürme des World Trade Centers steuern würde. Die Bilder von den "laughing 9-11 bombers"(2) erinnerten zur rechten Zeit daran, warum der Krieg gegen den internationalen islamischen Terrorismus vor 5 Jahren in Afghanistan beginnen mußte.
Am Sonntagnachmittag des 7. Oktober 2001, knapp 4 Wochen nach 9/11, nahmen amerikanische, unterstützt v.a. von britischen Streitkräften Stellungen von Taliban und Al Qaeda zuerst in Kabul, dann in Kandahar, Jalalabad und Mazar e Sharif unter Beschuß. Sie griffen mit von U-Booten im Arabischen Meer abgefeuerten Tomahawk Cruise Missiles und einem alliierten Bombergeschwader aus der Luft an, während die Nordallianz, mit russischen Panzern bewaffnet und von amerikanischen Generälen manövriert, die Bodenoffensive vorbereitete. Die koordinierte Militäroperation erzielte schnelle Fortschritte, vom Norden ausgehend Richtung Süden verloren Taliban und Al Qaeda eine Stadt nach der anderen, und schon einen Monat nach Kriegsbeginn, am 13. November 2001, fiel Kabul in die Hände der Angreifer. CNN verbreitete tags darauf die Botschaft mit der damals noch fast unglaublich klingenden Schlagzeile: "Music plays again in Kabul".(3)
Der Krieg gegen den internationalen islamischen Terrorismus begann mit der Demonstration uneingeschränkter militärischer Überlegenheit seitens der angreifenden, ebenfalls internationalen Koalition unter Führung der USA. Aber wie am 9. April 2003 in Baghdad, dem späteren irakischen Befreiungstag, war am 13. November 2001 in Kabul der Krieg noch nicht zuende. Nach ihrer Vertreibung aus Kabul und den Städten im Norden Afghanistans verschanzten sich Taliban und Al Qaeda in ihren Bunkern in den Bergen und Höhlen im Süden und Osten des Landes. Mullah Mohammed Omar und Osama bin Laden hatten sich nach Pakistan verzogen und riefen ihr Gefolge von dort aus im Chor zum Jihad gegen die ungläubigen Eindringlinge auf.
Enduring Freedom, der neue Afghanistan-Coup Amerikas, konnte, wie der Irakkrieg und der Krieg gegen den internationalen islamischen Terrorismus insgesamt, nicht mit dem Sturz des Regimes allein gewonnen werden. Ein Regimewechsel mußte dazukommen, um die Rückkehr der alten Mächte zu verhindern und den gegnerischen gesellschaftlichen Kräften einen Aktionsraum zu verschaffen. Von den Befreiern Afghanistans mußte diesmal also verlangt werden, daß es ihnen gelänge, auf ihren militärischen Siegen aufbauend einen Staat zu errichten, der seinen Bürgern, wie der Name der Mission schon andeutete, die einfachsten bürgerlichen Freiheiten garantieren könnte, indem er sie vor der Taliban, den Warlords, Terroristen, Stammesoberen, der Sharia usw. beschützte. Das dann zwar teils gegen den Willen einer unbekannten, aber wohl nicht unerheblichen Anzahl afghanischer Männer, die den Herrenkult der Taliban genossen hatten; dafür aber gewiß im Interesse ihrer Töchter.
9/11 hatte Amerika in einen Krieg verwickelt, der ohne gleichzeitiges Nationbuilding nicht zu gewinnen sein würde. Afghanistan wurde zum ersten Testfall für diese Doppelstrategie. Der Unterschied zwischen dem 1. und dem 2. Afghanistan-Coup, der Übergang vom "kalten" zum "heiligen" Krieg, ließe sich so auf den einfachen Nenner bringen: Wurde zuerst das kleinere mit dem größeren Übel ausgetrieben, war es seit 9/11 gerade umgekehrt: lieber eine Islamische Republik Afghanistan als Taliban und Al Qaeda. Das bedeutete nicht unbedingt, daß die Zivilisierung Afghanistans das ursprüngliche Motiv der Mission gewesen wäre; es bedeutete bloß, daß der Krieg ohne ein gewisses Maß an solchem zivilisatorischen Fortschritt schlicht nicht zu gewinnen war.
Den Koalitionstruppen stellten sich damit zunächst 2 Aufgaben: 1. mußte der bereits eroberte Norden abgesichert und dort mit dem Wiederaufbau und Nationbuilding begonnen werden, während 2. in den anderen Teilen Afghanistans im Westen, Süden und Osten der Krieg gegen Taliban und Al Qaeda noch zu gewinnen war.
ISAF - Nationbuilding
Die doppelte Mission von Krieg und Nationbuilding führte unmittelbar zur institutionellen Spaltung der Afghanistan-Mission, worauf v.a. die damalige deutsche Regierung Wert legte, die nach Kosovo nie wieder einen Krieg zu wollen schien, auf keinen Fall aber einen gegen Muslime. Die Arbeitsteilung, falls das eine Arbeitsteilung gewesen sein sollte, sah so aus, daß die von den USA geführten OEF-Truppen mit dem Kriegführen im Süden und Osten Afghanistans betraut wurden, während der Wiederaufbau im Norden unter deutscher Verantwortung beginnen sollte. So kamen im Januar 2002, nach der Petersberger Konferenz, wo sich die afghanischen Parteien unter der Obhut der sogenannten internationalen Gemeinschaft (und Joschka Fischers) auf die künftige Verfassung Afghanistans geeinigt hatten, die ersten ISAF-Truppen nach Kabul, um von dort aus, nach und nach, die übrigen, vorher von den OEF-Truppen militärisch gesäuberten Gebiete einzunehmen.
Erst im Oktober 2003 autorisierte der Weltsicherheitsrat die Ausweitung des NATO-Einsatzgebietes über Kabul hinaus auf ganz Afghanistan. Die NATO beschloß im Juni 2004 in Istanbul, dieses Vorhaben schrittweise umzusetzen.
Norden: Ab August 2004 breiteten sich die NATO/ISAF-Truppen zuerst in den nördlichen Provinzen Afghanistans aus. Verglichen mit den noch bevorstehenden, war das der einfachste Teil des Vorhabens. Die Taliban leistete keinen Widerstand. Sie war hier schon 3 Jahre vorher besiegt worden, und im Norden hatte sie sowieso nie eine solide Basis oder großen Rückhalt in der Bevölkerung. Auch während ihrer Zeit in Kabul wurden einige nördliche Provinzen noch von Milizen der Nordallianz kontrolliert. Die Aufgabe, den Norden zu besetzen, um mit dem Wiederaufbau und Nationbuilding beginnen zu können, wurde hauptsächlich von deutschen und französischen Truppen bewältigt.
Westen: Ab September 2005 rückten italienische und spanische Truppen in den Westen Afghanistans vor. Auch hier lief alles mehr oder weniger nach Plan.
Süden und Osten: Im August 2006 sollte die NATO den Süden, anschließend den Osten unter ihre Kontrolle bringen. Voraussetzung dafür wäre, wie in den Fällen zuvor, die vorherige militärische Säuberung dieser Gebiete durch die OEF-Truppen gewesen. Und noch Ende 2005 sah es tatsächlich so aus, als sei die Taliban auch hier geschlagen. Aber im darauffolgenden Frühjahr überraschten die islamischen Terroristen die ISAF-Truppen, die bereits in den Süden vorverlegt worden waren - v.a. die britischen Soldaten in der Provinz Helmand und die kanadischen in Kandahar, genauso wie die amerikanischen OEF-Truppen im Osten - indem sie ihrerseits zur Offensive übergingen. Es schien, als habe die Taliban nur eine Weile stillgehalten, um sich im Untergrund zu reorganisieren. Kein Geheimdienst schien, wiedermal, davon etwas mitbekommen zu haben. Es ergab sich dadurch aber, daß die ISAF-Truppen, weil die NATO den Zeitplan für die Ausweitung ihres Einsatzgebietes nicht zurücknehmen, d.h. gegenüber der Taliban kapitulieren wollte, sich die zu besetzenden Gebiete diesmal selbst erobern mußten.
Der deutsche Beitrag zur Operation Medusa
Das konnte nicht ohne Probleme abgehn. Denn obwohl die NATO bereits einen Tag nach 9/11, am 12. September 2001, zum ersten mal in ihrer fast 60jährigen Geschichte den Ernstfall laut Artikel 5 des NATO-Vertrages annahm, womit sämtliche Mitgliedsstaaten den Angriff gegen Amerika als "Angriff gegen sie alle"(4) interpretierten, verhielten sich nicht alle Verbündeten entsprechend. Manche von ihnen schienen den War on Terrorism bestenfalls für eine Angelegenheit der Amerikaner zu halten, aus der man sich selber besser heraushielt. Deshalb waren auch nicht alle NATO-Mitglieder dabei, als am 2. September 2006 die Operation Medusa begann, die Militäroffensive der ISAF-Truppen, die den Süden unter ihre Kontrolle bringen sollte. Auch deshalb endete Operation Medusa beinahe als Fiasko; v.a. für die 5000 britischen und 2000 kanadischen Soldaten in den Provinzen Helmand und Kandahar, die den Großteil der Schlacht im Süden auszufechten hatten, doch auch für die 1700 Holländer, die die Provinz Oruzgan gegen die Taliban verteidigten, sowie für die NATO insgesamt.
Die Taliban hatte überraschend in regelrechten militärischen Formationen angegriffen, und war dann, wieder überraschend, zu der von den Terroristen im Irak bekannten Kriegsführung übergegangen: Straßenbomben und Selbstmordanschlägen gegen die Besatzungstruppen, Repräsentanten der afghanischen Regierung, Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen und Zivilisten, Frauenrechtlerinnen, Lehrerinnen, Entführung von Journalisten usw. Erst nach mehreren Wochen heftigster Gefechte erklärten die ISAF-Truppen Ende September schließlich, die Taliban geschlagen zu haben. Doch auch das Bild von den siegreichen Koalitionstruppen vom November 2001 war angeschlagen. Die ISAF-Truppen hatten zwar die im engeren Sinne militärischen Auseinandersetzungen mit der Taliban gewonnen, aber nur mit Ach und Krach, und die Terroranschläge gingen nicht nur ungemindert weiter, sondern steigerten sich nach Abschluß der Militäroperation auf ein quasi alltägliches Niveau. Der afghanische Kriegsschauplatz war jetzt von dem irakischen kaum noch zu unterscheiden. Vor den Terrorangriffen verschont blieb auch Kabul nicht, die schnelle Eroberung zu Kriegsbeginn, wo im August 2006 die schwersten Anschläge mit teils über 20 Toten stattfanden. Da hatten sich welche von Ayman Al Zawahiri inspirieren lassen, der in einer Video-Botschaft vom 6. Juni 2006 die Glaubensbrüder in Kabul dazu aufgerufen hatte, den Islam gegen die "Eindringlinge" und "Besatzer" zu verteidigen: "Bedenkt die Geschichte eurer Väter und ihres Widerstands gegen die Invasoren... Kämpft vereint mit der Mujaheddin, bis die Invasoren hinausgeworfen sind und Afghanistan befreit ist und die islamische Sharia und Sicherheit und Gerechtigkeit walten".(5)
Der erste Versuch, die institutionelle Spaltung der Afghanistan-Mission praktisch dadurch aufzuheben, daß der ISAF eine eigenständige Militäroperation überantwortet wurde, war jedenfalls nicht mißlungen. Mit gutem Recht konnte der ISAF-Kommandeur, der Brite Lt. Gen. David Richards, der die gerade abgeschlossenen Militäroperationen im Süden zu verantworten hatte, ausrufen: "Das ist der größte Sieg über die Taliban seit 2001".(6) Er mußte aber auch zugeben, daß dieser Sieg schwerer zu erringen gewesen war, als er selber es erwartet hatte. Das zeigte schon die Statistik. Die etwa gleich hohen Verluste britischer und kanadischer ISAF-Soldaten seit Kriegsbeginn waren im September von knapp 10 Toten vor der Militäroperation auf jeweils fast 50 Tote angestiegen. Britische und kanadische Offiziere sprachen nach den Kämpfen in der Öffentlichkeit darüber, daß sie nicht ausreichend auf die Heftigkeit der Gegenwehr der Taliban vorbereitet worden waren, und daß es ihnen an Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Soldaten, manchmal auch Munition und Lebensmittelrationen mangelte, während sie ihr Leben gegen die angreifenden Horden der Taliban verteidigten. Niemand hatte damit gerechnet, daß die Taliban, 5 Jahre nach ihrem Sturz, in dieser militärischen Stärke wiederkehren würde. Das Jahr 2006 war, in Afghanistan wie in Irak und an anderen Fronten des Krieges gegen den internationalen islamischen Terrorismus, zu einem Jahr des gesteigerten Zweifelns geworden, ob und wie dieser Krieg überhaupt noch gewonnen werden könnte.
Auf solche Fragen gab es freilich keine befriedigenden Antworten. Die zunehmende Ungewißheit war jedoch Wasser auf die Mühlen derer, die den Krieg sowieso für ungewinnbar hielten, ihn sofort beenden wollten, weil sie ihn von anfang an für falsch hielten, und weil sie schon wieder vergessen hatten, daß dieser Krieg nicht am (7). Oktober 2001 in Afghanistan, sondern vorher, am 11. September 2001 in Amerika begonnen hatte. Solche Kriegsgegner tummelten sich aber nicht nur in der Friedensbewegung, sondern auch innerhalb der NATO selbst. Dieses Problem trat nun als Folge jener Schwierigkeiten wieder hervor, die sich während der Operation Medusa gerade gezeigt hatten, aber es hatte seinen Grund nicht in diesen Schwierigkeiten; die mangelnde Solidarität unter den NATO-Verbündeten war selbst einer der Gründe dafür, daß es zu den Schwierigkeiten überhaupt gekommen war.
Einige europäische Staaten hatten gezögert oder sich, wie Deutschland, geweigert, Truppen für die Operation Medusa oder irgendeinen anderen Kampfeinsatz zur Verfügung zu stellen. Das Problem war schon im Vorfeld virulent geworden, als sich im Sommer abzeichnete, daß die Taliban dem Vordringen der NATO in den Süden und Osten mehr Widerstand entgegenbringen würde als ursprünglich erwartet, und U.S. Marine Corps Gen. James L. Jones, in Personalunion Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa (USEUCOM) und Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa (SACEUR), von den Verbündeten zusätzliche 2500 Soldaten anforderte, um die bevorstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Er bekam keine. Bis Ende September, als die Militäroperation schon offiziell zuende war, reagierte nur Polen und bot 900 Soldaten an, die aber erst im darauffolgenden Frühjahr nach Afghanistan verlegt werden sollten.
Wo das Problem im einzelnen lag, wurde anschaulich, wenn man sich überlegte, daß die von General Jones für den Süden angeforderte Verstärkung, 2500, zufällig genau dem Umfang des in Afghanistan bereits stationierten deutschen ISAF-Kontingents entsprach. Der Haken dabei: die Deutschen waren im Norden stationiert und durften sich, aufgrund eines "nationalen Vorbehalts" Berlins, von dort nicht wegbewegen, und sich weder hier noch gar woanders in Afghanistan an einer Militäroperation beteiligen. Die deutschen ISAF-Soldaten hatten nämlich einen rein gewaltfreien Kampfauftrag. Der Bundeswehreinsatz war lediglich die Fortsetzung der deutschen Appeasmentpolitik mit militärischen Mitteln.
Laut einem Bericht des Congressional Research Service (CRS), der am 22. August 2006 dem amerikanischen Congress vorlag, waren die deutschen ISAF-Soldaten unter den Alliierten und bei der Zivilbevölkerung seit langem dafür bekannt, daß sie sich kaum einmal über die Mauern ihrer Schlafräume und Büros hinaustrauten, "aus Angst, die afghanische Öffentlichkeit zu verärgern oder mit bewaffneten Elementen in Kontakt zu geraten".7 Sie unternähmen weder ausgiebige Streifgänge noch reagierten sie auf sicherheitsrelevante Vorfälle vor Ort.
Der CRS-Report gab an, seine Vorwürfe gegen die unsolidarischen Verbündeten, die er natürlich nicht direkt so benannte, in einer Reihenfolge aufzulisten, "die mit den Regierungen beginnt, die bei der Anwendung von combat forces am unschlüssigsten sind", ließ die Liste der Unsolidarischen mit Deutschland beginnen und bemängelte an erster Stelle den "nationalen Vorbehalt" Berlins. Der amerikanische Staatssekretär Nicholas Burns sprach das Problem später, nach Abschluß der Operaton Medusa, auf einer Pressekonferenz in Berlin noch einmal an: "Ich möchte die Deutschen sehr höflich darum bitten, einmal darüber nachzudenken, ob die sehr engen und sehr starren Restriktionen, die den deutschen Truppen auferlegt wurden, für die NATO einen Sinn ergeben"; ob es nicht besser wäre, fragte er höflich weiter, wenn Deutschland "dazu bereit wäre, diese Truppen manchmal, auf periodischer, zeitlich befristeter Basis dazu abzukommandieren, den Holländern, Briten, Amerikanern und Kanadiern zu helfen, die die Hauptlast der Kämpfe zu tragen haben?"(8)
Burns bat höflich um Hilfe, aber er forderte auch nur, wozu sich die Verbündeten in den internationalen Verträgen, die ihre Unterschrift trugen, selbst verpflichtet hatten. Es war ja offensichtlich, daß der "nationale Vorbehalt" Berlins, der den deutschen ISAF-Soldaten die Beteiligung an Militäreinsätzen in Afghanistan verbot und ihren Bewegungsraum auf den Norden einschränkte, dem Bekenntnis des Artikel 5 des NATO-Vertrages widersprach, ebenso wie der Versicherung des damaligen deutschen Kanzlers unmittelbar nach 9/11, Amerika genieße "unsere uneingeschränkte Solidarität". Und natürlich widersprach er dem ISAF-Auftrag selbst.
Unter einer NATO-Karte, welche die Verantwortlichkeit der verschiedenen an der ISAF-Mission beteiligten Staaten für bestimmte Gebiete in Afghanistan zeigte, wurde die Mission folgendermaßen beschrieben: "Auftrag: Militärische Operationen in den zugeordneten Gebieten durchführen, um die afghanische Regierung dabei zu unterstützen..."(9) Ihren Auftrag mußten die ISAF-Truppen demnach ohne den deutschen Truppenanteil erfülle, dennen die Beteiligung an "militärischen Operationen" ja aufgrund des "nationalen Vorbehalts" untersagt war. Die Karte erklärte indirekt aber auch, wie Deutschland es schaffte, sein auftragswidriges Mandat durchzuhalten, und trotzdem seine Rolle in der ISAF-Mission zu spielen. Das Geheimnis bestand darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein - dort nämlich, wo nicht gekämpft wurde.
Die Bundeswehr führte das Einsatzkommando in den nördlichen Städten Konduz und Feyzabad, und unterstützte das schwedische in Mazar e Sharif, dem Sitz des Hauptquartiers des Regional Command North, das Kommando über den gesamten Norden, das ebenfalls in deutscher Verantwortlichkeit lag. Die Deutschen hatten sich also das Kommando über den gesamten Norden zugeeignet. Der Grund dafür: Im Norden fanden seit November 2001 keine Kämpfe mehr mit der Taliban statt, und in den Süden oder Osten, wo noch gekämpft wurde, durfte kein einziger deutscher ISAF-Soldat abkommandiert werden; das verbot wieder der "nationale Vorbehalt".
Es gab wohl Gerüchte, wonach deutsche Soldaten sich vereinzelt an Militäroperationen im Süden Afghanistans beteiligt hätten.(10) Gemeint war damit jedoch nicht das deutsche ISAF-Kontingent, sondern das Kommando Spezialkräfte (KSK), das Deutschland schon 2002 für die Operation Enduring Freedom bereitgestellt hatte. Nun darf über die Aktivitäten des KSK in der Öffentlichkeit nicht viel geredet werden, aber nach allem was darüber bekannt wurde, gingen auch die Aktivitäten des KSA über die gelegentliche logistische Unterstützung der von den anderen Verbündeten durchgeführten Militäroperationen, die gelegentliche Mißhandlung von Gefangenen, die US-Truppen zuvor gemacht hatten u.ä. Handlangerdienste in der Regel nicht hinaus. Eine deutsche Fregatte durchstreifte das Arabische Meer nach fliehenden Terroristen, in Uzbekistan betankte eine deutsche Logistikeinheit die Kampfflugzeuge der Verbündeten, und die deutsche Aufklärung steuerte unbemannte Flugkörper über feindliches Territorium, wo später andere kämpfen würden. Nach Auskunft des deutschen Verteidigungsministers waren seit November 2005 überhaupt keine KSK-Truppen mehr in Afghanistan. Am 1. November 2006 wurde dann wie ein Geheimnis gelüftet, daß doch 20 Fernaufklärer der Bundeswehr in den Städten Kandahar und Bagram aktiv seien, nicht ohne zu versichern, daß sie sich nie aus ihren (von den Kameraden anderer Nationen gesicherten) Stützpunkten herausbewegten. Die Operation Medusa jedenfalls mußte nicht nur auf die Unterstützung deutscher ISAF-Truppen verzichten, sondern auch ohne die Schützenhilfe der KSK auskommen.
Die Kritik der Verbündeten, wie höflich formuliert auch immer, stieß in Deutschland auf taube Ohren, denn die ganze Aufmerksamkeit der dortigen Öffentlichkeit wurde zu dieser Zeit bereits von Gefangenen, denen KSKler an den Haaren gezogen, und von Bundeswehrsoldaten, die sich mangels lebendigerer Gegner mit Totenköpfen die Zeit vertreiben mußten, absorbiert. Die deutsche Diskussion hatte daher keine konstruktive, sondern eine völlig andere Stoßrichtung: Die Bundeswehr soll sich sofort und ganz aus Afghanistan zurückziehen. Das ermahnte einen daran, daß die Kritik an dem deutschen Verbündeten, der seinen Pflichten nicht nachkommen wollte, nicht unbedingt darauf abzielte, die Deutschen doch noch zu besseren Soldaten zu erziehen. Wenn sie mit der Demokratie, der Meinungsfreiheit und den anderen bürgerlichen Errungenschaften mehr anzufangen wüßten, als sie zur Verteidigung des Rechts auf ihre eigene Meinung zu mißbrauchen, dann hätten sie ja von sich aus gewußt, wofür es sich zu kämpfen lohnen könnte. Aber so wie die Dinge standen, sprach tatsächlich nicht viel dagegen, die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abzuziehen. Man hätte sie gleich und für die Zukunft von allen Militäroperationen und sonstigen humanitären Einsätzen weltweit ausschließen können, wo sie überall sowieso meistens bloß im Weg steht; vermißt hätte man sie nirgendwo, und an den Fronten, an denen noch scharf geschossen wurde, wäre es nicht einmal aufgefallen.
Soweit kam es dann doch nicht, aber am 28. September, am selben Tag, an dem die NATO ihre Absicht bekundete, in der darauffolgenden Woche die Befehlsgewalt im Süden und Osten zu übernehmen, bekräftigte der deutsche Bundestag noch einmal ausdrücklich den "nationalen Vorbehalt" Berlins: "Anti-Terror-Einsätze werden auch zukünftig ausschließlich von der OEF durchgeführt"; es bleibe "die für die Bundesregierung wichtige klare Abgrenzung Terrorismusbekämpfung von ISAF-Sicherheitsoperationen bestehen".(11) Ein paar Sätze aus der Beschlußvorlage des Bundestages mögen veranschaulichen, wie hier zwischen Pflichtbeflissenheit und -verleugnung herumgeeiert wurde. Zunächst wurde sachlich konstatiert, daß "seit Ende 2005 vor allem die Entwicklung der Sicherheitslage insbesondere im Süden und Osten" einigen "Grund zur Sorge" gäben. Die "instabile Sicherheitslage" bleibe "unverändert die größte Herausforderung für die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft", so daß es "noch weiterer Anstrengungen bedarf, um die Sicherheitslage grundlegend und nachhaltig zu verbessern". Der deutschen Regierung war auch bewußt, daß die NATO/ISAF 2006 die Kontrolle über den Süden und Osten Afghanistans, somit "die Verantwortung für die Sicherheitsunterstützung der afghanischen Regierung im ganzen Land übernommen" hatte. Ebenso, daß zur "Bewältigung dieser Herausforderung" die "Allianz als Ganzes gefordert" sei. So weit, so gut, aber was sollte der deutsche Beitrag zur "Bewältigung dieser Herausforderung" sein? Bis dahin war nur recht schwammig von "Sicherheitsunterstützung" die Rede, keine von irgendwelcher militärischer Verantwortung. Dieses Problem löste die Beschlußvorlage des deutschen Bundestages so: Wir tragen ja schon die militärische Verantwortung im Norden, aber woanders helfen wir den mit der Taliban känpfenden Truppen anerer Nationen gerne auch mal mit Logistik aus - wenn's unbedingt sein muß: "Durch die Übernahme des Regionalkommandos Nord in Mazar-e Sharif und damit der internationalen militärischen Verantwortung für die gesamte Nordregion leisten die deutschen Streitkräfte einen wesentlichen und wichtigen Beitrag zum ISAF-Auftrag für ganz Afghanistan. Darüber hinaus sind das deutsche ISAF-Kontingent, deutsche Soldaten in NATO-Stäben wie auch deutsche Anteile an NATO-Verbänden (z. B. NATO-Fernmeldebataillone) in der Lage, bei Bedarf neben dem operativen Schwerpunkt ISAF-Nordregion die ISAF-Operation zeitlich und im Umfang begrenzt in anderen Regionen zu unterstützen, sofern dies zur Erfüllung des ISAF-Gesamtauftrages unabweisbar ist. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die den gesamten ISAF-Verantwortungsbereich abdeckende Logistik und Sanitätsversorgung sowie Nachrichtengewinnung und Aufklärung".
Mit "militärischen Operationen" sollte die Bundeswehr nach wie vor nichts zu tun haben. Wie dagegen ein Militäreinsatz ganz nach deutschem Geschmack auszusehen hatte, konnte man an einem Beispiel studieren, das die Website der Bundeswehr unter dem Titel "Ein Zelt für Allah"(12) anpries. In ihrem Camp in Mazar e Sharif hatten die deutschen Soldaten eine "Gebetsstätte" eingerichtet, wo die afghanischen Mitarbeiter nun ihre vom Koran vorgeschriebenen 5 täglichen Gebete samt Reinigungsprozedur absolvieren konnten: "Damit wollen die Deutschen zeigen, dass sie die Bräuche des Landes respektieren und Rücksicht auf die religiösen Traditionen der einheimischen Bevölkerung nehmen".
Niederländische An- und Einsichten
Auch die Niederländer hatten ihre Vorbehalte gegen den Krieg, ihre Ansichten unterschieden sich von den deutschen aber grundlegend dadurch, daß sie die Notwendigkeit militärischer Operationen zur Terrorbekämpfung trotzdem einsahen und sich an solchen, auch im Rahmen der OEF, beteiligten. Wegen ihrer Vorbehalte rangierten die Niederlande in der Liste der Unsolidarischen des CRS-Reports gleich hinter Deutschland. Doch sie wegen ihrer gelegentlichen Meckerei gleich in die Ecke der Unsolidarischen an die Seite der Deutschen zu stellen, das hatten sie auch wieder nicht verdient. Im Gegenteil: Was ihren Einsatz während der Operation Medusa anging, plazierten sich die Niederlande ganz auf der anderen Seite der Skala, gleich hinter Großbritannien und Kanada.
Die etwa 1700 niederländischen ISAF-Truppen kämpften in Oruzgan, der direkt an die Unruheherde im Süden und Osten angrenzenden zentralafghanischen Provinz, wo sie seit Sommer 2006 ebenfalls den zunehmenden Angriffen der Taliban ausgesetzt waren. Die Vorbehalte der Niederländer äußerten sich überhaupt nicht in der Weigerung, Truppen für Kampfeinsätze zur Verfügung zu stellen, sondern in vergleichbar harmlosen ideologischen Kunststückchen, die man schlecht wirklich ernst nehmen konnte, was den Artisten anscheinend letztlich selbst so ging. Z.B. bestand die niederländische Regierung darauf, ihre finanziellen Hilfen für den Wiederaufbau Afghanistans, anders als beispielsweise die Amerikaner, direkt an die Regierung in Kabul zu zahlen, die dann selbst entscheiden sollte, was sie mit dem Geld anzufangen gedachte. Sie hielten das für ein Gebot holländischer Toleranz, während die arroganten Amerikaner die Projekte, die sie finanzierten, meistens selbst, mit eigener Menpower und eigenem Equipment durchführten. Die niederländische Politik verfolgte mit ihrer liberalen Großzügigkeit offenbar pädagogische Absichten, wie der CRS-Report ausführte: "Nur auf diese Weise, glauben die Holländer, können die Afghanen lernen, wie good governance funktioniert und wie man seine eigenen Angelegenheiten selber managed". In Wirklichkeit sei das Geld dann jedoch in den privaten Taschen von Politikern und Beamten verschwunden. Der niederländische Finanzierungsvorbehalt bediente und beförderte damit das Gegenteil seiner guten Absicht: die Korruption, poor, abstatt good governance. Das war für das Nationbuilding, mehr noch für den Wideraufbau auch nicht besonders förderlich, denn das Geld, das dazu gebraucht worden wäre, war nun weg. Aber man konnte sich wenigstens damit trösten, daß die Korruption irgendwo auf dem Weg in die Zivilisation liege, die Richtung stimme, das Problem wenig Dramatik entfalte, und daß man am Ende noch darüber lachen konnte.
Die Solidarität der Holländer mit ihren NATO-Verbündeten stand jedenfalls außer Zweifel. Eine Bestätigung dafür gab es am 1. November, als der kanadische Brig.-Gen. David Fraser, der die Militäroperationen im Süden in den vergangenen 8 Monaten koordiniert hatte, das Kommando an einen Niederländer übergab, an Maj.-Gen. Ton Van Loon. Und Van Loon, der die niederländischen ISAF-Truppen in Oruzgan kommandierte, hatte schon im Sommer, als seine Soldaten die ersten Gefechte mit der Taliban erlebten, in einem Interview mit Radio Netherlands dokumentiert, daß er das Verhältnis zwischen Krieg und Nationbuilding in Afghanistan ganz im Einklang mit dem ISAF-Auftrag, also etwas anders als die Deutschen bewertete; anders auch als seine Mitbürger: Er habe wenig übrig für die Diskussionen, die in den Niederlanden über die Natur der NATO-Mission in Afghanistan stattfänden; es gäbe nicht die Wahl zwischen Wideraufbau und Securtity, es ginge um beides: "Abhängig von der Situation, sind Sie das eine Mal mehr mit Aufgaben beschäftigt, die die Sicherheit betreffen, und dann, unmittelbar danach, wieder damit, nationale oder internationale Hilfsorganisationen zu unterstützen. Ohne Security können sie ihre Projekte nicht fortsetzen. Sie können die Security nicht vom Wiederaufbau, und den Wiederaufbau nicht von der Security trennen".(13)
Eine Mission und ein Kommando
Die Niederlande waren nicht Teil des Problems, sonder Teil seiner Lösung. Das andere, schwerer wiegende Problem, das mit den großmäuligen, aber nicht ebenso großzügigen Verbündeten, die überall mitreden, aber nirgends Verantwortung tragen wollten, blieb vorerst ungelöst. Es verkleinerte sich etwas und auf etwas überraschende Weise, als die NATO am 5. Oktober offiziell die Kontrolle über die Provinzen im Süden und Osten übernahm, wobei 12000 amerikanische OEF-Truppen, die im Osten gekämpft hatten, dem NATO-Kommando zufielen. Die Zahl der ISAF-Truppen wuchs damit auf einen Schlag um ein drittel auf mehr als 30000, während ihre Kampfkraft sich durch den Zuwachs der ohne nationale Vorbehalte gegen den internationalen islamischen Terrorismus kämpfenden Amerikaner vermutlich verdreifachte. Zusätzliche 10000 US-Soldaten wurden weiter im Rahmen der OEF eingesetzt, d.h. die gesamte Afghanistan-Mission wurde nach wie vor von insgesamt 40000 ISAF- und OEF-Truppen bewerkstelligt. General Jones hatte damit zwar noch immer keinen einzigen seiner vor Monaten zur Verstärkung angeforderten NATO-Soldaten bekommen, aber er war seinem Ziel, die institutionelle Spaltung der Afghanistan-Mission - "die für die Bundesregierung wichtige klare Abgrenzung" zwischen ISAF und OEF - Schritt für Schritt rückgängig zu machen, schon wieder einen Schritt näher gekommen. An der Gesamtzahl der ihm zur Verfügung stehenden Truppen, 40000, hatte sich zwar nichts geändert, aber das Zahlenverhältnis zwischen ISAF- und OEF-Truppen hatte sich von 1:1 auf 2:1 vergrößert, d.h. es befanden sich jetzt mehr, v.a. deutlich mehr für Militäreinsätze brauchbare Truppen unter einem einheitlichen Kommando als zuvor. Außerdem existierte keine geographische Trennlinie mehr zwischen ISAF und OEF, seit die NATO das gesamte afghanische Staatsgebiet kontrollierte.
Das um die amerikanischen OEF-Truppen verstärkte ISAF-Kommando führte zu dieser Zeit der britische Lt. Gen. David Richards. Im Frühjahr 2007 würde ein amerikanischer General diese Aufgabe übernehmen. Oberkommandierender der gesamten Afghanistan-Mission war schon ein amerikanischer General, Jones. Die Rückverflechtung der beiden Missionen, OEF und ISAF, zu einer Mission unter amerikanischer Führung, was sie wesentlich immer war, war damit praktisch fast realisiert. Die noch aus den Zeiten der Regierung Schröder herrührende, von der deutschen Öffentlichkeit getragene und von der Regierung Merkel bisher nicht korrigierte Politik, die beiden Missionen voneinander zu trennen, fand immer weniger Verständnis bei den Verbündeten.
Die Trennung ließ sich auch von der Sache her nicht länger rechtfertigen. Die Erfahrungen der letzten Zeit hatten noch einmal verdeutlicht, daß die Schwierigkeiten der Afghanistan-Mission sich ja gerade daraus ergaben, daß diese Trennung nicht funktionierte, weil kein Wiederaufbau und kein Nationbuilding beginnen konnte, wo die Taliban noch nicht besiegt war. Die Taliban war aber so lange nicht besiegt, solange das Nationbuilding nicht vorangekommen war. Das Nationbuilding wiederum wurde durch den andauernden Krieg behindert. Aus diesen Konflikten gab es keinen eifachen Ausweg, schon gar keinen durch die institutionelle Trennung zweier Komponenten einer Mission, die praktisch nicht voneinander zu trennen waren.
Wie sollte in Afghanistan z.B. ein Bildungssystem existieren, wenn die neu errichteten Schulen nicht gegen die Angriffe der Taliban verteidigt werden konnten? Am 2. Oktober 2006 meldete die UN-Nachrichtenagentur IRIN aus Lashkar Gah, der Hauptstadt der in den Wochen zuvor umkämpften und von den britischen ISAF-Truppen verteidigten Provinz Helmand: "Über 300 Schulen im Süden geschlossen".(14) Warum mußten die Schulen geschlossen werden? Weil sie nicht gegen die Angriffe der Taliban verteidigt werden konnten. Und seit wann hatte es die Schulen überhaupt gegeben? Schulen, in denen Mädchen unterrichtet wurden? Nicht vor dem Sturz der Taliban im November 2001. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren seit dem Sturz der Taliban bis Dezember 2005, also in etwa 4 Jahren, 5 Millionen Kinder ausgebildet worden, darunter 1,5 Millionen Mädchen, die während der Taliban-Herrschaft von der Schule ausgeschlossen waren. Aber allein in der - von den kanadischen ISAF-Truppen verteidigten - Provinz Kandahar waren im Oktober 2006 150 Schulen aus Angst vor der Taliban geschlossen.
Ebenfalls in Kandahar war im September die Repräsentantin des Ministeriums für Frauenrechte, Safia Hama Jan, erschossen worden. Sie war dadurch bekannt geworden, daß sie noch während der Taliban-Herrschaft Untergrund-Schulen für Mädchen organisiert hatte. Seit dem Frühjahr 2006 bekamen Lehrerinnen und Schülerinnen wieder Telefonanrufe mit Drohungen, sie umzubringen, wenn sie nochmal in einer Schule gesehen würden. Nicht anders ging es in Lashkar Gah zu. Überall wo die Besatzungstruppen sich noch nicht durchgesetzt hatten oder zu schwach vertreten waren, sodaß die Taliban wieder aktiv werden konnte, trauten sich Frauen nicht mehr unverschleiert auf die Straße, Lehrer nicht mehr in die Schule, Politiker nicht mehr ins Büro, Hilfsorganisationen beendeten ihre Projekte, weil sie ihre Mitarbeiter sowenig beschützen konnten wie die Straßen, Brücken und Häuser, die diese gerade gebaut hatten.
Der deutsche Beitrag zur Polizeiausbildung
Wenn die Infrastruktur in Afghanistan, von der nach 2 Jahrzehnten Krieg und Chaos nicht viel übrig blieb, kaum daß sie wiederaufgebaut war, gleich wieder von der Taliban zerstört werden konnte, dann fehlte es offensichtlich an Security, an Soldaten oder wenigstens Polizisten. Militärisch hatte Deutschland, wie gesehen, nicht viel beizutragen, aber wie stand es um die Polizei? Seit dem 3. April 2002 war Deutschland für die Ausbildung der neuen afghanischen Polizei verantwortlich. Das war nun eine Aufgabe, die nicht zum unmittelbar militärischen Teil der Mission gehörte, sondern zum Nationbuilding; genau die richtige Aufgabe für die Deutschen! Hat sich Deutschland also wenigstens an dieser Front bewährt? Die Verbündeten waren auch davon nicht so überzeugt. George W. Bush z.B. nannte die Mängel bei der Polizeiausbildung als Beispiel, als er Ende September in einer Rede Bilanz zog und "Rückschläge" im Krieg gegen den internationalen islamischen Terrorismus, auch in Afghanistan eingestand: "Die Ausbildung der afghanischen Polizei verlief nicht so glatt wie die der Armee". Die Ausbildung der afghanischen Armee fand er gelungen; diese Aufgabe hatten die Amerikaner übernommen und gemeistert, so daß Bushs Eingeständnis von "Rückschlägen", wie es die Medien interpretierten, in diesem Fall jedenfalls kein Eingeständnis eigener Fehler gewesen war. Es sei denn, man wollte den Fehler darin erkennen, die Deutschen überhaupt mit verantwortlichen Aufgaben betraut zu haben. Bush hatte das Argument aber mit Absicht verkürzt wiedergegeben, damit die Journalisten einmal zu hören bekamen, was sie unbedingt hören wollten. Das vollständige Argument, wie es General Jones schon im Juli formuliert hatte, klang da schon etwas weniger subtil: "Während der Aufbau der afghanischen Armee eine der glorreichen Geschichten ist, betrifft eine der weniger guten, bis jetzt, die Unzulänglichkeit, einen vergleichbaren Fortschritt bei der Polizeireform zu erzielen, wofür Deutschland verantwortlich ist."(15)
In Afghanistan gab es 2001 80000 Polizeioffiziere. Es handelte sich dabei allerdings um einen in sich selbst widerstrebenden Haufen zusammengewürfelt von Polizisten, die noch von der Sowjetunion ausgebildet wurden, von Veteranen des anti-sowjetischen Jihad und einigen Gunmen amtierender afghanischer Warlords. 2002 begannen die USA mit der Armee- und die Deutschen mit der Polizeiausbildung, aber Deutschland schickte nur 40 Ausbilder und konzentrierte sich auf die Entwicklung eines Kaders von 3500 gut geschulten Kommandeuren auf einer wiedereröffneten Polizeiakademie. Die zehntausenden Offiziere außerhalb Kabuls bekamen jedoch kein systematisches Training bis 2004, als die USA sich der Sache annahmen und eigenmächtig 7 regionale Ausbildungszentren eröffneten. Erst seitdem gab es Fortschritte bei der Etablierung der Polizei auch in abgelegeneren Gebieten. In einem Gespräch mit der New York Times machte Hamid Karzai das Eingeständnis, das Versagen dabei, eine professionelle afghanische Polizei auszubilden, sei ein zentraler Fehler in der Zeit unmittelbar nach dem Sturz der Taliban gewesen (als die Deutschen sich darum gekümmert hatten). Karzais: "Wir hätten gerne viel mehr Unterstützung bei der Ausbildung der Polizei von den Vereinigten Staaten".(16)
Pashtunentum und Pakistan
Auch die Afghanistan-Veteranen der Roten Armee gehen sowieso davon aus, daß ein Krieg gegen die Mujaheddin nicht zu gewinnen ist. Wie auch anders? Aber diesmal haben die Freiheitskämpfer nicht die (überlegene) Supermacht hinter, sondern vor sich. Die minderwertigen Waffen müssen sie sich jetzt über einen durch die Produktion und den Vertrieb von Opium vermittelten Umweg selbst beschaffen. Und ihre einzige Zuflucht ist heute Pakistan, ein zu schwacher Verbündeter.
Das es mit Pakistan ein Problem gab, war während der OEF-Operation Mountain Fury klar geworden, der Offensive der Koalitionstruppen im Osten, die parallel zur Operation Medusa im Süden stattfand. Im Juni 2006 hatte General Pervez Musharraf, der pakistanische Präsident, einen Waffenstillstand mit Milizen pashtunischer, mit der Taliban verbrüderter Stammeshäupter in Nord-Waziristan vereinbart, einem Gebiet im Nordwesten Pakistans, an der Grenze zu Afghanistan, das der Taliban und Al Qaeda fortan als Militärstützpunkt auf pakistanischem, für die US- und NATO-Truppen unzugänglichem Boden diente.
Die gesamten die Ostgrenze Afghanistans berührenden pakistanischen Provinzen von den Städten Quetta (wo sich Mullah Omar aufhalten soll) im Süden bis Peshawar (wo Osama bin Laden sein könnte) im Norden sind von Pashtunenstämmen besiedelt. Auf der gegenüberliegenden afghanischen Seite liegen die Städte Kandahar im Südosten nahe der pakistanischen Grenze, Lashkar Gah westlich davon, die Provinzhauptstadt von Helmand, und Kabul in Nordosten. Auschließlich Kabul waren das auf afgahnischer Seite die Orte der schwersten Kämpfe der jüngsten Zeit. In dieser Gegend entstand die Taliban 1993, 1994 wurde Kandahar ihre erste Eroberung. Die Orte auf afghanischer und pakistanischer Seite zusammengenommen markieren eine zusammenhängende, von Pashtunen, die fast die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ausmachen, bewohnte Fläche, die auf afghanischem Territorium fast den ganzen Südteil umfaßt und die an Pakistan grenzenden Provinzen im Osten. Die Taliban genießt auch heute noch viel Sympathie v.a. innerhalb der pashtunischen Bevölkerung.
In Nord-Waziristan, im pakistanischen Niemandsland der Pashtunen, entstand, befördert durch den Waffenstillstand vom Juni, ein Mini-Taliban-Staat, eine Art Staat im Staate, wie er in etwas anderer Form im Süden Libanons sich etablierte, nachdem die israelische Armee 2000 ihre Truppen von dort abgezogen hatte, oder wie ihn die Taliban 1996 in ganz Afghanistan proklamierte. Es entwickelte sich hier eine Gegend, in der nicht länger das Gesetz des pakistanischen Staates galt, sondern islamisches Stammesrecht, in einem kleinen Gottesstaat, wo die Sittenwächter den Ton angaben: "Die Taliban greift offen jene Frauen an, die für Hilfsorganisationen arbeiten, schließt Kinos und praktiziert ihr eigenes Rechtssystem - und wir sehen nicht, daß der pakistanische Staat eingreift, um diesen Zustand zu beenden".(17)
Seit dem Waffenstillstand in Nord-Waziristan hatten sich die Angriffe der Taliban in den auf der anderen Seite der Grenze liegenden afghanischen Provinzen Paktika, Paktia und Khowst, dem Einsatzgebiet der Operation Mountain Fury, verdreifacht. Das bekamen vor allem die dort stationierten amerikanischen Soldaten zu spüren. Die US-Truppen verzeichneten im Oktober 2006 mit über 100 Toten die höchsten Verluste innerhalb eines Monats, ein drittel der gesamten Verluste der US-Trupen seit Beginn der Afghanistan-Mission. Erst nachdem Musharraf gegen Ende Oktober aus Washington zurückkehrte, wo ihm die Leviten gelesen worden waren, wendete sich das Blatt. Tage später griff die pakistanische Armee ein als Koranschule getarntes Al Qaeda-Ausbildungslager an und schickte dabei auf einen Schlag 81 Jungterroristen ins Paradies. Die Armeeführung gab an, daß der Angriff auch auf Grundlage von CIA-Informationen durchgeführt worden war, aber ohne Beteiligung amerikanischer Truppen. Pakistan zeigte sich damit einmal mehr als Verbündeter, auf den man sich zwar niemals verlassen, den man aber durch adäquate Druckmittel zur Raison bringen konnte.
Das Problem mit Pakistan und den Pashtunen, denen es an Distanz zur Taliban mangelt, werden die Strategen des State Department (oder der CIA) wahrscheinlich noch eher in den Griff bekommen als das mit den unsolidarischen Verbündeten. Regierungen wie die britische, kanadische oder niederländische, die der in der Bevölkerung populären Forderung nach einem sofortigen Truppenabzug bislang widerstehen, könnten auch noch der (deutschen, spanischen) Ideologie verfallen, wonach man sich nur aus allem heraushalten muß, um sich dem zu entziehen, was da komme. Die Deutschen sind auch in Afghanistan das schlechte Vorbild, das, wenn es Schule machte, die ganze Mission zum Scheitern bringen könnte.
(1)
Veterans on Afghanistan: impossible to win, CanWest News Service, 28. Oktober 2006,
http://www.canada.com/theprovince/news/story.html?id=7d99f5be-0dd2-4751-a839-9aa07d3caf04&k=55889&p=3
(2)
The laughing 9-11 bombers, Sunday Times, 1. Oktober 2006,
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,2089-2383229,00.html
(3)
Music plays again in Kabul, CNN, 14. November 2001,
http://edition.cnn.com/2001/WORLD/as7iapcf/central/11/14/ret.amanpour.otsc/index.html
(4)
The North Atlantic Treaty, Washington D.C., 4 April 1949,
http://www.nato.int/docu/basictxt/treaty.htm
(5)
New Al-Zawahiri Video?, ABC News, 21. Juni 2006,
http://blogs.abcnews.com/theblotter/terror_/index.html
(6)
Nato commander awaits Afghan 'acid test', BBC, 20. September 2006,
http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/south_asia/5364690.stm
(7)
NATO in Afghanistan: A Test of the Transatlantic Alliance, CRS Report for Congress, Paul Gallis, Congressional Research Service, 22. August 2006,
http://fpc.state.gov/documents/organization/71867.pdf
(8)
U.S. urges Germany to extend mandate in Afghanistan, Muzi.com, 23. Oktober 2006,
http://dailynews.muzi.com/news/ll/english/10024366.shtml
(9)
ISAF REGIONAL COMMANDS & PRT LOCATIONS, NATO, 16. September 2006,
http://www.nato.int/issues/afghanistan/060916_update.pdf
(10)
German army gives logistical aid to NATO forces in S Afghanistan , IRNA, 30. September 2006,
http://www.irna.ir/en/news/view/menu-235/0609309180170301.htm
(11)
Deutscher Bundestag Drucksache 16/2573, 13. 09. 2006,
http://dip.bundestag.de/btd/16/025/1602573.pdf
(12)
Ein Zelt für Allah, Bundeswehr, 2. November 2006,
http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4w3dPMHSUGYfvqRMLGglFR9b31fj_zcVP0A_YLciHJHR0VFAFIKLis!/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfQV8xUlU!?yw_contentURL=%2FC1256EF4002AED30%2FW26V6L6H126INFODE%2Fcontent.jsp
(13)
Major US-led operation in southern Afghanistan, Radio Netherlands, 16. Juni 2006,
http://www.radionetherlands.nl/currentaffairs/afg060616
(14)
AFGHANISTAN: Over 300 schools closed in south, IRIN, 2. Oktober 2006,
http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=55789&SelectRegion=Asia&SelectCountry=AFGHANISTAN
(15)
If called to Lebanon, NATO 'could go in', IHT, 27. Juli 2006,
http://www.iht.com/articles/2006/07/27/news/nato.php
(16)
The Afghanistan Triangle, NYT, 1. Oktober 2001,
http://www.nytimes.com/2006/10/01/weekinreview/01rohde.html?ref=asia
(17)
U_S_'s 'moment of truth' in Afghanistan - Afghanistan Five Years Later, NBC, 4. Oktober 2006,
http://www.msnbc.msn.com/id/15117181/